Aller guten Dinge sind drei? The Walking Dead: World Beyond

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Die Hauptserie The Walking Dead endet - wenn auch mit sehr langer Vorlaufzeit. Staffel 10 bekommt nach dem eigentlichen FInale im Oktober noch sechs weitere Folgen im Frühjahr 2021, bevor insgesamt 24 Episoden der elften Staffel ab Herbst 2021 bis ins Jahr 2022 laufen wird. Doch zu Ende sind die Geschichten aus dem untoten Amerika damit nicht. Eine Spin-Off-Serie mit Daryl und Carol ist ebenso angekündigt wie Tales of The Walking Dead - eine Anthologie-Serie mit wechselnden Hauptfiguren. Vorher aber kommen die zwei Staffeln The Walking Dead World Beyond, die den bislang weitesten Sprung in die Zukunft macht. Ist das sehenswert?

Die Handlung

Zehn Jahre sind nach dem Ausbruch des Untoten-Virus vergangen. Iris (Aliyah Royale) und ihre Schwester Hope (Alexa Mansour) gehören zur ersten Generation, die noch Kinder waren, als die Zivilisation unterging. Und für die ein Leben hinter Mauern alles ist, was sie kennen. Zwischen der rebellischen Hope und der ehrgzeizigen Iris steht aber nicht nur ein schreckliches Ereignis aus ihrer Kindheit, sondern auch unterschiedliche Ansichten über die aktuelle politische Situation. Denn der Bund aus der Stadt Omaha, wo die beiden Schwestern leben und Portland wird von einer dritten Kraft geführt, der Civic Republic. Und die hüllt sich über Herkunft und Ziele in Schweigen.

Auch der Besuch der hochrangigen Civic-Anfüherin Elizabeth (Julia Ormond) ändert an diesen Geheimnissen nichts. Für die Schwestern doppelt hart, denn ihr Vater ist seit Monaten im Gebiet der Republic, um sein Wissen über das Virus weiterzugeben. Und steht nur verbotenerweise über eine Art Fax mit seinen Töchtern in kurzen, einseitigen Textkontakten. Nach einem bierseligen Gespräch mit Elizabeth entschließen sich die Schwestern daher, den Weg zu ihrem Vater anzutreten, durch 1100 Meilen Untotenland, Mit zwei Freunden, dem klugen Elton (Nicolas Cantu) und dem schweigsamen Silas (Hal Cumpston), nachen sich Hope und Iris auf den Weg. Doch sie werden verfolgt ...

The Walking Dead World Beyond

Coming of Age - mit Zombies

TWD: World Beyond beleuchtet in den ersten zwei Folgen, die Amazon Prime vorab zur Verfügung stellte, in erster Linie das Verhältnis zwischen Hope und Iris, sowie mit ihrem Beschützer Felix (Nico Tortorella), der gemeinsam mit einer Freundin dem Teenager-Quartett ins Ungewisse folgt. Zwar haben die anderen Serien auch immer wieder einmal von Teenie-Problemen in der Apokalypse erzählt, so zentralen Raum wie hier hat das Thema allerdings bisher nicht bekommen. Denn das Finden der eigenen Persönlichkeit ist in der Serie ebenso wichtig wie der Überlebenskampf gegen die "Empties", wie sie hier in der englischen Version genannt werden. 

Für seine Generation prägt Elton hingegen das Wort "Endling", denn sie sind seiner Meinung nach die letzten ihrer Art, steht die Menschheit kurz vor der Vernichtung. Doch während die vier Teens in der Theorie ganz groß sind und alles zu wissen glauben, versagen sie in der Praxis kläglich. Die ersten Versuche, einen einzelnen Emptie zu töten, enden fast tödlich - obwohl alle ein jahrelanges Training im Kampf absolviert haben und über entsprechende Waffen verfügen. Diese Unfähigkeit, die in den ersten beiden Folgen mehrfach geradezu zelebriert wird, ist das größte Ärgernis der neuen Serie - das einzige ist es nicht.

Wenig Licht, viel Schatten

Denn die neue Serie hat zumindest zu Beginn nichts Neues zu sagen, beinahe jeder Dialog ist bereits aus zehn Jahren TWD bekannt. Alle Figuren, alle Situationen, hat der Fan so oder ganz ähnlich bereits gesehen. Showrunner Matthew Negrete, der die Serie mit Langzeit-TWD-Producer Scott Gimple schrieb, hat trotz des Zeitsprungs in den beiden ersten Folgen keine neue Idee gefunden oder der Story einen Dreh verliehen, der auf eine wirklich frische Zombie-Serie hoffen ließe. Unerfahrene Überlebende auf einem Trip durch die lebensbedrohliche, hier nicht mehr ganz so neue Wirklichkeit der herunstreunernden Untoten. Das ist kalter Kaffee.

The Walking Dead World Beyond

Zudem klärt Negrete auch im Finale der ersten Folge schon, wer in der Serie der Bösewicht ist, und verschenkt damit eine weitere Möglichkeit, Spannung zu erzeugen. Und davon hat die Serie zum Start ohnehin nicht sehr viel. Dennoch ist es zu früh, um über TWD World Beyond den Stab zu brechen. Denn neben bekannten Schwächen der Serien verfügt die neue auch über bekannte Stärken. So machen die Maskenbildner weiterhin einen guten bis herausragenden Job, wenn sie sich immer neue Untote ausdenken und zu gruseligem Leben erwecken. Und auch die Schauspieler bieten sehenswerte Auftritte, allerdings sind die guten Frauenrollen bislang noch in der Überzahl.

Alexa Mansour und Aliyah Royale setzen als ungleiche Schwestern ein Highlight, dazu gibt Julia Ormond ihre undurchsichtige Figur gewohnt kühl. Nico Tortorellas Charakter, der in Folge zwei durch Backflashs eine Hintergrundstory bekommt, hat dagegen nur wenig zu tun. Und Nicolas Cantu darf in nur einer Szene beweisen, dass sein Charakter das Potenzial für einen Schurken mitbringt. Das größte mögliche Plus der Serie ist aber ihr Ende. TWD World Beyond ist als Mini-Serie mit nur zwei Staffeln geplant, könnte also eine weitaus interessantere Dramaturgie entwickeln als die anderen. Selbst wenn davon bisher noch nicht viel zu sehen ist. 

Fazit:

Nach zwei Folgen hat sich The Walking Dead: World Beyond noch nicht mit Ruhm bekleckert, bietet aber immerhin ein paar interessante Figuren im typischen Überlebenskampf-Allerlei des TWD-Universums. Wenn die Autoren in den kommenden Episoden noch zulegen, könnte sich die Serie, die nur 20 Episoden bekommen wird, also durchaus noch zum Must-See entwickeln, Potenzial wäre vorhanden.

The Walking Dead World Beyond

Wertung

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