Boss Level: Lohnt sich der brachiale Zeitschleifen-Thriller?

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Und täglich grüßt das Murmeltier bedeutet den Anfang eines kleinen Genres innerhalb der Sci-Fi- und Fantasy-Storys: den Zeitschleifen-Film. Nachdem der Klassiker mit Bill Murray viele Jahre weitgehend allein stand, sind in den vergangenen Monate einige Filme erschienen, die sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigen, wie beispielsweise der sehr sehenswerte 16 Stunden Ewigkeit . Nun hat auch Actionspezialist Joe Carnahan (The Grey) seinen Time-Loop-Beitrag abgedreht und auch das Drehbuch mitgeschrieben. Kann sich der bisher brachialste Film des kleinen Genres sehen lassen?

Boss Level @Leonine

Wissenschaftlerin Jemma zieht Roy in ein fieses Abenteuer.

Die Handlung

Roy Pulver (Frank Grillo), ein ehemaliger Elitesoldat, erlebt immer den gleichen Tag. Und der fängt schon richtig mies an: Als er die Augen aufschlägt, erwartet ihn bereits ein Auftragskiller mit einer Machete. Den kann er mittlerweile mit links erledigen, doch weiter als 12:47 kommt er an keinem Tag, denn dann tauchen gleich sechs Killer gleichzeitig auf, gegen die er keine Chance hat. Mehr als 100 Mal hat er es schon versucht, überlebt hat er nie. Doch dann erinnert er sich an einen Besuch bei seiner Ex-Frau Jemma (Naomi Watts) am gestrigen Tag, der für Roy schon fast drei Monate her ist. Hat sie dort nicht etwas von einem Geschenk gesagt, das sie ihm geschickt hat?

Tatsächlich findet Roy in der Post ein seltsames Buch mit noch seltsameren Hinweisen. Die deuten darauf hin, dass Jemmas Arbeit im Forschungslabor des Colonels Clive Ventor (Mel Gibson) mit Roys aktuellem Zustand zu tun haben könnte. Und so versucht er, seinen Killern auszuweichen oder zuvorzukommen, um mehr Zeit zu haben und Fakten über die Hintergründe herauszufinden. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn immer wieder sorgen Details dafür, dass Roy als Leiche endet – und von vorn beginnen muss. Kann sich Roy noch aus der Zeitschleife befreien oder bleibt er für alle Zeit im gleichen Tag gefangen?

Boss Level @Leonine

Roy sorgt sich nicht nur um seine Ex-Frau, sondern auch um seinen Sohn, der nichts von ihm weiß.

Top-Besetzung Frank Grillo

Einem großen Publikum fiel Frank Grillo erstmals im MCU auf, als er den Hydra-Agenten Brock Rumlow spielte, der später zum Superschurken Crossbones wurde. Muskulöser Körper, Granitgesicht, kratzige Stimme – diese Attribute passten perfekt zur Rolle, ebenso wie zu seinem zweiten großen Auftritt in der Purge-Reihe. Und auch in Boss Level ist es hauptsächlich Grillos körperliche Präsenz, die seine Rolle prägt. Deshalb macht die erste halbe Stunde des Films, in der es wenig Erklärungen und viel Action gibt, auch am meisten Spaß. Denn hier metzelt sich Roy durch Horden von Gegnern und tritt meistens noch mit einem coolen Spruch ab – hinein in den gleichen Tag von vorn.

Sobald die Story aber beginnt, eine Erklärung für das Geschehen zu liefern, verliert Boss Level deutlich an Tempo. Den Tiefpunkt erreicht der Film, wenn Grillo mit seinem jüngsten Sohn Rio gemeinsam vor der Kamera steht. Das mag für Vater und Sohn eine schöne Erfahrung gewesen sein, den Film bringt es leider überhaupt nicht weiter. Denn der eine Punkt, der für die Handlung relevant ist, hätte sicher keine 15 Minuten gebraucht. Hier verspielt Boss Level vor allem bei Action-Fans eine Menge Kredit. Denn Carnahan ist definitiv kein Spezialist für emotionale Szenen – und Grillo ist das auch nicht.

Boss Level @Leonine

Jemand hat eine illustre Schar Auftragskiller auf Roy angesetzt, um ihn loszuwerden. Aber warum?

Originelle Grundidee

 Dabei ist die Grundidee des Films wirklich frisch. Den Helden wie in einem Videospiel immer wieder sterben und von vorn beginnen zu lassen, bis er endlich so gut wird, dass er es in den Boss Level schafft, funktioniert als Plot tadellos. Carnahans Verbeugung vor Arcade-Klassikern, die er in den Film einbaut, ist ebenfalls nett, wenn es auch für die Handlung keine große Rolle spielt. Aber es sind die teilweise fast absurd übertriebenen Kämpfe gegen die Auftragskiller, die in Hubschraubern, schnellen Autos und sogar auf Rolltreppen Jagd auf Roy machen, die den Pulsschlag von Boss Level vorgeben. Und der sollte in so einem Film gleichbleibend hoch sein.

Kracher wie Crank mit Jason Statham oder Shoot'em Up mit Clive Owen machen vor, wie ein komplett übertriebener und spaßiger Actionfilm aussehen kann. Hier wird nonstop Gas gegeben und der Held in immer absurdere Situationen gebracht. Bei Boss Level traut sich Carnahan leider nicht, einen ebenso kompromisslosen Film zu machen und verwässert die zweite Hälfte mit zu viel Erklärungen und zu wenig Action. Immerhin traut er sich dann im Finale wieder, den Zuschauer mit einem unerwarteten Ende zu überraschen. Oder schielt er insgeheim auf eine Fortsetzung?

Nett zu sehen, aber eigentlich nicht gebraucht werden Grillos Co-Stars. Naomi Watts und Mel Gibson haben vielleicht 10 Minuten Screentime, Michelle Yeoh hat lediglich einen Kurzauftritt. Wer also aufgrund der Namen zugreifen will, sollte sich das überlegen. Hier ist Frank Grillo der Star – und dann kommt lange nichts.

Fazit:

Coole Fights, konchentrockene Sprüche und rasante, gut inszenierte Action: Wäre Regisseur Joe Carnahan so mutig gewesen, das mit seinem Star Frank Grillo über die gesamte Laufzeit des Films zu machen, er hätte mit Boss Level wohl einen neuen Kultfilm aus der Taufe gehoben. Denn nach Komödie und Horror hat er die Zeitschleifen-Thematik nun auch für den Actionfilm etabliert. Leider bremst er aber in der zweiten Hälfte des Films das Tempo deutlich herunter, um eine halbgare Auflösung zu konstruieren und seinen Helden noch als liebevollen Vater zu zeigen. So bleibt es ein Film mit guten Ansätzen und einem immerhin unerwarteten Ende, der aber mehr hätte werden können als nur ganz nett.

Boss Level ist ab dem 23. April auf DVD und Blu-Ray zu haben.

Boss Level @Leonine

Steckt Jemmas Boss hinter der Killerbrigade? Roy will das herausfinden.

Wertung

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