Cryptid: Neues Stranger Things aus Schweden?

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Nachdem er, ganz ähnlich wie seine Schöpfung Cthulhu, lange geschlafen hat, ist H.P. Lovecraft in den vergangenen Jahren von vielen Kreativen im Bereich Fantasy und Horror wiedererweckt worden. Filme wie The Beach House beziehen sich offen auf Lovecraft, Die Farbe aus dem All ist sogar eine halbwegs werkgetreue Verfilmung eine seiner berühmtesten Kurzgeschichten. Und auch Serien wie Stranger Things ließen sich von den gruseligen Phantasien des amerikanischen Schriftstellers inspirieren, der im Moment neben Stephen King zum neuen Liebling der Horror-Verfilmungen avanciert. Auch Cryptid * nimmt für sich in Anspruch, den Geist Lovecrafts in sich zu tragen - zu Recht?

Cryptid Tim am See

 Die Handlung

In einer nordschwedischen Kleinstadt ereignet sich ein grausamer Vorfall: Sebastian (Oscar Zia),Schüler der High School, explodiert förmlich in der Schulkantine. Niklas (Julius Fleischanderl), der mit dem Opfer befreundet war, stand zum dabei direkt vor ihm und wird nicht nur von einer Blutfontäne getroffen, sondern wenig später auch von einer Welle der Verdächtigungen. Als sich herausstellt, dass Ester (Maja Johanna Englander), Niklas' Freundin, kurz vorher mit Sebastian Sex hatte, gerät er noch stärker unter Verdacht, da er nun auch ein starkes Motiv besitzt. Doch Niklas beteuert weiterhin seine Unschuld.

Am gleichen Tag sterben, zunächst unbemerkt, am See der Kleinstadt vier Menschen durch eine Kreatur, die im Wasser lebt. Und auch Niklas' Schwester Lisa (Astrid Mohrberg), nach dem Selbstmord der Mutter jahrelang nicht mehr zuhause, taucht plötzlich auf. Alles Zufälle? Niklas und seine neuen Freunde, die frisch zugezogenen Geschwister Amina (Amanda Lindh) und Emil (Jacques Karlberg) glauben nicht daran. Als es dann bei einer Feier am See zu einem folgenschweren Vorfall kommt, versuchen die Teenager, Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei könnte auch Lisa helfen, die ständig Visionen und Erinnerungen aus der Vergangenheit hat, die mit einem seltsamen Blutopfer zu tun haben ...

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Das sich die Macher mit dem Stranger Things-Vergleich gern schmücken möchten, ist verständlich und auch nicht völlig falsch. Einige Unterschiede gibt es aber doch. So sind die Helden in Cryptid * alle schon volljährig, die erste Liebe ist bereits regelmäßigem Sex gewichen und die persönlichen Probleme sind andere als bei den Kids im Örtchen Hawkins der 80er Jahre. Auch die Kreaturen, bei Stranger Things wesentlicher Teil der Handlung und fast immer auch sehr früh zu sehen, lassen sich bei Cryptid mit einem sichtbaren Auftritt merklich mehr Zeit.

Das mag dem Budget geschuldet sein, verfehlt aber seine Wirkung dennoch nicht. Wenn sich im See eine kleine Bugwelle auf ein Opfer zu bewegt, ist das nicht weniger gruselig, als wäre die Kreatur voll zu sehen, manchmal ist es einfach besser, die Phantasie des Zuschauers zu nutzen, statt alles zu zeigen. Und neben den Monstern, die unbemerkt ganz in der Nähe des Menschen auf Beute lauern, bietet die Serie noch weitere klassische Lovecraft-Motive, die hier aber aus Spoilergründen nicht weiter beschrieben werden.

Cryptid Niklas

Selten blutig, aber dann richtig

Als Gore-Fest, wie es die Werbung verspricht, stellt sich Cryptid allerdings nicht heraus. Wo es nötig und sinnvoll ist, wird zwar nicht mit Kunstblut gespart, dass nun aber jede der mit nur etwa 20 Minuten sehr kurzen Folgen in Körpersäften ertrinkt, kann man wirklich nicht behaupten. Stattdessen halten sich die Macher an traditionellen Spannungsaufbau, in dem sie Schale für Schale das innere des Geheimnisses freilegen und die Fäden langsam aber sicher zusammenlaufen lassen, die dann ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Lisas düstere Visionen, die Ereignisse am See und seltsame, kostümierte Gestalten - das sind gut funktionierende Puzzleteile zu einem coolen Rätsel.

Ob es dazu noch die Herz-Schmerz-Geschichten am Rande gebraucht hätte oder nicht, dürfte Geschmackssache sein. Jüngere Zuschauer können sich so wahrscheinlich besser mit den Figuren identifizieren, ältere wird es eher nerven, das Gefühls-Geplänkel sehen zu müssen. Allerdings übetreiben es die Serienmacher damit auch nicht - wer mit wem, das bleibt Beiwerk. Das gilt auch für die schauspielerischen Leistungen, die allesamt in Ordnung gehen, aber auch keine auffällig starken Ausreißer nach oben aufweisen.

Und so lässt sich die Horror-Serie aus Schweden in ziemlich genau vier Stunden nicht nur ansehnlich flott konsumieren, sie füllt diese Zeit auch anständig mit guten Gruselmomenten, ordentlich Blut und spannender Story. An das große Vorbild Stranger Things reicht sie allerdings nicht heran, dazu fehlen ihr die herausragenden Kinderdarsteller wie Millie Bobby Brown oder Finn Wolfhard. Als netter Snack während des Wartens auf Staffel vier taugt Cryptid allerdings sehr gut.

Cryptid Ester

Fazit:

Ganz in die Liga von Stranger Things schafft es die schwedische Horror-Serie Cryptid nicht. Aber das ist auch eine hohe Messlatte. Setzt man etwas niedriger an und erwartet eine solide Horror-Mystery-Serie mit sympathischen Darstellern und spannender, blutiger Story, wird man bei Cryptid durchaus fündig. Und der angekündigte Lovecraft-Touch ist auch durchaus vorhanden, wenn die Serie sich auch nicht direkt auf eines der Schlüsselwerke des Autors bezieht. Horror-Fans, die es blutig mögen und sich mit dem Universum Lovecrafts anfreunden können, sollten auf jeden fall einen Blick riskieren.

Cryptid * ist ab dem 13. November 2020 als Blu-Ray, DVD und digital zu haben. 

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