Der Herr der Ringe: Warum der Anfang der Saga nicht verfilmt wird

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Die Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Mittelerde-Saga fängt hinten an und arbeitet sich langsam zum Anfang, denn Der Herr der Ringe bildet den Schlusspunkt der gigantischen Story - und damit des Dritten Zeitalters, der Hobbit spielt einige Jahrzehnte davor und ist das vorletzte Kapitel der Saga. Die Serie, die momentan in Neuseeland für Amazon Prime entsteht, erzählt erstmals Geschichten aus dem Zweiten Zeitalter, tausende Jahre vor den Ereignissen im Herrn der Ringe. Zumindest theoretisch könnte die Serie mit der Schlacht enden, mit der die Filmtrilogie beginnt, und in der Sauron der Ring durch Isildur vom Finger geschlagen wird. Aber warum wird nicht endlich der Anfang der Saga verfilmt?

Herr der Ringe Elrond

Das sagenhafte Erste Zeitalter

Um das zu tun, bräuchten potenzielle Filmemacher die Rechte an Tolkiens Buch Das Silmarillion. Darin hat Tolkiens Sohn Christopher die frühen Geschichten seines Vaters, die von der Erschaffung Ardas bis zum Ende des Zweiten Zeitalters reichen, gesichtet und die zum Teil nur als Fragment verfügbaren Storys zu einer Art Geschichtsbuch Mittelerdes zusammengefasst. Und diese Geschichten sollen nach Tolkiens Willen nie verfilmt werden. Das hat zwei Gründe. Zum einen war sich Tolkien sicher, dass ein Film seine Vision nicht adäquat weidergeben könnte, da er sich die heutigen Möglichkeiten von Spezial-Effekten schlicht nicht vorstellen konnte. Zum anderen war der Schriftsteller kein Freund von Filmen an sich.

Schon die Rechte an Der Herr der Ringe und Der Hobbit verkaufte er im Jahr 1969 für 100000 Pfund nur, weil er Steuerschulden zu zahlen hatte und deshalb Geld brauchte. Er war sich aber sicher, dass ein Film dazu niemals entstehen würde, da kein Studio so viel Geld in die Hand nehmen würde, um seine Story vernünftig umzusetzen. Tatsächlich gab es 1978, fünf Jahre nah Tolkiens Tod, eine Zeichentrickfilm-Version von der Hälfte des Romans, die aber bei Fans und Kritikern nicht gut ankam. Nach dem Tod des Vaters wachte Christopher sehr aufmerksam über die anderen Rechte am Werk seines Vaters, die bei der Tolkien Estate liegen - und die wird von der Familie kontrolliert.Herr der Ringe nazgul

Herr der Ringe Aragorn

Christopher und der Nachlass

Zusätzlich brachte Christopher Tolkien in den vergangenen Jahren die nach Aussagen seines Vaters drei großen Erzählungen des Ersten Zeitalters als Romane heraus, die Tolkien allesamt nicht zu Ende geschrieben hatte. Christopher durchforstete dafür lange Jahre die Aufzeichnungen und handschriftlichen Notizen des Vaters, um dessen Vision möglichst unverfälscht zwischen die Buchdeckel zu bringen. Die Romane heißen Die Kinder Hurins, Beren und Luthien und Der Fall Gondolins, die alle auch auf Deutsch vorliegen. Allerdings sind auch diese drei Storys nur ein Bruchteil der Geschehnisse, die im Ersten Zeitalter passierten.

Christopher Tolkien starb im Alter von 95 Jahren Anfang 2020, hatte aber schon einige Jahre vorher den Vorsitz der Tolkien Estate abgegeben. Dort sitzen aber immer noch einige Familienmitglieder im Vorstand. Und dort liegen auch die Filmrechte am Simarillion. Christopher machte zu Lebzeiten klar, dass er diese Rechte nie freigeben würde, ob seine Nachfolger das genauso eisern sehen, ist nicht bekannt. Die TV-Rechte an Der Herr der Ringe wurden erst an Amazon verkauft, nachdem Christopher sich aus der Führung der Tolkien Estate zurückgezogen hatte. Theoretisch ist es also denkbar, dass sich die Erben Tolkiens von sehr viel Geld oder einem großartigen Konzept doch einmal überzeugen lassen. Das ist zumindest im Moment aber nicht in Sicht.

Herr der Ringe Hexenkönig

Silmarillion unverfilmbar?

Die Ablehnung Christopher Tolkiens mag auch damit zusammenhängen, dass im Silmarillion sehr viele Dinge in Form eines historischen Abrisses geschrieben sind, aber eben nicht in Romanform. Um die vielen Storys auch nur halbwegs filmisch zu erzählen, bräuchte man wohl zehn oder mehr Serien-Staffeln - und die Schlachten der Elben und Menschen gegen die Heere des bösen Morgoth und seine Orks, Balrogs und Drachen wären auch eine überaus teure Angelegenheit - wenn auch inzwischen zumindest technisch machbar. Dazu kommen eine Menge verschiedener Figuren, die es zusätzlich schwer machen, aus dem Buch eine stringente Handlung zu entwickeln.

Außerdem war Christopher Tolkien kein Fan von Peter Jacksons Filmen und empfand die Adaptionen als der Vorlagen nicht würdig. Ob sich diese Ansichten auch bei den jüngeren Familienmitgliedern verbreitet hat, ist nicht bekannt. Es existieren immerhin Aussagen einiger Enkel und Urenkel von J.R.R. Tolkien, die sich freundlicher oder zumindest diplomatischer äußerten. Ob sie deshalb einen Verkauf der Rechte am Silmarillion in Betracht ziehen oder nicht, ist aber reine Spekulation. 

Herr der Ringe Zwerg

Serien-Handlung nicht im Buch?

Warum aber darf Amazon in der Serie dann Storys aus dem Zweiten Zeitalter erzählen, die stehen doch gar nicht im Roman, oder? Doch! Zwar sind die der eigentlichen Erzählung immer nur Anspielungen oder Erwähnungen vorheriger Ereignisse enthalten, aber der Herr der Ringe enthält auch Anhänge, die offiziell zum Buch gehören. Und dort gibt es Zusammenfassungen der Geschichte früherer Jahre - auch einige Seiten über das Zweite Zeitalter und die Könige von Numenor. Auf diese Seiten stützen sich die gesamten fünf Staffeln der Amazon-Serie! 

Das ist sicher ein Fest für die Autoren der Serie, denn bis auf einige Eckpunkte, die bereits festgelegt sind, haben sie in Sachen Charaktere und Storys viele Freiheiten. Und daher wird es in der TV-Serie auch viele Figuren geben, die mit keinem Wort in den Büchern erwähnt werden. Ganz neu ist das bei Tolkien-Verfilmungen aber nicht, denn schon in der Hobbit-Trilogie kommt mit der Elbin Tauriel ein wichtiger Charakter vor, den es im Buch nicht gibt. So ähnlich werden es die Autoren auch in der Amazon-Serie umsetzen, um aus den wenigen Fakten möglichst spannende Episoden zu machen.

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