Bliss: Salma Hayek im neuen Science-Fiction-Drama bei Amazon Prime

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In der Science-Fiction gibt es zwar viele Filme, aber weitaus weniger Ideen. Neben den Space-Operas wie Star Wars hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die Frage etabliert, mit der sich Erfolgsautor Philipp K. Dick oft beschäftige: Realität – und das ständige Zweifeln, ob man wirklich darin lebt. In Stoffen wie Total Recall oder Matrix wurde diese Frage höchst erfolgreich in Handlung gegossen. Der US-Regisseur Mike Cahill hat sich schon häufiger mit Science-Fiction-Themen beschäftigt und drehte nun für Amazon Studios Bliss. Für wen ist der Film empfehlenswert, wer lässt lieber die Finger davon?

Die Handlung

Greg (Owen Wilson) hat gerade keine leichte Zeit: Seine Ehe ist frisch geschieden, für die Kinder hat er viel zu wenig Zeit und bei der Arbeit verliert er sich darin, Zeichnungen von Landschaften und Häusern zu erstellen, die er nie in seinem Leben gesehen hat. Das bringt ihm schließlich auch einen Termin bei seinem Chef Bjorn (Steve Zissis) ein, der ihn rauswirft. Im Verlauf des hitziger werdenden Gesprächs geschieht es dann: Bjorn fühlt sich von Greg attackiert, weicht zurück und fällt – mit dem Kopf auf die Tischkante. Voller Panik lehnt Greg den möglicherweise toten Vorgesetzten ans Fenster und tarnt ihn mit einem Vorhang, bevor er sich aus dem Staub macht.

Völlig aufgewühlt marschiert er dann in die Bar, die seinem Bürogebäude gegenüber liegt und bestellt sich einen Whiskey. Da spricht ihn eine offenbar obdachlose Frau namens Isabel (Salma Hayek) an und erklärt ihm, er solle sich keine Sorgen machen – die Welt, in der sie sich gerade befänden, sei gar nicht real. Und das beweist sie ihm, indem sie mit einem Fingerzeig dem Kellner sein Tablett aus den Händen fegt – aus zehn Metern Entfernung! Als es wenig später Zeit für die Flucht wird, nimmt Isabel Greg einfach mit in ihre Unterkunft in der Nähe einer Brücke und versucht ihn davon zu überzeugen, dass er gar nicht hierhergehört. Doch da sind ja noch Gregs Kinder ...

Bliss

Kein Sci-Fi von der Stange

Bei den meisten Sci-Fi-Filmen, die sich mit Fragen der Realität beschäftigen, steht diese Frage entweder ganz zentral im Kern der Story oder wird recht zügig geklärt. Doch mit Filmen wie Matrix lässt sich Bliss (engl. für Glücksseligkeit) nicht vergleichen. Und Regisseur und Autor Cahill stellt die Klärung auch gar nicht in den Fokus seines Films. Stattdessen bietet er dem Zuschauer verschiedene Möglichkeiten an, die auf den ersten Blick alle stimmen könnten. Vielleicht ist die Welt, in die Isabel in zu bringen versucht wirklich die Realität und alles, was Greg mit Frau und Kindern erlebt zu haben glaubte nur Illusion. Vielleicht ist Isabel verrückt und ist nur von der fixen idee einer besseren Welt besessen.

Aber diese beiden Antworten genügen Cahill nicht. Er gibt ebenso Hinweise darauf, dass Greg vielleicht ein massives Drogenproblem hat und sich nur auf einem ganz miesen Trip befindet. Oder er könnte auch schlicht und ergreifend geisteskrank sein und sich alles komplett einbilden, während er in Wirklichkeit irgendwo angeschnallt in einem Bett liegt. Cahill streut seine Hinweise darauf, was wohl die Wahrheit ist, allerdings so behutsam ein, dass der Zuschauer schon gefordert ist, wenn er sie entdecken will. Bliss nebenbei zu schauen, während man die meiste Zeit mit dem Smartphone beschäftigt ist, funktioniert bei diesem Film jedenfalls nicht.

Starke Darsteller in mäßiger Story

Um seine Geschichte zu erzählen, hat Cahill zwei Darsteller gefunden, die ihre Aufgabe ausgezeichnet erledigen. Owen Wilson spielt Greg betont passiv und oft mit klassischer Junkie-Attitüde, der seiner Tochter immer wieder verspricht, dass alles besser wird – und sich dabei selbst nicht glaubt. Als Figur im Zentrum des Geschehens ist er ebenso oft Beobachter wie der Zuschauer und lässt sich durch die Story treiben wie ein Blatt im Wind. Salma Hayek verkörpert sein aktives Gegenstück, das in beiden Welten das Heft fest in der Hand hat und Greg fast nach Belieben steuern kann – bis er ihr letztlich doch zu entgleiten scheint.

So gut Cahill dieser Aspekt seines Films gelingt, so sehr fehlen Bliss ein paar echte Höhepunkte in der Handlung, die der Regisseur entsprechend spannend inszeniert. Bliss mäandert die meisten seiner 100 Minuten eher gemächlich vor sich hin und erzählt selbst eigentlich packende Momente eher zurückhaltend. Das macht das Zusehen anstrengender als nötig, denn sonderlich komplex oder verwirrend ist die Handlung eigentlich gar nicht. Im letzten Drittel wirft Cahill eher die Frage auf, wie wichtig es ist, ob man in der Realität lebt oder nicht, solange man glücklich ist, wo man ist. Klare Antworten bekommt das Publikum vom Regisseur dazu aber nicht.

Bliss

Und das macht den Reiz von Bliss auch aus. Er eignet sich hervorragend dazu, hinterher mit anderen zu diskutieren, was denn nun die Wahrheit des FIlms ist, falls es eine gibt. Und zusammenzutragen, anhand welcher Details man von der einen oder anderen Theorie überzeugt ist. Allerdings sollte der Wille dazu schon beim Einschalten vorhanden sein, Cahill gibt sich keine große Mühe, den Zuschauer aktiv in seinen Film hineinzuziehen. Bliss erinnert so an eine Black Mirror-Folge, bei der die letzten fünf Minuten fehlen, die alles erklärt hätten. Wer diese Art Film schätzt, ist hier genau richtig.

Fazit:

Wahrheit oder Fiktion, Realität oder Traum? Drogenrausch oder Geisteskrankheit? Bliss wirft viele Fragen auf und beantwortet wenige klar. Dafür bietet Regisseur und Autor Mike Cahill einem Publikum, das sich darauf einlassen kann, viele Hinweise, Andeutungen und Möglichkeiten, seinen Film zu verstehen. Owen Wilson und Salma Hayek spielen dazu ihre Rollen sehenswert. Für einen wirklich fesselnden Film hätte Bliss aber doch ein wenig spannender ausfallen dürfen, denn so richtig viel passiert hier nicht. Wer Spaß daran hat, über einen Film nachzudenken und sich seinen eigenen Reim auf das Gesehene zu machen, sollte Bliss aber nicht verpassen.

Bliss läuft ab dem 5. Februar 2021 bei Amazon Prime.

Wertung

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