Alone: So gut ist der packende Thriller fürs Heimkino!

 | Spiele.de
Springe zu...
TEILEN

Horror kann überall entstehen, das behauptet zumindest der Meister des Grauens, Autor Stephen King. Manche Orte sind naheliegend, wie ein Friedhof oder eine Ruine, andere brauchen ein wenig mehr Phantasie, um sich dort Horror vorzustellen. Dazu gehört auch die Straße. Obwohl es dort jedes Jahr ganz reale Verkehrstote gibt, fühlen sich die meisten Menschenhinter dem Steuer ihres Autos sicher. Wie trügerisch dieses Gefühl sein kann, damit beschäftigt sich der Thriller von Regisseur John Hyams. Kann der Film, der auf den Spuren von Klassikern wie Hitcher – der Highwaykiller und Joyride wandelt, ebenfalls überzeugen?

Alone @Koch Films

Pssttt! Jessicas Entführer schätzt keinen Lärm.

Die Handlung

Die junge Jessica (Jules Willcox) macht gerade eine harte Zeit durch. Sie hat ihren Partner verloren und sich deshalb entschlossen, ihre vertraute Umgebung zu verlassen und in eine andere Stadt zu ziehen. Es soll für sie ein Neuanfang werden, um den Kopf und die Seele wieder freizubekommen. Doch ihre Eltern sind wenig begeistert von ihren Plänen und versuche sie noch davon abzubringen, als sie Auto und Möbelanhänger schon längst unterwegs ist. Dass sie ein anderer Wagen beim Überholen fast in einen entgegenkommenden Truck hineindrängt, hebt ihre Stimmung auch nicht gerade. 

Allerdings lernt sie den Fahrer (Marc Menchaca) einige Stunden später auf einer Raststätte kennen, als er sich bei ihr dafür entschuldigt. Er habe auf sein Smartphone geblickt und sie deshalb nicht bemerkt. Jessica akzeptiert seine Entschuldigung und fährt weiter. Doch wenig später begegnet sie dem Mann schon wieder, diesmal hat er angeblich eine Panne und bittet sie um Hilfe. Weil sie ein ungutes Gefühl hat, fährt sie aber weiter und verspricht lediglich, ihm Hilfe zu schicken. Bei ihrem nächsten Halt taucht der Kerl erneut auf und ist diesmal schon unfreundlicher. Panisch gibt sie Gas, um dem Mann zu entkommen. Doch dann hat sie selbst eine Autopanne. Und von hinten nähern sich Scheinwerfer ...

Alone @Koch Films

Jessica gelingt die Flucht, doch sie hat keine Ahnung wo sie ist.

Simple Story

Ein guter Thriller lebt meist von einer simplen Grundidee, auf der alles andere aufsetzt. Das ist auch bei Alone der Fall. Eine Frau wird von einem unheimlichen Kerl gejagt, der ihr vermutlich etwas antun will. Was so simpel klingt, genügt völlig, um hier Spannung zu erzeugen und den Zuschauer in die Story eintauchen zu lassen. Denn wie schon bei den großen Hitchcock-Klassikern ergibt auch hier ein Schritt den nächsten. Und Drehbuch-Autor Mattias Olsson hat ein Script abgeliefert, das zwar nicht alle Klischees des Genres umschifft, aber dafür ein cleveres Opfer zeigt, das nicht die typischen und ärgerlichen Fehler macht, die ein schlechtes Drehbuch nutzt, um die Handlung voranzutreiben.

Da verzeiht man Alone dann auch die paar Stereotypen, die Thriller-Fans in jedem zweiten Film über sich ergehen lassen müssen - und die hier aus Spoilergründen auch nicht genannt werden. Neben der klugen Jessica verfügt der Film aber noch über ein anderes wohltuendes Detail: Regisseur Hyams und Olsson gelingt es, ihre Story komplett zu entkernen und alles, bis auf das tragfähige Gerüst, zugunsten der Spannung und des Erzähltempos über Bord zu werfen. Das schafft nicht nur Raum für eigene Gedanken und eine erhöhte Aufmerksamkeit für möglicherweise bedeutsame Details, sondern sorgt auch für eine glaubhafte Handlung ohne seltsame Schnörkel.

Alone @Koch Films

Der Mann bleibt Jessica stets auf den Fersen.

Kluges Opfer, fieser Killer

So erfährt der Zuschauer beispielsweise nichts über das Motiv des Killers und muss sich aus seinen Handlungen und den wenigen Dialogen mit ihm selbst zusammenreimen, weshalb er es auf Jessica abgesehen haben könnte. Aber er braucht auch kein Motiv, um als angsteinflößender Killer von nebenan gut zu funktionieren. Marc Menchaca spielt die Figur mit genau der richtigen Mischung aus vermeintlicher Harmlosigkeit und kalter Mordlust, dass der Zuschauer Jessicas Fluchtinstinkte gut nachvollziehen kann. 

Auch Jules Willcox nimmt man ihre emotional und körperlich extrem, anstrengende Flucht jederzeit ab und solidarisiert sich schnell mit der ohnehin bereits vom Schicksal gebeutelten Frau, die im wichtigen Moment dennoch stets richtige und vor allem höchst mutige Entscheidungen trifft. Vor allem das Finale glänzt mit einem ebenso cleveren wie passenden Twist, den auch Thriller-erfahrene Zuschauer nicht kommen sehen dürften. Dafür muss das Publikum bei spektakulären oder besonders heftigen Szenen Abstriche machen: Hyams erzählt seine Story auch in diesem Bereich völlig ohne unnötigen Aufwand.

Fazit:

Alone ist ein Thriller ohne jeglichen Schnickschnack. Alles ordnet sich einer glaubhaften Handlung ohne Schnörkel und unnötige Charakterentwicklung unter. Und mit Jules Willcox und Marc Menchaca fand Regisseur zwei Schauspieler, die diese völlig im Augenblick befindlichen Figuren ohne große Backstory oder Motive sehr gut auf den Punkt bringen. Als Zuschauer muss man eben wissen, ob man eine solche einerseits kaum spektakuläre, andererseits aber sehr intensive Story sehen möchte oder nicht. Blutige, derbe Szenen gibt es hier ebenso wenig wie wilde Schnitte oder Twists aus dem Nichts. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist Alone ein richtig guter Thriller geworden.

Alone erscheint am 25. März 2021 auf DVD, Blu-Ray und als digitaler Download.

Alone @Koch Films

Schließlich treibt er sein Opfer vermeintlich in die Enge. Doch Jessica ist nicht der Typ, der aufgibt.

Wertung

Weiterlesen