Der junge Wallander - neu bei Netflix

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Die Romane des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell fanden sich jahrelang auf den weltweiten Bestseller-Listen, die Krimins des Autors genießen weit über Schweden hinaus einen herausragenden Ruf. Und doch war Kurt Wallander schon im ersten Roman kein junger Mann mehr. Diese Lücke füllt nun eine schwedische Serie, die Kurt Walanders Beginn als normaler Streifenpolizist in Malmö thematisiert, aber bald schon in einen typischen Mankell-Fall mündet. Wie gut ist der Sechsteiler beim Streaming-Dienst?

Der junge Wallander: Die Handlung

Kurt Wallander (Adam Pallson) ist ein Polizist mit Ambitionen. Gemeinsam mit seinem besten Freund Reza (Yasen Atour) hofft er auf eine Versetzung zum Mord-Dezernat. Eines Nachts kommt in dem Wohnblock, in dem Wallander lebt, ein Junge unter furchtbaren Umständen zu Tode. Das Viertel, in dem viele MIgranten leben, gerät schnell unter Generalverdacht und Wallander selbst hat auch einen arabisch aussehenden Mann vom Tatort fliehen sehen.

War es also eine Vergeltungstat gegen einen rassistischen jungen Schweden? Wallander glaubt nicht daran und ermittelt weiter. Dabei fällt er dem Chef des Dezernats auf und so bekommt er statt Reza die anstehende Versetzung in den Deterctive-Stand. Nicht die einzige private Hürde, die der junge Cop nehmen muss. Denn seine Ermittlungen führen nicht nur in den Dunstkreis eines serbischen Drogenbarons, der mittlerweile versucht, ein Saubermann-Image aufzubauen.

Auch eine superreiche Familie scheint mit dem Verbrechen in irgendeiner Verbindung zu stehen. Doch bevor es zu weiteren Erkenntissen kommt, wird der vermeintliche Täter geschnappt. Ist der Fall damit gelöst? Kurt Wallander glaubt das nicht. Bei seinen weiteren Recherchen begegnet er nicht nur der engagierten jungen Mona (Ellise Chappell), sondern auch ihrem Ex-Freund Gustav, dem Sohn der reichen Familie. Wer steckt wirklich hinter dem Mord an einem Jungen?

Der junge Wallander

Viele Freiheiten

Mankell-Leser dürften sich mit dieser Serie schwer tun, wenn sie ihren Lieblings-Ermittler wiedererkennen wollen. Denn die Serie nimmt sich einige Freiheiten heraus, was die Figur des Kurt Wallander angeht. So ist der eigentlich 1948 geboren und hätte seine jungen Jahre in der 70ern verbringen müssen, Der junge Wallander spielt aber in der heutigen Zeit. Und auch einige der Charakterzüge des alten Wallanders lassen sich in der neuen Version nicht finden. 

Über Wallanders Opern-Leidenschaft macht sich die neue Serie sogar lustig, wenn sie den jungen Mann sagen lässt, er hasse klassische Musik. Wer also genau die Figur erwartet, die er aus den Büchern und zahlreichen verfilmungen kennt, wird hier möglicherweise enttäuscht sein. Das hat allerdings nichts mit der grundsätzlichen Qualität der Serie zu tun - die ist nämlich gut. Es mag nicht der Wallander sein, den man kennt, aber es ist auch ein guter Ermittler.

Typische Mankell

Denn beim Inhalt erweisen die Serienmacher dem Schöpfer der Figur mehr Respekt. Der Fall weist viele typische Merkmale eines klassischen Wallanders auf. So geht es nur virdergründig um Rassenhass und dahinter steckt etwas ganz anderes. Auch in Schein Gerechtigkeit, eine Tzugend, an die Mankell wohl selbst nicht mehr so recht glaubte, bewegen sich Mankell-Storys oft in einer Art Grauzone, nicht immer wird der Täter angemessen bestraft oder anderweitig der Justiz zugeführt. Mankell spielte gern mit Konstellationen, in denen Macht wichtiger und entscheidnder war als Recht und Gesetz. Und auch Der junge Wallander legt sich bald mit Personen an, die ihn nicht nur beruflich zerstören könnten.

Dabei fängt die Serie ein paar Eigenschaften des älteren Wallander auch hier schon gut ein. So ist Kurts Unfähigkeit, emotionalen Abstand zu seinen Fällen zu halten, schon als junger Polizist stark ausgeprägt. Ebenso wie sein Gerechtigkeitssinn, der ihn oftmals am System verzweifeln lässt. Dennoch wirkt Adam Pallson in der Rolle bedeutend schüchterner und ruhiger, als der reife Kommissar späterer Jahre, die mögliche Entwicklung hin zu dem bekannten Ermittler ist aber von dort aus durchaus glaubhaft. So präsentiert Netflix einen spannenden Sechsteiler, dessen Auflösung erfreulich lange auf sich warten lässt. Der junge Wallander steht damit in der guten Tradition der berühmten und beliebten skandinavischen Krimis.

Der junge Wallander

Fazit:

Der junge Wallander wird zear durch einige Änderungen der Figur im Vergleich zu den Romanen Puristen vielleicht vor den Kopf stoßen, Krimi-Fans kommen hier aber voll auf ihre Kosten. Ein spannender Fall, der ohne große Längen erzählt wird, gute Schauspieler und der typische Mankell-Touch, wenn es um gesellschaftliche Kommentare geht, machen die Serie zu einer sicheren Bank für die Zielgruppe. Daher darf der junge Wallander gern weiterermitteln.

Der junge Wallander ist ab dem 3. September 2020 bei Netflix zu sehen.

Wertung

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