Bajocero – Unter Null: Spanischer Thriller jetzt bei Netflix

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Spanien mag in Sachen Kino keine Weltmacht sein, aber wenn man sich einmal bestimmte Genres ansieht, dann hat Spanien hier in Europa eine Führungsrolle inne. Aus keinem anderen europäischen Land kamen in den vergangenen Jahren so viele gute Horrorfilme und Thriller wie aus Spanien. Ob der moderne Klassiker REC von Jaume Balaguero oder die großartigen The Body oder Der unsichtbare Gast von Oriol Paulo - solche Filme sucht man in Deutschland vergeblich. Mit Bajocero – Unter Null kommt nun ein Thriller zu Netflix, der seine Wurzeln eindeutig bei einem Klassiker von John Carpenter hat: Assault – Anschlag bei Nacht. Wie gut ist die spanische Variante?

Bajocero Unter Null

Die Handlung

Der zweifache Familienvater und Cop Martin (Javier Gutierrez) soll ausgerechnet an seinem ersten Tag im neuen Revier einen Gefangenentransport aus dem Norden leiten. Dazu muss er sich auch noch mit dem ruppigen Kollegen Montesinos (Isak Ferriz) arrangieren, der die Häftlinge mit wenig Respekt behandelt und schnell für Unruhe unter den sechs Insassen des gepanzerten Trucks, der die sehr unterschiedlichen Verbrecher durch die eiskalte Nacht in ihr neues Gefängnis bringen soll. Und nicht nur einer der Häftlinge hegt insgeheim Pläne, wie er aus der rollenden Festung entkommen kann. Doch es kommt ganz anders.

Denn irgendwo auf der Strecke lauert dem Transport samt seinem Begleit-Pkw jemand auf, der einen aus dem Truck unbedingt befreien will. Und dazu ist dem geheimnisvollen Kerl offenbar absolut jedes Mittel recht. Mit brutaler Gewalt macht er immer wieder klar, dass es ihm absolut ernst ist und Verhandlungen keinen Sinn haben. Das bekommt auch Martin zu spüren, der schnell auf sich allein gestellt ist und ausgerechnet in den Innenraum flüchten muss, in dem schon sechs gewalttätige Verbrecher auf ihn warten. Doch auch die müssen bald feststellen, dass der Mann draußen in der Kälte schlimmer ist als jeder von ihnen ...

Bajocero Unter Null

Harte Gewalt

Regisseur Lluis Quilez macht es wie sein Antagonist und nimmt keine Gefangenen: Bajocero – Unter Null setzt neben der eiskalten Atmosphäre auch auf derbe Gewaltspitzen, die ihren Zweck nicht verfehlen und echte Schockmomente setzen. Über allem schwebt allerdings zweifelsfrei John Carpenters Klassiker um das belagerte Polizeirevier, in dem sich Cops und Häftlinge gegenseitig helfen müssen, um die Nacht zu überleben. Auch hier bahnt sich dieses Szenario bereits nach einem Drittel des Films an, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Denn mit dem geheimnisvollen Gegner, deren Identität erst im letzten Drittel aufgelöst wird, gelingt Quilez und seinem Co-Autor Fernando Navarro eine starke Figur.

Die Wucht, mit der der Killer seine Pläne vorantreibt und dabei komplett gnadenlos vorgeht, dürfte auch Thriller-Fans, die harte Bilder gewohnt sind, durchaus Respekt abtrotzen. Brennende Körper, geplatzte Schädel – Quilez zeigt die ganze Härte seiner Figuren auch in Bildern, die dabei allerdings nie zum Selbstzweck geraten. Seine Gewalt blitzt schnell auf und ist ebenso schnell wieder vorbei. Die tief verschneite und tödlich kalte Landschaft tut ein Übriges dafür, dass die Atmosphäre von Bajocero – Unter Null sich den Temperaturen anpasst. Allerdings kann das Drehbuch die anfangs noch glaubwürdigen Ereignisse nicht über die komplette Länge durchhalten.

Bajocero Unter Null

Holpriges Drehbuch

Funktioniert die erste halbe Stunde noch recht gut, so tauchen ab einem bestimmten Zeitpunkt der Handlung Fragen auf, die der Film nicht befriedigend beantwortet. Immer wieder muss die Handlung seltsame Haken schlagen, um Situationen zu erzeugen, die für Spannung und Fortsetzung notwendig sind. Je mehr der Zuschauer über den Film nachdenkt, desto schwächer wird er. Dafür macht es Quilez dem Publikum aber leicht, genau das nicht zu tun, denn ruhige Phasen oder gar Längen hat Bajocero kaum. Das Script entblättert klug die Story in kleinen Happen, die immer Appetit auf einen weiteren machen. Weil jeder Dialog einen Hinweis enthalten könnte, passt der Zuschauer entsprechend gut auf.

Auch die Schauspieler liefern ab und verleihen ihren Figuren trotz der seltenen Gelegenheiten ein wenig Profil – und machen sie zum Teil sogar sympathisch. So wird Luis Callejo in der Rolle des Ramis, ohnehin eher ein Schlitzohr als ein Schwerkrimineller, zum heimlichen Helden der Geschichte. Und Hauptdarsteller Javier Gutierrez nimmt man die wichtigen Entscheidungen, die sein Charakter innerhalb der Story zu treffen hat, ebenfalls jederzeit ab, ein wichtiges Qualitätsmerkmal für einen solchen FIlm. Und das gilt auch für die Motive des Antagonisten der Geschichte: Stark gespielt bekommt die Figur im letzten Drittel die Facetten, die aus einem mäßig interessanten Schurken einen echten Charakter schaffen.

Bajocero Unter Null

Dennoch erreicht Bajacero – Unter Null trotz einiger guter Ansätze nicht die Qualität des Carpenter-Vorbilds Assault – Anschlag bei Nacht. Allerdings beruft sich auch Carpenter für sein Werk auf Western-Vorbilder wie Rio Bravo, und von diesem Flair der harten Kerle, die mit Gewalt für ihre Version von Ordnung sorgen, bringt auch Quilez' Film eine ordentliche Portion mit. Ob die knallharte Gewalt den Film besser macht, ist allerdings Geschmackssache. So gefällt er jedenfalls sicher nicht jedem.

Fazit:

Bajacero – Unter Null ist ein beinharter, aber jederzeit spannender Thriller, der in den großen Fußstapfen des Carpenter-Klassikers Assault – Anschlag bei Nacht läuft, ohne sie ganz auszufüllen. Einige originelle Drehbuch-Ideen, gute Schauspieler-Leistungen und eine eiskalte Atmosphäre machen den Film aber gerade für Thriller-Fans zur echten Empfehlung. 

Bajocero Unter Null

Wertung

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