Die Schlange: BBC-Crime-Serie nach wahren Begebenheiten jetzt bei Netflix – lohnt sich das?

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Wahre Geschichten über Killer üben schon lange eine große Faszination auf Zuschauer aus. Dokumentationen über scheußliche Verbrechen laufen bei Netflix schon seit Jahren mit großem Erfolg, auch auf anderen Sendern sowie als Podcast haben True Crime-Storys eine große Fan-Basis. Eine Dokumentation hat die BBC über den als "Bikini-Killer" bekannt gewordenen Charles Sobhraj zwar nicht gedreht, aber die achtteilige Mini-Serie Die Schlange hält sich relativ dicht an die Fakten, hat lediglich die Namen einiger Opfer verändert – und natürlich die Dialoge frei erfunden. Ist das für True-Crime-Fans ein Leckerbissen oder sollten sie die Serie eher links liegen lassen?

Die Schlange @Netflix

Charles Sobhraj gibt 1997 in Paris ein Interview und spricht über seine Taten.

Die Handlung

1975. Charles Sobhraj (Tahar Rahim) lebt mit seiner Frau Monique (Jenna Coleman), einer Franko-Kanadierin, in Bangkok, wo er sich mit grausamen Verbrechen über Wasser hält. Mit einigen Helfern lockt er Touristen in sein Anwesen, in dem jede Nacht Partys steigen und viele andere junge Leute auftauchen. Wenn er ein Opfer auserkoren hat, lädt er es zum Bleiben ein und vergiftet seinen Besuch langsam,. Dann bemüht er sich scheinbar, seinem Opfer zu helfen, wofür die ihm geben, was sie besitzen. Und irgendwann tötet er die jungen Leute und entsorgt ihre Leichen m Meer oder im Feuer.

Weil zwei der Verschwundenen zuhause in den Niederlanden besorgte Verwandte haben, die sich nach zwei Monaten ohne Nachricht an die niederländische Botschaft in Bangkok wenden, wird der junge Diplomat Herman Knippenberg (Billy Howle) auf den Fall aufmerksam und beginnt, nach dem vermissten Paar zu suchen. Durch seine guten Kontakte und die Hilfe seiner Frau findet Knippenberg bald eine erste Spur, die zu einem australischen Kollegen führt. Der berichtet ihm von zwei verbrannten Leichen, die die hiesigen Behörden für zwei Australier gehalten haben. Doch die beiden leben noch. Knippenberg beschleicht ein schrecklicher Verdacht ...

Die Schlange @Netflix

Seine Gattin Marie-Andree war eine wichtige Helferin bei seinen Gaunereien, schaute bei den Morden aber weg.

Charakterzeichnung statt Blut

Die Serie beginnt mit einem Interview, das ein TV-Sender 1997 mit dem frisch aus dem Gefängnis entlassenen Sobhraj führt. Und diese Grundidee steht im Zentrum der ganzen Serie. Statt eine rasante Verbrecherjagd zu zeigen, inszeniert der erfahrene britische Serien-Regisseur Tom Shankland (Punisher, Ripper Street) Die Schlange als fast minutiöse Aufarbeitung der Morde von Sobhraj und erzählt parallel von Sobhrajs Verbrechen und der Jagd Knippenbergs nach dem Killer seiner Landsleute. Action wird hier klein geschrieben, stattdessen glänzt die Serie mit viel Charakterzeichnung, Atmosphäre und einem großartigen Cast.

Shankland und die Autoren interessieren sich viel mehr für den charismatischen Killer und seine komplizierten Beziehungen zu seinen Helfern und Begleitern als für brutale Szenen von Morden. Dennoch wird mehr als deutlich, was für ein eiskalter und überaus grausamer Verbrecher Sobhraj war. Das liegt zu einem gutem Teil an der herausragenden Darstellung des Charakters durch den französischen Schauspieler Tahar Rahim. Er spielt einen Mann ohne jegliche Moral gleichermaßen kühl und doch verbindlich, angsteinflößend aber irgendwie auch charmant. Und gibt so nicht nur einen Einblick in die Psyche des Killers, sondern erklärt auch seine Wirkung auf andere.

Die Schlange @Netflix

Der junge niederländische Diplomat Herman Knippenberg setzt sich schließlich auf die Spur des Killers.

Starke Hauptrolle

Ein wenig anstrengend ist dabei die nicht-chronologische Erzählweise der Serie, die aber dramaturgisch nachvollziehbar ist. Während der Zuschauer durch Zeitsprünge zwei Monate in die Zukunft bereits weiß, dass den beiden Niederländern wohl etwas zugestoßen ist, erfreuen sie sich in den Sprüngen zurück noch bester Gesundheit – sind für die Zuschauer aber bereits dem Tode geweiht. Dieser erzählerische Kniff macht einige der Szenen vor allem psychisch deutlich härter, als hätte Shankland die Story chronologisch erzählt. Durch die gleichzeitige Sicht auf die Verbrechen und die Jagd auf den Killer, die erst Monate später beginnt, entwickelt Die Schlange auch eine gute Dynamik.

Besonders gelungen fängt Shankland die 70er Jahre ein und kann auch, weil an Originalschauplätzen gedreht wurde, viele beeindruckende Bilder der Schönheit Asiens liefern, was in hartem Kontrast zu den Taten Sobhrajs steht. Wenn er nachts an einem Traumstrand darüber sinniert, warum er gleich eine junge Frau ertränken wird, macht Shankland die eigentlich wundervolle Kulisse zu einem Ort des Grauens. Dass dabei natürlich auch eine gewisse dramaturgische Freiheit mitschwingt, die Shankland und sein Team sich genommen haben, tut der Intensität solcher Momente in der Serie keinen Abbruch.

Die Schlange @Netflix

Mit Hilfe seiner Frau recherchiert der Botschaftsmitarbeiter Beweise gegen Sobhraj.

Dennoch hat auch Die Schlange ihre Makel. So erzählt Shankland zwar akribisch die Morde nach, die Sobhraj beging, aber sonderlich zügig geht das Ganze nicht voran. Netflix stellte vorab drei der acht Folgen zur Sichtung bereit und man fragt sich danach schon, ob die ganze Serie tatsächlich alle acht Folgen gebraucht hätte, um die Story zu erzählen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Ereignisse in sechs straffer erzählten Episoden möglicherweise noch intensiver geworden wären. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, Die Schlange ist ein starkes Stück Fernsehen, wie man es von der BBC gewohnt ist.

Fazit:

Mit Die Schlange erzählt die BBC-Mini-Serie, die jetzt bei Netflix zu sehen ist, die wahre Geschichte eines Serienkillers der 70er Jahre nach. Regisseur Tom Shankland fand mit Tahar Rahim nicht nur eine brillante Besetzung für den charismatischen Verbrecher, er dringt auf tief in die kalte Seele des Killers ein und zeigt auf, wie es zu den vielen Morden kommen konnte, ohne dass die Polizei aufmerksam wurde. Streiten lässt sich allerdings darüber, ob die Story wirklich acht Stunden Laufzeit benötigt hätte. Doch selbst, wenn sie ein wenig zu lang geraten ist, dürfte diese Mini-Serie vor allem Fans von True-Crime-Storys zusagen.

Die Schlange läuft ab dem 2. April 2021 bei Netflix.

Die Schlange @Netflix

Der ahnt noch nichts von Knippenberg und geht weiter seinen Geschäften nach.

Wertung

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