Blutige Weihnachten: Unbesinnliche Filmtipps

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Jahr für Jahr geben sich Millionen von Menschen mit Bruce Willis die feiertägliche Anti-Dröhnung: Bei all der, oftmals arg forcierten, Besinnlichkeit und all dem Friede-Freude-Christstollen-Kitsch braucht es zwischendurch halt auch Explosionen, Gewalt und Verwüstung, um die Synapsen neu zu kalibrieren.

„Stirb langsam“ hat es mit dieser Gegenprogramm-Logik in zahlreichen Haushalten zu einer festen Weihnachtstradition gebracht. Aber John McClane muss es ja nicht alleine richten: Wir präsentieren dir hier mit diebischer Freude eine bunte Auswahl an sehenswerten Filmen, die zwar zur Weihnachtszeit spielen, jedoch die zuckrige Festtagslaune gekonnt konterkarieren und für unbesinnliches Filmvergnügen sorgen.

© WVG Medien

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A Christmas Horror Story

Schmales Budget, aber feist-derber Charme: Dieser Low-Budget-Horror-Episodenfilm beinhaltet vier schaurige, blutige oder makabere Weihnachtsgeschichten, die durch eine Rahmenhandlung rund um „Raumschiff Enterprise“-Legende William Shatner als trunkener Radio-Moderator zusammengehalten werden. Während Shatner alias Dangerous Dan an Weihnachten eine extralange Schicht in seiner Station schieben muss, passieren in der Umgebung abgefahrene Dinge. Von Geisterheimsuchungen (Ebenezer Scrooge lässt grüßen) bis hin zum Krampus ist alles dabei. Das dreiköpfige Regieteam Grant Harvey, Steven Hoban & Brett Sullivan vermeidet die Hürden des niedrigen Budgets dank viel Kreativität, und der Score von Alex Khaskin, bestehend aus zahlreichen finsteren Abwandlungen klassischer Weihnachtslieder, sorgt für den vergnüglichen Extraschuss Unbesinnlichkeit.

© Splendid

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Anna und die Apokalypse

Man nehme „High School Musical“, mische eine tüchtige Dosis Weihnachten unter und packe dann noch Zombies hinzu – sowie liebenswerte, dicke schottische Akzente. Et voilà: „Anna und die Apokalypse“ ist da. Das High-School-Weihnachts-Zombie-Musical ist ein riesiger Spaß, sowohl für Musical- als auch für Horror-Fans – und insbesondere für alle, die in beiden Welten toben. Dieser knallige, kreative Film hat einen wundervollen Cast aus Newcomern, absolute Ohrwurm-Songs voller Herz und Witz sowie tüchtigen Zombie-Fun – und die weihnachtliche Suche nach Familiensinn wird immer wieder durch dramatische Traditionen des Zombiekinos unterwandert. Das Ergebnis ist einzigartig und lädt zum Immer-wieder-nochmal-Anschauen ein. 

© Constantin Film

© Constantin Film

Better Watch Out

Was, wenn „Kevin – Allein zu Haus“ kein Familienspaß wäre, sondern eine perfide erzählte Horrorkomödie mit knochentrockenem, rabenschwarzem Humor und spritzig zelebrierter Gewalt? Dann hätte man vielleicht so etwas wie „Better Watch Out“. 2016 noch auf Festivals unter dem Titel „Safe Neighborhood“ uraufgeführt, wurde dieser Geheimtipp letztlich unter dem auf den populären Weihnachtssong „Santa Claus Is Coming to Town“ anspielenden Titel „Better Watch Out“ auf die Welt losgelassen. Regisseur Chris Peckover konfrontiert hier einen Teenager, der Kevin McCallisters Frechheit und Gerissenheit potenziert, sowie seine Babysitterin zur Weihnachtszeit mit einer nachbarschaftlichen Bedrohung. Und wie bei „Kevin – Allein zu Haus“ kommen hier selbstgebastelte Waffen und Fallen zum Einsatz – nur mit viel blutigerem Ausgang als in der 90er-Komödie. Und die Story ersetzt das letzte Rest Herzlichkeit aus „Kevin – Allein zu Haus“ mit richtig fiesen erzählerischen Einfällen … 

© Black Christmas

© Capelight

Black Christmas

Ein Titel, eine Grundidee, drei verschiedene Slasher-Geschmäcker: Alles fing 1974 an, mit dem Slasher-Klassiker „Black Christmas“, der in Deutschland zunächst „Jessy – Die Treppe in den Tod“ betitelt war. Bob Clarks Regiearbeit erzählt von den Mitgliedern eines Studentinnenwohnheims, die zur Weihnachtszeit von einem Serienkiller heimgesucht werden. Clark griff mit diesem sehr dramatischen, spröden Film zahlreichen Stilmitteln und Konventionen des Slasher-Horrorfilms vorweg, die später von „Halloween“ und „Freitag, der 13.“ popularisiert werden sollten.

Während das „Black Christmas“-Original mit Olivia Hussey, Andrea Martin und Margot Kidder auf einen unter die Haut gehenden Grusel und eine trockene, finstere Suspense setzt, ist das erste „Black Christmas“-Remake trotz ähnlicher Story-Grundidee ein völlig anderer Schlag Weihnachtshorror: Unter der Regie von „Final Destination“-Autor Glen Morgan ist dieser „Black Christmas“ aus dem Jahr 2006 ein betont sadistischer, abstoßender Horrorstreifen, in dem kaum ein Funken Menschlichkeit glimmt und die expliziten Kills geradezu zelebriert werden.

13 Jahre nach dem Slasher mit Katie Cassidy, Michelle Trachtenberg, Mary Elizabeth Winstead und Lacey Chabert, wurden im jüngsten „Black Christmas“-Remake Imogen Poots, Lily Donoghue, Aleyse Shannon und Brittany O'Grady heimgesucht. Doch dieses Mal weichen die Anspannung des Originals und die böse Gewaltlust des ersten Remakes einer neuen Energie: In diesem „Black Christmas“ wird zurückgeschlagen und mit spitzzüngiger Freude das Patriarchat attackiert – ein Gute-Laune-Horror sozusagen.

© Alive AG

© Alive AG

Deadly Games – Allein gegen den Weihnachtsmann

Was, wenn „Kevin – Allein zu Haus“ kein Hollywood-Familienspaß wäre, sondern ein französischer Horror-Thriller und Kevin sogar zuvorkam? Dann wäre er wohl „Deadly Games – Allein gegen den Weihnachtsmann“ (auf DVD auch „Deadly Games – Stille Nacht, tödliche Nacht“ betitelt). Der im Original „3615 code Père Noël“ getaufte 80er-Jahre-Kultfilm von Regisseur und Autor René Manzor dreht sich um einen neunjähigen Neunmalklug, der technisch begabt ist, aber auch leichtgläubig. So denkt er noch immer, dass der Weihnachtsmann echt sei. Als der Bengel Weihnachten allein mit seinem blinden Großvater verbringen muss, versucht ein Verbrecher, der sich als Weihnachtsmann ausgibt, in sein schmuckes Familienheim einzudringen – was folgt, hat ausreichend Ähnlichkeiten zu „Kevin – Allein zu Haus“, dass Manzor versucht hat, die Macher des Hollywood-Erfolgs des Plagiats anzuklagen. Damit hatte er keinen Erfolg – aber seine härtere, bösere Einbrecher-gegen-Kind-Produktion hat sich dafür einen Platz auf dieser kevinfreien Liste gesichert. Das ist doch auch was!

© Warner Bros.

© Warner Bros.

Eyes Wide Shut

Da Weihnachten bekanntlich „das Fest der Liebe“ ist, können wir dir doch keine unbesinnliche Filmliste präsentieren, in der allein durch Gewalt der familientaugliche Weihnachtssinn pervertiert wird. Eine tüchtige Prise körperlicher Liebe gehört auch dazu – und die bekommst du in „Eyes Wide Shut“ zweifelsohne geliefert. Der letzte Film des legendären Meisterregisseurs Stanley Kubrick („Shining“) erzählt vom New Yorker Arzt Bill Harford (Tom Cruise), der nach einer ihn erschütternden Enthüllung seiner Frau (Nicole Kidman) zur Weihnachtszeit in eine sexuelle Abwärtsspirale gerät, die ihn letztlich in die Arme eines (potentiell mörderischen) Sexkults treibt. Wie könnte man besser seiner Festtagseifersucht Luft machen als mit diesem galant-erotischen Thriller mit Sky du Mont und „Hocus Pocus“-Mimin Vinessa Shaw in Nebenrollen?

© Warner Bros.

© Warner Bros.

Gremlins – Kleine Monster

So viele Kinder der 1980er- und frühen 1990er-Jahre sind mit der Steven-Spielberg-Produktion „Gremlins – Kleine Monster“ aufgewachsen, dass zuweilen völlig in Vergessenheit gerät, wie blutig und zynisch-garstig der Kulthit von 1984 ist. Die sich in weihnachtlichem Setting abspielende Horrorkomödie von Regisseur Joe Dante und Drehbuchautor Chris Columbus (Regisseur von „Harry Potter und der Stein der Weisen“) hat in Deutschland immerhin eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren – dank zerstörungswütiger Monster, einer makaberen Weihnachtsanekdote und blutiger Zerstückelung, wenn es darum geht, die fiesen Viecher aufzuhalten. Fun Fact: Die Gremlin-Puppen und -Animatronics kosteten jeweils 30.000 bis 40.000 Dollar – bei diesem hohen Kostenpunkt ließ das Studio zusätzliche Security für's Set springen, die allein dazu da war, dafür zu sorgen, dass kein Gremlin gestohlen wird.

© Rough Trade Distribution

© Rough Trade Distribution

Santa’s Slay – Blutige Weihnachten

Ein weihnachtlicher Horrortipp für den späten Festtagsabend, wenn der Glühwein schon ordentlich kickt und die schrecklichen Schnapspralinen, die die Großeltern mitgebracht haben, auf einmal verführerisch wirken: David Steimans gerade einmal 78 Minuten langer Schreckensspaß „Santa’s Slay – Blutige Weihnachten“ mit Wrestling-Star Bill Goldberg als Santa (der hier als der Sohn Satans etabliert wird), „Lost“-Mimin Emilie de Ravin, „Die Nanny“-Star Fran Drescher und „Düstere Legenden“-Darstellerin Rebecca Gayheart setzt auf übertriebene Kills, saudämliche Sprüche und Flashbacks in Puppen-Optik. Von Peter Rütten bei „SchleFaZ“ süffisant als „vergammelte Ungenießbarkeit“ bezeichnet, ist „Santa's Slay“ zugleich der ideale, dämlich-unsubtile Anti-Weihnachtsfilm für die Phase an Weihnachten, zu der man „schön gacker- und grölaffin“ ist. (Gut zu wissen: Teilweise wird der Film auch als „Very Bad Santa“ vermarktet.)

© EuroVideo

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Stille Nacht, Horror Nacht

„Black Christmas“ hat zwar den Weg bereitet, doch es war „Stille Nacht, Horror Nacht“, der sich bei Horrorfans (vor allem bei Horrorfans der 1980er-Jahre) fast schon Klassikerstatus erarbeitet hat. Im Original „Silent Night, Deadly Night“ betitelt und trotz einer turbulenten Kinoauswertung mit vier Fortsetzungen und einem Remake gesegnet, können sich vor allem im englischsprachigen Raum viele Fans des Horrorkinos kein Weihnachten ohne diese Regiearbeit von Charles E. Sellier Jr. vorstellen. Die Geschichte dreht sich um einen Mann, der in seiner Kindheit mit ansehen musste, wie seine Eltern von jemanden im Weihnachtsmannkostüm brutal ermordet wurden, und der nun selbst zum rot-weiß gekleideten Killer wird. 1984 wurde die US-Kinoauswertung aufgrund negativer Kritiken und aufgebrachter Moralhüter nach nur einer (profitablen) Woche gestoppt, in Deutschland wurde „Stille Nacht - Horror Nacht“ erst 2018 vom Index gestrichen. Kurzum: Wenn ihr diesen Titel noch nicht kennt, stellt euch auf richtig derb-fiesen Slashergenuss ein!

© 20th Century Studios

© 20th Century Studios

Stirb langsam

Machen wir uns nichts vor: Diese Liste an actionreichen, blutigen und krachenden Filmen, die an Weihnachten spielen, wäre nicht komplett, würden wir John McClane ausschließen. „Stirb langsam“ als weihnachtliches Gegenprogramm mag zwar ein derartiges Klischee geworden sein, dass der Film schon gar kein Gegenprogramm mehr darstellt, sondern mittlerweile Pflichtprogramm geworden ist. Dessen ungeachtet: Der Blockbuster von „Predator“-Regisseur John McTiernan, der Bruce Willis vom romantisch-humorvollen Fernsehstar zum globalen Action-Kinostar verwandelt hat, gehört zum Fest wie Spekulatius und Christstollen, und hat sich seinen Platz in der Popkultur bestens verdient. Ein einfacher Cop stoppt Räuber, die sich als Terroristen ausgeben, um seiner Frau näher zu sein? Yippie ya yay, Schweinebacke, das ist und bleibt einfach Kult! 

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