American Gods Staffel 3: Der Götterkrieg tobt weiter!

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Der Roman American Gods von Neil Gaiman gehört zu den Fantasy-Standard-Werken des neuen Jahrtausends, ein grandioses Buch voller cooler Ideen und einem großartigen Twist. Die Serie scheint sich jedoch immer weiter von der Story des Romans zu entfernen und eine andere Richtung einzuschlagen. Das setzt sich in Staffel 3 der Serie fort, obwohl auch hier wieder Bezug auf die Handlung des Romans genommen wird, diesmal mit der Einführung von Lakeside. Kann die dritte Staffel der Serie trotz oder gerade wegen der Änderungen im Vergleich zum Buch überzeugen? Oder hätten die Macher doch bei der Story des Romans bleiben sollen?

American Gods Staffel 3

Die Handlung

Shadow Moon (Ricky Whittle) kennt nun einige der Geheimnisse, die sein Leben bestimmen. Mr Wednesday (Ian McShane), sein charismatischer Auftraggeber, ist in Wirklichkeit der Gott Odin - und auch Shadows Vater. Doch obwohl Shadow nun erkennt, dass er selbst eine Art Halbgott ist, will er von Wednesdays Plänen nichts mehr wissen, der nach wie vor einen Krieg zwischen den alten und den neuen Göttern plant. Doch beide Seiten lassen sich von Shadows Ausstieg nicht stoppen. Wednesday versucht weiterhin, so viele der alten Götter wie möglich auf seine Seite zu ziehen und auf den Kampf einzuschwören. Und Mr World (Crispin Glover), Anführer der neuen Götter, will die antiken Widersacher vernichten.

Shadows verstorbene und durch die Münze des Leprechauns Mad Sweeney wieder zum Leben erweckte Frau Laura (Emily Browning) gibt dem toten Sweeney die Münze zurück - und zerfällt sofort zu Staub. Ist das ihr Ende? Mitnichten. Die junge Frau findet sich als Seele im Fegefeuer wieder, wo es ihr allerdings überhaupt nicht gefällt. Und Shadow verschlägt es durch die Pläne Wednesdays in das beschauliche Städtchen Lakeside in Wisconsin, aus dem er aber immer wieder durch den Willen verschiedener Wesen fortgezogen wird. Kann sich Shadow tatsächlich aus dem Krieg der alten gegen die neuen Götter heraushalten? Oder ist er schon viel zu tief darin verstrickt?

American Gods Staffel 3

Weniger Schauwerte, mehr Handlung

Mit der dritten Staffel bekommt American Gods bereits den vierten Showrunner. Nach dem Duo Bryan Fuller und Michael Green für Staffel 1 und Jesse Alexander für die zweite Staffel, übernimmt nun Charles Eglee für Nummer 3. Und das merkt man. Die ersten beiden Staffeln schienen vor allem das Ziel zu verfolgen, dem Zuschauer unvergessliche Bilder in jeglicher Form zu liefern. So gab es extrem blutige Kämpfe, explizite Sexszenen und wunderschöne Traumsequenzen, in denen sich die Set-Artists so richtig austoben konnten. Staffel 2 tat das vielleicht sogar noch stärker als der Auftakt. Dafür blieb aber Erzähltempo und Story ein wenig auf der Strecke - American Gods war streckenweise zäh.

Eglee dreht hier für Staffel 3 behutsam an der Stellschraube. Noch immer fließt reichlich Blut und der Sex kommt auch nicht zu kurz, schließlich ist die Fruchtbarkeitsgöttin Bilquis (Yetide Badaki) noch immer Teil der Handlung, aber Eglee legt deutlich mehr Wert darauf, dass auch eine Story erzählt wird. Und so ist das Tempo von Staffel 3 deutlich höher als das der Vorgänger. In den vier vorab gezeigten Folgen passiert mehr als pro Folge als früher in zwei Episoden. Endlich verursacht die Serie einen echten Sog, will man als Zuschauer tatsächlich wissen, wie es weitergeht. Das ist den Vorgängern auf dem Showrunner-Stuhl deutlich seltener gelungen.

American Gods Staffel 3

Fehlende Figuren, neue Ideen

Und das machte sich auch in den Quoten bemerkbar. Nun ist Starz, der Heimatsender der Serie, ohnehin kein Riese, aber das Finale von Staffel 2, das nicht einmal 300000 Zuschauer sahen, dürfte selbst für den Pay-TV-Kanal doch etwas wenig gewesen sein. Mit Eglees Konzentration auf mehr Story könnte sich das tatsächlich bessern, auch wenn das Personalkarussell beliebte Figuren wie Mad Sweeney oder Mr Nancy herausrotierte. Die sind allerdings auch im Roman nicht so präsent, wie sie es in der Serie waren. Und Eglee erzählt nicht nur mehr Handlung, es gibt auch endlich neue Konstellationen. Denn statt Shadows Reise mit Wednesday von Gott A zu Gott B beinhaltet Staffel 3 auch neue Ideen.

Es darf allerdings bezweifelt werden, dass American Gods in den verbleibenden sechs Folgen die Geschichte zu Ende bringt, angeblich arbeitet Gaiman auch schon an Ideen für Staffel 4. Und da der finale Twist des Romans das Highlight der Story darstellt, wäre es schön, den irgendwann auch in der Serie zu erleben. Und somit das Ende der Geschichte zu sehen, bevor die Serie abgesetzt wird und den Zuschauer ohne Finale sitzenlässt. Von diesen Beispielen gibt es in der Serienlandschaft bereits mehr als genug. 

American Gods Staffel 3

Manches in der Serie bleibt dennoch, wie es ist. Wie das gute Niveau der Schauspieler, die auch diesmal wieder überzeugen. Ian McShane als schlitzohriger Göttervater ist so grandios wie immer, Emily Browning darf ihrer Figur neue Facetten hinzufügen und auch Ricky Whittle ist als Rebell gegen den eigenen Vater stärker als in früheren Episoden. Und Tricks, Ausstattung und Kamera-Arbeit bleiben auf hohem Level. Ein wenig konventioneller als früher fällt die Serie unter neuer Leitung zwar schon aus, dafür überzeugt sie erzählerisch allerdings auch mehr als vorher. Nicht nur Fans des Romans dürften das begrüßen.

Fazit:

American Gods Staffel 3 ist vielleicht nicht mehr ganz so innovativ, blutig und schräg wie zu Zeiten des Showrunners Bryan Fuller, dafür präsentiert sie aber eine interessantere Handlung - und davon auch viel mehr als in vorherigen Staffeln. Charles Eglee, der neue Mann an der Spitze, besinnt sich auf traditionellere Werte einer Serie - das Erzählen einer guten Story. Und so kommt die Handlung in den neuen Episoden deutlich schneller voran als früher. Dafür dürfte so mancher Zuschauer die etwas konventioneller geratene Erzählweise gern in Kauf nehmen. Denn schräg und wild ist American Gods auch in der dritten Staffel noch.

American Gods Staffel 3 startet am 11. Januar 2021 bei Amazon Prime, wöchentlich eine neue Folge.

American Gods Staffel 3

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