Horror der Seele: Black Box bei Amazon Prime

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Als Internet-Händler ist Amazon die unbestrittene Nummer eins des Planeten, als Produzent von Serien und Filmen für Amazon Prime hingegen im Vergleich zu Netflix ein kleines Licht. Das soll sich offenbar ändern, denn nicht nur die Serienproduktion nimmt langsam zu, auch Filme werden zukünftig in größerer Zahl als nur einer oder zwei pro Jahr geplant. Los geht es mit einem Horror-Viererpack, die jeweils als Paar am 6. und 13. Oktober 2020 veröffentlicht werden. Spiele.de hat sich Black Box für dich angesehen und verrät dir, ob sich das Einschalten lohnt.

Die Handlung

Der junge Familienvater Nolan (Mamoudou Athie) hat vor Monaten bei einem Autounfall seine Frau verloren, er selbst überlebte nur knapp mit schweren Kopfverletzungen. Seitdem hat er Mühe, sich an viele Dinge aus seinem vorigen Leben zu erinnern, worunter ganz besonders seine kleine Tochter Ava (Amanda Christine) zu leiden hat. Mal vergisst er, sie von der Schule abzuholen, mal erinnert er sich nicht mehr an ihr gemeinsames Begrüßungsritual. Weil die Schule bereits droht, das Jugendamt einzuschalten, sucht Nolan Hilfe bei der renommierten Ärztin Lillian (Phylicia Rashad), die auf dem Gebiet der Erinnerungs-Wiederherstellung zu den führenden Wissenschaftlerinnen gehört.

Sie führt Nolan mit einer besonderen Technik, die sie Black Box nennt, zuerst in einen virtuellen Safe-Room, von dem aus sich Nolan seinen Erinnerungen stellen soll. Doch schon bei der allerersten, seiner eigenen Hochzeit, wird er in seinem Kopf von einem seltsam verdrehten Monster attackiert, das wie alle anderen in seiner Umgebung, ein völlig verschwommenes, nicht erkennbares Gesicht besitzt. Nur mit Mühe kann er der Kreatur entkommen, doch Lillian ermutigt ihn, unbedingt weiterzumachen, bis die Personen in seiner Erinnerung endlich bekannte Gesichter entwickeln. Doch das ist für Nolan der größte Schock von allen ...

Black Box

Mehr Twilight Zone als Black Mirror

Eine unheimliche Story, die in Zusammenhang mit High-Tech steht, da werden Sci-Fi- und Horrorfans sofort an die großartige Serie Black Mirror denken. Auf den ersten Blick könnte Black Box tatsächlich eine lange Episode dieser Serie sein. Doch bei genauerer Betrachtung passt der geistige Vorgänger von Black Mirror deutlich besser. Denn Twilight Zone, erstmals in den 60er Jahren als TV-Serie in den USA zu sehen, stellte sich bei den einzelnen Storys breiter auf und ließ auch starke Horror- und Fantasy-Elemente zu. Zudem beschäftigten sich die meisten Folgen der Serie eher mit moralischen Grundfragen als mit den Folgen neuer Technologien.

Und auch bei Black Box geht es im Kern nicht nur um die neue Technik, mit der Lillian arbeitet, sondern auch um Fragen der Ethik. Was kann ich tun? Was darf ich tun? Was sollte ich lieber lassen? Daher ist Black Box auch eher ein zuweilen recht unheimlicher Sci-Fi-Film als waschechter Horror. Aber Fans des Genres, die nicht unbedingt ein Etikett brauchen, um ein Thema interessant zu finden, dürften hier auf ihre Kosten kommen.

Nicht ganz neu, aber originell

Regisseur Emmanuel Osei-Kuffour, der auch am Drehbuch mitarbeitete, erfindet in seinem Langfilm-Debüt keine komplett neue Story. Die Grundidee, sich nach einem traumatischen Ereignis fremd im eigenen Kopf zu fühlen, hat es schon häufiger in Thrillern und Horrorfilmen gegeben. Osei-Kuffour findet aber einen Dreh, der in seiner Auflösung nach etwa einer Stunde zwar etwas guten Willen des Publikums braucht, aber unbeirrt einer inneren Logik folgt, von der Black Box auch bis zum Ende nicht abweicht. Und der vor allem trotz der Auflösung die Spannung erhält. Denn die Enthüllung, was genau sich hinter den Gedächtnislücken Nolans verbirgt, ist eben noch nicht das Ende der Geschichte.

Black Box

Außerdem gelingt es Osei-Kuffour, immer wieder unheimliche Szenen zu schaffen, obwohl sein Film kein Horror im engeren Sinne ist. Die Kreatur mit den verdrehten und krachenden Knochen ist zwar in den vergangenen Jahren häufiger im Horror eingesetzt worden, so zum Beispiel in The Posession of Hannah Grace aus dem Jahr 2018, aber es hat nichts von seiner Wirkung verloren. Die Bilder, gemeinsam mit dem unangenehmen Sound, dürften bei zarteren Gemütern für aufgestellte Nackenhaare sorgen.

Auch schauspielerisch kann Black Box überzeugen, dem jungen Mamoudou Athi nimmt der Zuschauer sein Leid jederzeit ab, Phylicia Rashad, zuletzt eher als Schurkin besetzt, glaubt man den ambivalenten, schwer zu durchschauenden Charakter ebenfalls. Und die junge Amanda Christine lässt das Publikum als verstörte Tochter ordentlich mitleiden. So schafft Osei-Kuffor einen ansehnlichen Film, der vermutlich aufgrund seiner fehlenden Schauwerte und der oft wenig spektakulären Bilder im Kino nicht sonderlich gut funktioniert hätte, für eine Streaming-Premiere aber sehr sehenswert ist. Denn hier macht es Spaß, selbst mitzurätseln und die durchaus früh vorhandenen Hinweise zu entdecken, um das Rätsel zu lösen, bevor es der Film tut.

Fazit:

Emmanuel Osei-Kuffours Langfilm-Debüt Black Box für Amazon Prime kann sich durchaus sehen lassen. Die originelle Variante eines bekannten Thriller-Themas erzählt der Regisseur mit ebenso viel Talent für unheimliche Bilder wie mit genug Emotion, um das Publikum in die Geschichte hineinzuziehen. Außerdem findet er den Mut, die Story stark enden zu lassen, statt effekthascherisch auf den schnellen Schrecken zu setzen. Blumhouse ist als Produktionsfirma nicht frei von Flops und wirklich schlechten Filmen, hier haben sie aber einen guten Job gemacht. Fans von sanftem Horror und guten Storys bleibt Black Box definitiv in Erinnerung.

Black Box läuft ab dem 6. Oktober 2020 bei Amazon Prime.

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