Charité Staffel 3: Wie gut ist die deutsch-deutsche Episode?

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Als die erste Staffel der Serie, inszeniert von Regie-Star Söhnke Wortmann, im März 2017 erstmals in der ARD gezeigt wurde, konnte Charité den besten Serienstart des Senders seit 25 Jahren feiern. Das schrie natürlich nach einer Verlängerung und so marschierte die Serie aus der Kaiserzeit des späten 19. Jahrhunderts direkt in den Zweiten Weltkrieg. Staffel 3 hat sich nun einen weiteren Abschnitt deutscher Geschichte ausgesucht, der das Land für Jahrzehnte prägte - den Mauerbau in Berlin im August 1961. Was die Autoren rund um dieses Datum an Handlung gestrickt haben und wie gut die dritte Staffel der Serie ausgefallen ist, verraten wir euch in der Kritik.

Charite 3 Gummich

Die Handlung

August 1961 in Ost-Berlin: Die junge Ärztin Ella Wendt (Nina Gummich) hat ihren ersten Tag in der Abteilung Innere Medizin an der renommierten Charité. Schon bei ihrer Ankunft findet sie ihre erste Patientin vor, die sich gerade unter Schmerzen die Treppen heraufkämpft. Wenig später trifft sie nicht nur auf ihren Studienkollegen Dr. Alexander Nowack (Max Wagner), sondern lernt auch den systemkritischen Chirurgen Curt Bruncken (Franz Hartwig, Der Pass) kennen. Am meisten bemüht sich Ella aber um die Bekanntaschaft des berühmtem Wiener Pathologen Otto Prokop (Philipp Hochmair), der als absolute Koryphäe auf seinem Gebiet eines der Aushängeschilder der DDR-Führung ist.

Denn Prokop verfügt über ein großes Labor mit Blutproben - und das würde Ella gern nutzen, um ihre Krebsforschung fortsetzen zu können. Doch der erste Kontakt mit dem brillanten, aber auch arroganten und selbstgefälligen Prokop läuft nicht nach Plan. Während Ella um ihre Möglichkeiten kämpft, hat ihre bekannte Kollegen Ingeborg Rapoport (Nina Kunzendorf), die Leiterin der Kinderklinik, ständig Ärger mit dem Gynäkologie-Professor Dr. Kraatz (Uwe Ochsenknecht), ebenfalls ein über die Grenzen Deutschlands angesehener Spezialist auf seinem Gebiet - aber kein Freund von Frauen als Kollegen. Doch alle Streits ruhen, als plötzlich die Polizei damit beginnt, mitten durch Berlin eine Mauer zu bauen ...

Charite 3 Hochmair

Fortsetzung nach gleichem Strickmuster

Im Osten nichts Neues! Regisseurin Christine Hartmann nutzt Staffel 2 der Serie als Blaupause für ihre Episoden (erneut sechs) und erzählt zwar eine neue Geschichte, die aber aus den gleichen Versatzstücken besteht wie der Vorgänger. Waren es dort die Nazis, die den ehrenhaften und nicht ganz so ehrenhaften Ärzten und Krankenschwestern zusetzten, so ist es diesmal die Partei SED, die Ella Wendt und ihren Kollegen bestimmte Verhaltensregeln aufzwingt, wie etwa die Todesursache des ersten Maueropfers zu verschweigen. Zwar ist die Atmosphäre nicht ganz so bedrohlich wie die Episoden, die im Zweiten Weltkrieg spielen, aber das Muster ist doch ähnlich: Wer nicht spurt, hat nichts zu lachen.

Hartmann gelingt es aber, das Leben in der damaligen, jungen DDR in verschiedenen Facetten zu zeigen, so beispielsweise auch den ständigen Verlust von Ärzten und Schwestern durch Flucht in den Westen, worunter vor allem die Patienten zu leiden hatten. Die Autoren verzichten diesmal auch weitgehend darauf, fanatische Verfechter des Systems in die Serie zu integrieren und zeigt den Großteil der Figuren als politisch wenig interessiert, dafür als Ärzte aus Leidenschaft. Dabei schlagen die Macher hin und wieder zwar über die Stränge, was die Begeisterung für den Ärzte-Job angeht und kreieren manchen Charakter fast als Heiligen, die emotionale Wirkung entfaltet sich allerdings trotzdem.

Charite 3 Kunzendorf

Wen gab es wirklich, wer ist Fiktion?

Denn die Autoren verflechten sehr gekonnt historische Figuren wie Prokop, Rapoport und Kraatz mit fiktiven wie Wendt und Bruncken, bauen tragische Momente mit Patienten ein, vergessen aber nie den Zeitkolorit, der auch die dritte Staffel wieder zu einem Hit machen dürfte. Diesmal können sie durch den Pathologen Prokop sogar einen Krimiplot einbinden - die Jagd nach einem Serienmörder. Dabei hält die Erzählung gekonnt die Waage zwischen den verschiedenen Figuren und setzt ebenso auf tatsächliche wie fiktive Handlungsstränge, die wie immer erst am Ende der letzten Folge zugeordnet werden. Und zumindest die Hauptrollen sind erfreulich glaubwürdig und menschlich geraten.

So ist die als Ärztin fast perfekte Ella Wendt im Umgang mit Autoritäten erstaunlich impulsiv und ungeschickt, der eingebildete Prokop zeigt im Lauf der Serie auch viele positive Eigenschaften und der knurrige Kraatz wird angesichts einer ganz besonderen Patientin zum einfühlsamen und hingebungsvollen Arzt. Lediglich Kinderärztin Rapoport wird von den Autoren mit einem deutlich sichtbaren Heiligenschein versehen und fungiert als eine Art Superärztin. Das wird aber durch das gute Spiel von Nina Kunzendorf zumindest hin und wieder ein wenig relativiert. Ohnehin finden sich auch in der dritten Staffel von Charité wieder viele starke Schauspieler im Cast.

Charite 3 Ochsenknecht

Besonders spannend sind dabei die Szenen von Nina Gummich und Philipp Hochmair, die sich im Lauf der Episoden immer wieder entzweien und zusammenraufen und in deren Duellen regelmäßig die Funken sprühen. Auch wenn die Staffel insgesamt nicht ganz mit der Spannung der zweiten Story mithalten kann, so ist den Machern doch wieder eine mitreißende Geschichtsstunde gelungen, die recht klischeefrei die Sorgen und Probleme der Charité unter der DDR-Regierung zeigt. Wer die ersten beiden Staffeln mochte, wird auch diesmal wieder mit den Ärzten, Schwestern und Patienten der Charité mitfiebern. Die Bestellung einer vierten Staffel wäre also nicht überraschend.

Fazit:

Charité Staffel 3 hält das gute Niveau der Vorgänger und erzählt diesmal seine Geschichten rund um reale und von den Autoren geschaffene Ärzte vor der Kulisse des Mauerbaus 1961 in Berlin. Und erneut gelingt die Mischung aus tragischen Patientenschicksalen, Alltagsproblemen der Belegschaft und großen Gefühlen so gut, dass der Zuschauer immer wissen will, wie es weitergeht. Und unter Garantie mit der einen oder anderen Figur mitleidet und sich mitfreut. Zwar hat Charité nicht ganz das Niveau eines Babylon Berlin, was sicher auch mit dem unterschiedlichen Budget der Serien zu tun hat, aber für hochklassiges Fernsehen ist die Charité jederzeit gut - auch diesmal.

Charité Staffel 3 ist bereits in der ARD-Mediathek zu sehen und startet am Dienstag, 12. Januar 2021 um 20:15 in der ARD.

Besonders spannend ist der Ausblick auf eine mögliche vierte Staffel. Die könnte nach Aussage der Produzentin einen Sprung ins Jahr 2049 machen und damit erstmals keine historische Kulisse nutzen, sondern ein Zukunfts-Szenario der Medizin zeigen. Ob die ARD dieses Konzept tatsächlich abnickt, muss aber zumindest bezweifelt werden.

Charite 3 Maueropfer

Wertung

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