Binge Reloaded: Neue TV-Parodie der Switch-Macher bei Amazon Prime

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Humor ist immer schwierig. Was die einen unfassbar witzig finden, lässt die anderen völlig kalt. Dennoch trauen sich immer wieder einmal Sender oder Produktionsfirmen, etwas Neues zu probieren - oder sich etwas bei anderen erfolgreichen Formaten in aller Welt abzuschauen. So ein Fall war Switch, eine TV-Parodie mit damals weitgehend unbekannten Schauspielern und Comedians, die von 1997 bis 2000 das deutsche Fernsehen auf die Schippe nahm. Von 2007 bis 2012 gab es Nachschlag in Form von Switch Reloaded, mit fast dem gleichen Team. Mit Binge Reloaded geht Amazon Prime jetzt einen ganz ähnlichen Weg und übernimmt sogar zwei alte Hasen des Switch Teams - ist die Show auch so gut?

Binge Reloaded

Die Handlung

Eine durchgehende Handlung gibt es bei Binge Reloaded nicht, wohl aber stetig wiederkehrende Sendungen, die parodiert werden. Beispielsweise 4 Blocks, die in der Binge-Version zu 4 Blöckle wird, weil die Protagonisten hauptsächlich mit schwäbischem Akzent sprechen und auch sonst angeblich typisch schwäbische Eigenschaften an den Tag legen - wie Gesetzestreue und Sparsamkeit. Außerdem als Running Gag dabei: die Heute-Show und ihre mitunter nicht enden wollenden Witze über ein Thema. Die Verschmelzung von Vikings mit der größten Erfindung der Nordmänner - IKEA. Und die Schlagerszene kriegt in der Traumschiff-Parodie ihr Fett weg.

Mit Martin Klempnow und Michael Kessler sind noch zwei Schauspieler dabei, die schon bei Switch Reloaded zum festen Team gehörten (Kessler sogar schon beim Original Switch) - und Klempnow beweist seine Vielseitigkeit auch in der neuen Show. Kessler spielt hingegen weitgehend Charaktere, die er bereits bei Switch durch den Kakao gezogen hat - wie Florian Silbereisen. DIe neuen Gesichter sind Tahnee, Joyce Ilg und Antonia von Romatowski bei den weiblichen, und Christian Schiffer, Paul Sedlmeir und Jan van Weyde bei den männlichen Mitgliedern der Gruppe.

Binge Reloaded

Nicht neu, aber auch nicht schlecht

Die parodierten Sendungen sind neu, das Konzept hingegen ist immer noch exakt genauso wie vor 23 Jahren, als Switch zum ersten Mal zu sehen war. Und noch immer ist der Humor so breit gestreut, dass fast jeder Zuschauer an irgendeiner Stelle der 30-minütigen Shows einmal lachen muss. Diese Breite ist aber auch das Problem. Denn so gut wie niemand wird alles witzig finden, was die Comedians und ihre Gag-Schreiber dem Publikum auftischen. Dennoch gilt damals wie heute: Je mehr parodierte Sendungen der Zuschauer selber kennt, desto lustiger ist die Show. Dieses Vorwissen ist essentiell. Wer zum Beispiel nicht weiß, was 4 Blocks eigentlich ist, wird die Parodie nicht wirklich verstehen.

Am Cast liegt es allerdings nicht, dass manche Pointe nicht zündet. Zwar zeichnet sich in der ersten Staffel von Binge Reloaded nicht ab, dass hier ein neuer Max Giermann seine Karriere als begnadeter Parodist beginnt, aber es ist auch niemand dabei, der unangenehm auffällt oder richtig schlechte Parodien anbietet. Die Masken sind zum Teil beeindruckend gut und manche Ideen es Autoren-Teams auch wirklich originell. Dass ein Wikinger seine neueste Langboot-Kreation "Plünda" nennt und für eine größerer Variante, auf der auch Viehwagen Platz fänden, auf "Autofähra" kommt, wird IKEA-Fans durchaus komisch vorkommen.

Binge Reloaded

Das Timing stimmt

Am auffälligsten von den neuen Comediennes ist Tahnee, die mit Abstand die meisten Frauenrollen übernimmt - und sich auch ordentlich schlägt. Sie hat allerdings das Pech, dass manche ihrer Sketche nur bedingt witzig sind oder einfach nicht gut funktionieren. So gibt Batwoman offenbar keine guten Gags her. Als Ruth Moschner in The Masked Singer ist sie hingegen sehr überzeugend. Weil aber die einzelnen Szenen oft recht kurz sind, fällt eine nicht ganz so gelungene Parodie nicht so sehr ins Gewicht. 

Vergleicht man Binge Reloaded beispielsweise mit der preisgekrönten Parodie-Show Sketch-History, die großartig besetzt war und gute Quoten brachte, dann fällt auf, dass das Binge-Team deutlich besser weiß, wann ein Gag zu Ende ist. War der geplante Lacher da, ist die Szene auch Sekunden später vorbei und zieht sich nicht noch weitere quälenden Minuten. Das gilt selbstverständlich nur dann, wenn man die Szene grundsätzlich lustig findet. Wer nicht darüber lachen kann, der wird jede Szene als zu lang empfinden. Aber das Timing ist bei Binge so gut wir früher bei den Switch-Shows - und das war meist erstklassig.

Binge Reloaded

Fazit:

Humor ist immer Geschmackssache. Aber wer viel fernsieht, dementsprechend viel kennt, und schon die Vorgänger-Formate Switch und Switch Reloaded lustig fand, wird auch bei Binge Reloaded etwas zu lachen haben. Die alten Hasen Klempnow und Kessler haben es immer noch drauf, die neuen Gesichter machen ihren Job mindestens solide. Und ein paar großartige Figuren mit Potenzial für Running Gags zeichnen sich in den ersten Folgen auch schon ab - wie beispielsweise Carsten Maschmeyer oder der Hamadi-Clan. Und weil jede Folge nur etwa 30 Minuten läuft, lässt sich auch ohne großen Aufwand schnell testen, ob die Show den eigenen Humor trifft oder nicht.

Binge Reloaded startet am 4. Dezember 2020 mit acht Folgen bei Amazon Prime.

Wertung

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