Concrete Cowboy: Unsere Kritik zum urbanen Western-Drama bei Netflix

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Idris Elba ist bekannt für unterschiedliche Rollen, selbst in der Stephen King-Verfilmung Der Dunkle Turm überzeugte der Brite als Revolvermann Roland Deschain. So ist es gar nicht so verwunderlich, dass Elba sich nun auf den Rücken eines Pferdes begibt, um einen Großstadt-Cowboy zu spielen. Mit Fantasy hat das Ganze allerdings gar nichts zu tun, es gibt tatsächlich Menschen, die diesen Lebensstil mitten in Philadelphia noch pflegen. Einige von ihnen spielen in Concrete Cowboy sogar prominente Nebenrollen. Welche Geschichten erzählt der Film? Und für welches Publikum könnte er deshalb interessant sein? Spiele.de hat die Antworten.

Concrete Cowboys @Netflix

Das geht ja gut los: Als Cole bei seinem Vater ankommt, ist der nicht zuhause. Nachbarin Nessie erzählt Cole, wo er seinen Dad findet.

Die Handlung

Der 15-jährige Cole (Caleb McLaughlin, Stranger Things) fällt in der Schule immer wieder durch Prügeleien und andere Probleme auf. Seine alleinerziehende Mutter hat schließlich die Nase voll und bringt den Jungen aus Detroit nach Philadelphia, wo Coles Vater lebt. Vater Harp (Idris Elba) und Sohn haben sich seit zehn Jahren nicht gesehen und der Empfang für den Filius ist nicht gerade herzlich. Nicht nur, dass Cole auf einem Sofa schlafen muss, neben dem ein Pferd lebt, auch die aufgestellten Regeln seines Vaters passen dem ständig wütenden Teenager überhaupt nicht. Doch der reagiert rigoros auf jeden verstoß und setzt den Jungen kurzerhand vor die Tür.

Eine der verletzten Regeln heißt Smush (Jharrel Jerome), ein Kumpel von Cole aus Kindertagen, der mittlerweile für einen Drogendealer aus der Nachbarschaft arbeitet – und deshalb bei Harp nicht mehr erwünscht ist. Der hat große Träume und will Cole in diese einbeziehen. Deshalb beginnt er, seinen Boss zu hintergehen und auf eigene Rechnung Drogen zu verkaufen. Weil Cole das aber für sich behält, gelingt ihm eine langsame Annäherung an die Großstadt-Cowboys, mit denen Harp seinen Alltag verbringt. Und schließlich nähern sich Vater und Sohn behutsam einander an. Dass sich die beiden Dickschädel dabei selbst wie scheue Pferde benehmen, wundert niemanden ...

Concrete Cowboy @Netflix

Netter ist da schon sein alter Kumpel Smush, der immer Geld hat. Cole findet bald heraus, warum.

Zu viele Inhalte

Eine schwierige Beziehung zwischen einem Vater und seinem entfremdeten Sohn. Die Drogen- und Verbrechens-Problematik junger Schwarzer in armen Vierteln der Großstädte. Ein traditioneller Lebensstil, der von der Gesellschaft immer weiter an die Ränder der Stadt gedrängt werden. Zwischen diesen drei Themen teilt sich die Laufzeit von knapp zwei Stunden auf. Eine Hauptstory lässt sich dabei nicht unbedingt herauslesen, auch wenn die Rolle des jungen Cole klar im Fokus steht. Leider sind nicht alle Storys gleich gut geschrieben und erzählt. Vor allem die arg abgedroschene Drogen-Geschichte reißt die zum Teil deutlich stärkeren, anderen Erzählungen ein wenig nach unten.

Denn hier ist Regisseur und Co-Autor Ricky Staub nichts eingefallen, das man nicht schon Dutzende Male in anderen Filmen gesehen hätte. Zwar ist auch sie gut gespielt, aber hier geben sich dennoch die Klischees die Klinke in die Hand. Der Drogendealer feiert jede Nacht Partys in seinem Haus, das ist im Vergleich zu vielen deutlich besser geschriebenen Szenen einfach zu plump. Dennoch braucht dieser Erzählstrang viel Zeit, der vor allem bei den viel spannenderen Großstadt-Cowboys fehlt, von denen bisher wohl kaum ein Zuschauer je gehört hat.

Concrete Cowboy @Netflix

Zwischen Harp und Leroy, dem Cop des Viertels, kommt es immer wieder zu Spannungen.

Westernidylle in der Stadt

Staub zeigt diese kleine Gruppe fast vollständig isoliert vom normalen Großstadt-Leben, so dass immer wieder Bilder entstehen, die der Zuschauer kaum mit typischen US-Metropolen verbindet. Und das hat durchaus seinen Reiz. Auch die Geschichten, die sich die Männer am abendlichen Lagerfeuer erzählen, als säßen sie mitten in der Prärie bei ihren Herden, sind durchdrungen von Melancholie und Verlust, aber auch von Kampfeswillen und dem Versuch, dieses Leben zu bewahren. Damit der Bezug zur Realität aber nie abreißt, garniert Staub seine Bilder mit Hip-Hop und Rap.

Das eigentlich erwartete Hauptthema des Films, die Annäherung zwischen Vater und Sohn, muss dagegen mit wenigen Szenen auskommen. Die sind zwar durchaus gelungen, etwa wenn Harp seinen Sohn erklärt, warum er Cole heißt, aber letztlich ist das für eine eigentlich so komplexe Problematik etwas flach geraten. Hier hätte man sich ein wenig mehr gewünscht als die Botschaft, dass Cole schon auf den rechten Weg geführt wird, wenn er genug Ställe ausmistet und erst einmal auf dem Rücken eines Pferdes sitzt. Schauspielerisch gibt es hingegen keinen Grund zur Klage, sowohl McLaughlin als auch Elba spielen ihre Rollen mit viel Gefühl für Zwischentöne.

Fazit:

Concrete Cowboy deckt durchaus eine breite Zielgruppe ab: Pferdenarren kommen genauso auf ihre Kosten wie Freunde von gut gespielten Dramen und Fans der beiden Hauptdarsteller. Regisseur Ricky Staub präsentiert mit seinem Film aber vor allem eine interessante Milieustudie über Menschen, die versuchen, am Rande der Gesellschaft ihren ganz eigenen Traum vom Leben zu verwirklichen. Wer sich dafür erwärmen kann, wird auch die etwas zu klischeehafte Drogenstory überstehen, die in diesem Film den klaren Schwachpunkt darstellt, aber für die Dramaturgie unerlässlich ist.

Concrete Cowboy läuft ab dem2. April 2021 bei Netflix.

Concrete Cowboy @Netflix

Cole kann sich seinen Platz an der Seite seines Vaters verdienen - aber will er das?

Wertung

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