10 Dinge, die du über „Dinner for One“ wissen solltest!

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© NDR / Annemarie Aldag

Dinner for One

So fing alles an …

„Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“ ist nochmal deutlich älter als die vielen TV-Ausstrahlungen mutmaßen lassen: Der Sketch basiert auf einem Theaterskript von Lauri Wylie. Es lässt sich nicht mehr konkret zurückverfolgen, wann das Skript geschrieben wurde (manche Quellen sagen, dass es bereits in den 1920er-Jahren entstand), und auch das Datum der Uraufführung ist umstritten. Sowohl die Jahre 1945 als auch 1948 sind im Umlauf. Verbucht ist aber, dass Freddie Frinton Anfang der 1950er-Jahre sämtliche Rechte an diesem kurzen Stück erworben hat und daraufhin mit ihm durch Großbritannien tourte. 1962 sahen die deutsche TV-Legende Peter Frankenfeld und Regisseur Heinz Dunkhase eine Aufführung in Blackpool und beschlossen, es nach Deutschland zu holen.


Am 8. März 1963 wurde der Sketch daher in Frankenfelds Livesendung „Guten Abend, Peter Frankenfeld“ gezeigt, noch am 8. Juli 1963 erfolgte unter Leitung des NDR im Theater am Besenbinderhof in Hamburg vor Publikum eine erneute Aufzeichnung mit Freddie Frinton als Butler James und May Warden als die 90-Jährige Miss Sophie. Daraufhin wurde diese Fassung unregelmäßig im Ersten und im NDR gezeigt, und zwar als eine Art Lückenbüßer, wenn im TV-Programm mal rund 20 Minuten zu füllen waren. Erst 1972 wurde diese Version von „Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“ an Silvester gezeigt – und seither wird der Sketch jedes Silvester mehrmals im deutschen Fernsehen gezeigt. Schon 1988 bracht „Dinner for One“ daher den Rekord für die häufigsten Wiederholungen einer einzelnen Sendung – und dieser Rekord wurde „Dinner for One“ nicht mehr genommen.


Der Tigerkopf aus Dinner for One

Der Tiger

Das Tigerfell ist die vielleicht kultigste Stolperfalle in der Geschichte der TV-Sketche – und war ursprünglich gar nicht in dieser Funktion Teil des Ganzen: Bei der ursprünglichen Theateraufführung kam der gestreifte Vorleger bloß als Deko vor, nicht als Grundlage für einen Running Gag innerhalb von „Dinner for One“. Erst als Freddie Frinton eines Tages über die Requisite stolperte, kam er auf die Idee, den Sketch um James' Dauergestolper zu ergänzen. Für die NDR-Aufzeichnung hatte der Sender bereits ein Eisbärenfell platziert, doch Frinton bestand darauf, sein gewohntes Tigerfell zu nutzen. In der deutschen TV-Version des Sketches strauchelt Frinton alias James elf Mal über das Fell.

Same Procedure as Last Year

Ein jahrelanger Grammatikschreck

„Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“ ist zwar für viele Menschen ein unverzichtbares Silvestervergnügen, jedoch war die deutsche Ausstrahlung des Sketchs auch jahrzehntelang ein Grauen für Englischlehrer:innen. Denn in der ursprünglichen Fernsehfassung sagt Heinz Piper während seiner Einleitung, James würde Miss Sophie stets fragen: „Same procedure than last year?”, woraufhin sie antworten würde „Same procedure than every year!” Erst 1988 nahm sich der NDR den regelmäßigen Beschwerden ob dieses Patzers an: Man nahm die archivierte Tonspur aus einer fehlerlosen Probeaufnahme und legte sie über die betroffenen Stellen, so dass der Gastgeber nun korrekt ankündigt, dass James und Miss Sophie in den folgenden Minuten wiederholt „The same procedure as last year?” respektive „The same procedure as every year!” sagen werden.

Dinner for One: Ravensburger

© Ravensburger

Der Kult zum Nachspielen

„Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“ ist nicht nur ein großartiger Sketch, der mit jedem Anschauen immer lustiger wird. Es ist auch ein Partyspiel: Der Gesellschaftsspiel- und Puzzleverlag Ravensburger brachte zur Ehre des Alle-Jahre-wieder-zu-Silvester-Klassikers ein Gedächtnisspiel heraus. Zwei bis sieben Personen schlüpfen abwechselnd in die Rolle des Butlers James und müssen korrekt die Toasts auf Miss Sophie nachsprechen. Wer versagt, bekommt einen Strafpunkt in Form eines Schnapschips. Offiziell ist das Spiel ab zehn Jahren, doch wer den Schnapschip aus dem Spiel gegen echten Schnaps ersetzen will, sollte die Kids dann doch aus der Spielpartie lassen.


Dinner for One Schweiz

© SRF

Mehr als kosmetische Unterschiede

Nicht nur in Deutschland hat sich „Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“ zum Dauerrenner entwickelt: Auch das Schweizer Fernsehen ließ eine Variante drehen. Sie entstand im März 1963 im Studio Bellerive in Zürich. Die Besetzung ist gleich, auch hier schlüpfen Frinton und May Warden in die Rollen. Sie wurde 1963 erstmals gezeigt und danach erst 1982 wieder aus dem Archiv geholt. Der Sketch dauert in der Schweizer Variante nur elf Minuten statt 18, unter anderem, weil die Einleitung fehlt. Außerdem werden andere Kameraperspektiven genutzt, die Kulisse ist weniger prunkvoll und es fehlen sowohl die Tischdecke als auch der Kerzenständer. Zudem schlägt James nicht den Gong, um Miss Sophie in den Raum zu bitten. Darüber hinaus fehlen mehrere kleinere Gags und Miss Sophie ist anders charakterisiert: Während Wardens Spiel in der deutschen Version suggeriert, dass das „Dinner for One“ aus reiner Tradition ohne Gäste abgehalten wird, lässt sich die Schweizer Version so interpretieren, als wäre Miss Sophie dement und würde wirklich glauben, dass die (nur von James gespielten) Gäste anwesend sind.


Dinner for One in Farbe

Keine Farbe, bitte!

Der NDR ließ 1999 eine digital nachkolorisierte Fassung von „Dinner for One“ anfertigen – im Glauben, dass das Fernsehpublikum sie freudig empfangen wird. Schließlich ließ zu diesem Zeitpunkt schon längst die Publikumsakzeptanz für Schwarz-Weiß-Ausstrahlungen enorm nach. Doch der öffentlich-rechtliche Sender lernte auf harschem Weg, dass deutsche Fernsehende für „Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“ eine Ausnahme machen: Die Erstausstrahlung zum Jahreswechsel 1999/2000 wurde katastrophal aufgenommen, weshalb die Originalfassung der Standard blieb. Vereinzelte Wiederholungen der nachkolorisierten Fassung wurden dennoch auch in den Folgejahren im Programm der ARD-Sender versteckt und später wurde sie auch online verfügbar gemacht – wenngleich eher mit dem Status eines Kuriosums.

Der 90. Geburtstag

Gegenliebe? Fehlanzeige!

Auch wenn Deutschland Butler James ungeheuerlich liebt, so beruhte dies nicht auf Beidseitigkeit. James-Darsteller Freddie Frinton war Truppenbetreuer im Zweiten Weltkrieg und hatte daher nichts für Deutschland übrig. Zwar nahm er letztlich murrend das Angebot des deutschen Fernsehens an, allerdings bestand er darauf, dass der Sketch im Originalton durchgeführt und gesendet wird. Außerdem verlieh er seiner Rolle Macken, die sie bei früheren Aufführungen nicht hatte: Er fragt gequält, ob er Admiral von Schneider spielen muss („Must I?“) und ruft in seiner Rolle fälschlicherweise „Skol!“ statt „Prost!“


© GeoTrinity

© GeoTrinity

Zum Mittrinken und Mitessen

Falls du dein eigenes „Dinner for One“ gestalten willst: Das hier ist das Vier-Gänge-Menü aus dem Silvesterklassiker, währenddessen James ganze 18 Mal Hochprozentiges trinkt ...

1. Gang: Mulligatawny-Suppe und Sherry

2. Gang: Schellfisch und Weißwein

3. Gang: Huhn und Champagner

4. Gang: Obstsalat und Portwein


James und Miss Sophie

Nichts für Schweden?

In Schweden war „Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“ eine Zeit lang verboten: Der Sketch würde Alkoholkonsum auf grob fahrlässige Weise verherrlichen. Der Bann auf dem Klassiker galt bis 1969. Mittlerweile ist „Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“ aber auch in Schweden Kult, genauso wie in Finnland, Dänemark, Österreich, Australien, Südafrika, Estland und Luxemburg sowie auf den Färöern und, wie schon erwähnt, in der Schweiz. Auch Norwegen ist vom „Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“-Fieber ergriffen – dort läuft der Spaß jedoch üblicherweise am 23. Dezember.

Dinner for One

Spät zurückimportiert

Obwohl „Der 90. Geburtstag oder Dinner for One“ auf den britischen Bühnen geboren wurde, geriet der Sketch in seiner Heimat in Vergessenheit. Eine religiöse TV-Ausstrahlung war ihm nie vergönnt, erst am 31. August 2018 erhielt er erstmals einen Silvester-Programmplatz, und zwar auf Sky Arts. Die Resonanz des TV-Publikums war kühl.

Copyright der Bilder: Wenn nicht anders gekennzeichnet NDR / Annemarie Aldag

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