Die Mitchells gegen die Maschinen: Netflix zeigt das neue Werk der Lego-Film-Macher – wie gut ist es?

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Phil Lord und Christopher Miller haben schon seit Beginn ihrer Karriere immer wieder Filme erzählt, die so ganz anders waren als das, was der Zuschauer aus dem Mainstream-Kino gewohnt war. Schon ihre erste Regie-Arbeit Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen war in Sachen Storytelling und Ideen typisch für das Duo. Und weitere Hits wie The Lego Movie oder der von vielen als bester Spider-Man-Film überhaupt bezeichnete Spider-Man: A New Universe bestätigten ihren schrägen, aber oftmals treffenden Humor. Lediglich für das altehrwürdige Star Wars-Universum waren Lord und Miller zu rebellisch und mussten die Regie von Solo – A Star Wars Story abgeben. Was haben sie mit Familie Mitchell angestellt?

Die Mitchells gegen die Maschinen @SPAI

Papa Rick Mitchell will Tochter Katie als Familientrip zur Uni bringen – und landet in der Robo-Apokalypse.

Die Handlung

Bei Familie Mitchell läuft es nicht rund. Papa Rick würde am liebsten im Wald wohnen und ist großer Natur-Fan. Tochter Katie, die gerade ihre Aufnahme auf einer Filmhochschule in Kalifornien feiern kann, macht dagegen keinen Schritt ohne ihr Smartphone und das Laptop. Ihr kleiner Bruder Aaron liebt Dinosaurier über alles und würd am liebsten den ganzen Tag nur über die Urzeit-Riesen reden. Mutter Linda muss diesen Haufen als Familie irgendwie zusammenhalten. Und dann ist da noch der sehr spezielle Hund Monchi, ein schielender Mops. Manchmal schaut Linda heimlich neidisch hinüber zu den Nachbarn, den Poseys. Denn die scheinen einfach perfekt.

Die großen Probleme beginnen, als Rick beschließt, Katies Flugticket zurückzugeben und die Tochter stattdessen als Familientrip mit dem eigenen Wagen nach Kalifornien zu bringen. Während er ständig neue Ziele für Unternehmungen sucht und seinen Kindern damit amtlich auf die Nerven geht, ereignet sich anderswo ein High-Tech-Debakel der übelsten Sorte. Tech-Guru Mark Bowman stellt seine neue Roboter-Kollektion vor und entsorgt dabei gleich auf offener Bühne höchst uncharmant seine erfolgreiche App PAL als veraltet. Doch die KI bringt aus Rache die Robos unter ihre Kontrolle und strebt die Weltherrschaft an. Und die Mitchells müssen sie aufhalten, auch wenn sie davon noch gar nichts wissen ...

Die Mitchells gegen die Maschinen @SPAI

Katies Videos haben einen ganz eigenen Look, und das gilt auch für den Film.

Ganz eigener Look

Während Lord und Miller bei Lego im Look des Films gebunden waren, dafür aber eine großartige Meta-Ebene in ihr Drehbuch einbauten, konnte das Duo beim Spider-Man-Animationsfilm einen echten Comic-Style erschaffen und nutzten den auch ausgiebig, um den Film zu so einer tollen Erfahrung für Spidey-Fans zu machen. Und auch bei Die Mitchells gegen die Maschinen sind die beiden stilistisch frei – und das merkt man. Schon bei Katies eigenen Kurzfilmen, die sie mit Bruder und Hund dreht und danach noch stark bearbeitet, ist dieser Look zu sehen, später findet er sich immer wieder auch im ganzen Film. Dazu kommt die ganz eigene Optik der Animation, die wie eine Mischung aus Handzeichnung und Computerarbeit wirkt.

Die besondere Handschrift von Lord und Miller kann man aber nicht nur sehen, sondern auch erleben. Denn die Drehbuch-Arbeit das Films teilt sich in eine sehr bodenständige Erzählung über eine komplizierte Vater-Tochter-Beziehung und eine sehr durchgeknallte Story über eine Robot-Invasion und deren mögliche Vereitelung auf. Selbst Netflix sieht das ähnlich. Wo sonst bei Serien und Filmen als Beschreibung meist drei Adjektive stehen (eines davon gern aus der Rubrik "hat seit zwanzig Jahren kein lebender Mensch mehr ausgesprochen), steht bei bei Die Mitchells gegen die Maschinen (zumindest im Moment) nur "schräg". Damit ist eigentlich alles gesagt, oder?

Die Mitchells gegen die Maschinen @SPAI

Hund Monchi wird zur Geheimwaffe der Mitchells, ganz ohne eigenes Zutun.

Im Kern ein Familiendrama

Nein, natürlich nicht. Über diesen Film gibt es noch deutlich mehr zu berichten. Beispielsweise, dass er, untypisch für Lord und Miller, etwas schwer in die Gänge kommt und eine gute halbe Stunde braucht, bis er so richtig auf Temperatur ist. Dann gibt es aber in Sachen durchgeschossene Ideen und überkandidelter Stil kein Halten mehr. Allein zwei halbdefekte Roboter, denen die Mitchells begegnen, sind zum Piepen komisch. Und das die drei Worte "Hund", "Schwein" und "Toastbrot" unfassbar witzig sein können, auch das beweist Die Mitchells gegen die Maschinen eindrucksvoll. Der Humor von Lord und Miller scheint immer durch, auch wenn Regie und Drehbuch diesmal von Mike Rianda (Willkommen in Gravity Falls, läuft bei Disney+) stammen und das Duo lediglich als Produzent dabei war.

Die zahlreichen Anspielungen auf Sci-Fi-Klassiker wie 2001 oder Terminator sind durchweg gelungen und machen auch dem Teil des Publikums Spaß, der mit dem immer wieder durchscheinenden emotionalen Thema der Familie und deren drohende Zerstörung durch moderne Medien nicht so viel anfangen kann. Und doch steht dieser Teil des Films ganz in der Tradition von Disney-Filmen, die ebenfalls das Hohelied auf Familie und Freundschaft singen. Denn darum geht es im Kern hier, auch wenn die Story, in die diese Botschaften eingebettet sind, natürlich eine ganze Ecke durchgeknallter ausfällt, als das bei einem echten Disney-Film denkbar wäre.

Die Mitchells gegen die Maschinen @SPAI

Die perfekten Nachbarn, die Poseys, werden im Original von Musiker John Legend und dessen Gattin Chrissy Teigen gesprochen.

Denn spätestens wenn die Mitchells in einer Mall von Haushaltsgeräten und Spielzeug aller Art attackiert werden und schließlich vor der Mutter aller Furbys fliehen müssen, dann ist klar: Das hätte der Mäusekonzern so nicht gemacht. Lord und Miller hingegen haben wenig Skrupel, solange es witzig und unterhaltsam ist. Und das ist Die Mitchells gegen die Maschinen jederzeit.

Fazit:

Die Mitchells gegen die Maschinen steht, auch wenn sie hier nu als Produzenten dabei waren, ganz im Zeichen des Regie- und Autoren-Duos Phil Lord und Chris Miller. Der tolle, optische Stil, die mehr als ausgefallenen Ideen, die hier im Überfluss auf das Publikum niederregnen, und der teils fast absurde Humor tragen eindeutig die Handschrift der beiden. Für ganz kleine Zuschauer dürfte der Film zwar möglicherweise zu schnell und wild sein, aber mit Kindern oberhalb des Grundschulalters ist der neue Netflix-Film, den der Streaming-Dienst erst im Januar bei Sony einkaufte, ein ganz großer Spaß für die komplette Familie.

Die Mitchells gegen die Maschinen startet am 30. April 2021 bei Netflix.

Die Mitchells gegen die Maschinen @SPAI

Aaron redet so gern über Dinos, dass er sogar fremde Leute deswegen anruft.

Wertung

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