Big Shot: Wohin dribbelt die neue Sportler-Dramedy bei Disney+?

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Die USA sind ein sportbegeistertes Land, Helden der großen Sportarten werden zu Legenden, Namen wie Michael Jordan oder Tom Brady schon zu Lebzeiten unsterblich. Deshalb gibt es in den USA auch immer wieder sehr erfolgreiche Filme über Sport wie Moneyball, An jedem verdammten Sonntag oder – wenn es lustiger sein darf – Die Indianer von Cleveland. Und weil Medien-Riese Disney den heimischen Markt gut kennt, setzt der Konzern auch bei Disney+ auf Sport-Themen. Nach dem witzigen und kindgerechten The Mighty Ducks: Game Changers kommt nun mit Big Shot die etwas weniger lustige, etwas erwachsenere Variante. Wie gut ist die?

Big Shot @Disney

Gleich am ersten Tag macht die Rektorin der Schule Coach Korn klar, warum er dort ist: Weil der reiche Gönner es will.

Die Handlung

Der erfolgreiche Basketball-Coach Marvyn Korn (John Stamos) hat sich in einem wichtigen Spiel nach einer derben Fehlentscheidung gegen sein Team nicht im Griff: Er wirft einen Stuhl nach dem Schiedsrichter und trifft ihn im Rücken. Danach ist seine Karriere im College-Basketball vorbei. Sein Agent hat nur ein Angebot für ihn: Der reiche Geschäftsmann Larry Gruzinsky (Michael Trucco) will Korn als neuen Coach für das High School-Team seiner Tochter Louise (Nell Verlaque) an einer elitären Mädchenschule. Weil Korn keine Wahl hat, nimmt er den Job widerwillig an – und weiß auch schon bald, warum. Die Rektorin der Schule mag ihn nicht, das Team aus jungen Frauen kann mit seinen Methoden zunächst nicht viel anfangen,

Bald legt er sich mit der Politik-Lehrerin (Toks Olagundoye, Castle) an, die von Sport-Assen wenig hält. Und auch Gruzinsky sitzt ihm im Nacken, weil Korn Louise nicht so spielen lässt, wie er es für richtig hält. Dazu hat der Coach noch Probleme mit seiner Tochter Emma (Sophia Mitri Schloss), die lieber bei ihm in Kalifornien leben würde. Ohne seine Assistenz-Trainerin Holly (Jessalyn Gilsig, Glee, Heroes) wäre Korn daher aufgeschmissen. Doch mit ihrer Hilfe findet er langsam einen Weg zu seinen Spielerinnen und versteht besser, warum er sie nicht wie College-Studenten behandeln kann. Das Team beginnt zu gewinnen. Und Korn setzt sich und seinen Spielerinnen ehrgeizige Ziele für die Saison ...

Big Shot @Disney

Mit Unterstützung von Assistentin Holly beginnt Korn seine Arbeit an der High School.

Stamos passt perfekt

Als ehemaliger Big Shot, also große Nummer, landet ein Trainer nach einem Sturz wieder ganz unten und muss von vorn anfangen. Das ist nicht unbedingt die originellste Sport-Story, die man sich vorstellen kann. Aber sie hat in der Vergangenheit einfach oft gut funktioniert. Auch wenn die Pilotfolge schnell den Eindruck erweckt, als ginge es auch hier um nichts anderes, so zeigt die Serie in weiteren Folgen aber doch, dass die Macher hier auch andere Geschichten erzählen möchten, selbst wenn der Charakter Marvyn Korn im Zentrum steht. Als einer der wenigen Männer in einer hauptsächlich weiblichen High School-Welt birgt das auch genug Potenzial für Konflikte.

Dabei ist das Casting von John Stamos als ruppiger Held der Serie ein echter Glücksgriff. Seit der Schauspieler 1985 in Full House seinen Durchbruch hatte, war er vorwiegend in Comedys unterwegs, wenn man von seinem langjährigen Gastspiel bei E.R. einmal absieht. Und so ganz ohne Humor ist auch seine neue Rolle als Coach in der Krise nicht, aber Stamos nimmt man hier jederzeit auch die dunkleren Seiten seiner Figur ab. Denn mit seinen nur in der Theorie eisernen Prinzipien und den Schwierigkeiten im Umgang mit seiner halbwüchsigen Tochter ist er keinesfalls der strahlende Held, sondern ein leicht angeschlagener mit zu viel Arroganz und manchmal deutlich zu wenig Empathie.

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Doch schon früh kristallisiert sich heraus, dass der Coach und sein Team noch nicht die selbe Sprache sprechen.

Anständige, aber biedere Serienkost

Was bei im Aufbau durchaus nicht unähnlichen The Mighty Ducks durch einen Witz zur rechten Zeit eher weggelächelt wird, bleibt bei Big Shot Thema und wird erst nach der einen oder anderen unangenehmen Situation aufgelöst. Allerdings stehen hierbei in den ersten Folgen klar die Erwachsenen im Fokus. Der Streit mit Lehrern, Probleme mit dem entfremdeten Vater, Stress mit der Tochter – das nimmt in der Serie breiteren Raum als als der Sport. Und mehrere potenzielle Love-Interests werden für den geschiedenen Coach auch bereits in Stellung gebracht. Was allerdings trotz der Mitwirkung von David E. Kelley (Ally McBeal, Big Sky ) fehlt, ist ein wenig Originalität. Big Shot ist thematisch und erzählerisch doch eher bieder.

Keine der Storys ist schlecht geschrieben oder gespielt, aber es fehlt der Serie in den ersten Folgen eindeutig etwas, womit man als Zuschauer nicht unbedingt rechnet. Hin und wieder eine kleine Überraschung, das sollte gerade wegen der doch recht ausgetretenen Sport-Drama-Pfade eigentlich drin sein, bisher ist davon aber noch nichts zu sehen. Es fehlen die typischen, schrägen Figuren, für die Kelley eigentlich bekannt ist. Die verwöhnte, reiche Tochter, die doch eigentlich ganz ok ist. Die lesbische Mitspielerin, die heimlich für eine scheinbar unerreichbare Person schwärmt. Die melancholische junge Frau auf der Suche nach einer Vaterfigur. Das ist alles ok, aber eben auch schon oft erzählt worden.

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Doch Korn lernt bald, wie er bei seinen Spielerinnen besser ankommt und sie erreicht.

Und so plätschern die ersten Episoden zwar ganz unterhaltsam, aber nicht unbedingt fesselnd, vor sich hin. Potenzial für mehr ist sicher vorhanden, aber da müssen die Autoren etwas mehr liefern als Ideendurchschnitt. Anlass zu Hoffnung gibt es angesichts guter Ansätze bei vielen Figuren durchaus. Alleine schon, ob Coach Korn am Ende der Staffel in den Armen einer Frau landen wird – und falls ja, in welchen, macht Lust aufs Dranbleiben.

Fazit:

Mit Big Shot folgt Disney für die neue Sport-Dramedy einem simplen Gesetz des Sports: Play it Safe! Das als Familienserie gedachte Format folgt zwar den beim Konzern inzwischen deutlich sichtbaren Diversitäts-Regeln, riskiert aber inhaltlich überhaupt nichts. Und so bekommt der Zuschauer viele Probleme zu sehen, die andere Sport-Serien bereits zur Genüge ausgeleuchtet haben. Andererseits wissen Fans von Sport-Dramen, dass die Klaviatur der Spannung in diesem Bereich doch recht übersichtlich ist. Und dürften sich an der bekannten Story vom Underdog, der durch Teamgeist und viel harte Arbeit zum Champion wird, nicht wirklich stören.

Big Shot startet am 16. April 2021 bei Disney+.

Big Shot @Disney

Kann der ehrgeizige Coach mit seinen Starting Five tatsächlich die hoch gesteckten Ziele erfüllen?

Wertung

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