El Cid: Spaniens Nationalheld als Serie bei Amazon Prime

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Fast jedes europäische Land hat einen Helden, eine Sagenfigur oder historische Persönlichkeit, die mit geradezu mythischer Verehrung im Gedächtnis des Volkes gehalten wird. In Deutschland ist Arminius alias Hermann, der Cherusker so einer, weil er die Römer besiegt und so das weitere Vordringen deren Kultur verhindert hat. In England genießen große Seefahrer und Kriegshelden wie Francis Drake oder Horatio Nelson hohes Ansehen - in Spanien ist es der mittelalterliche Held und Ritter Rodrigo Diaz, der von den Mauren den Spitznamen El Cid (dt. der Herr) bekam, angeblich, wil er sich so ritterlich und tugendhaft verhielt. Ist dieser strahlende Held Stoff für eine gute Serie?

El Cid

Die Handlung

Als Junge muss Rodrigo, genannt Ruy (Jaime Lorente) mitansehen, wie sein Vater auf dem Schlachtfeld tödlich verwundet wird - vom eigenen König. Um ihn zu retten, nimmt ihn sein Großvater mit an den Hof, um ihn dort in den Kampfkünsten ausbilden zu lassen. Schnell erobert der junge Mann mit seiner Tapferkeit und seinem Geschick im Kampf, aber auch mit seinem aufrechten Charakter die Herzen seiner Ausbilder und Vorgesetzten, auch das des Kronprinzen Sancho (Francisco Ortiz). Der befördert ihn deshalb auch vom Pagen zum Knappen, um ihn so besser vor der Bosheit Ordunos (Pablo Alvarez) zu schützen, dem Sohn eines Grafen - und zukünftigem Gatten von Ruys großer Liebe Jimena (Lucia Guerrero).

Im Gegensatz zu seinem Großvater ahnt Ruy aber nichts von den vielen Intrigen am Königshof von Fernando dem Großen (Jose Luis Garcia Perez). Die Königin selbst, eigentlich rechtmäßige Erbin des Throns, plant den Umsturz des Monarchen, um mit dem Segen Roms zu regieren. Ihre Tochter Urraca (Alicia Sanz) sähe lieber ihren Bruder Alfonso auf dem Thron, während Sancho sicher ist, dass er das Reich erben wird. Als Ramiro, König von Aragon und Bruder des Königs, zu einem Besuch auftaucht, scheint die Stunde der Königsmörder gekommen zu sein. Doch Ruy entdeckt zufällig, dass der König ermordet werden soll und greift ein ...

El Cid urraca

Kurze Serie auf den Punkt

Ganze fünf Folgen lang ist die spanische Serie nur und so ist vom späteren Volkshelden El Cid recht wenig zu sehen, selbst der Ritterstand ist zu Beginn der Erzählung für Ruy noch in weiter Ferne. Wenn El Cid Erfolg haben sollte, ist also noch reichlich Stoff für weitere Staffeln vorhanden. Und das liegt durchaus im Bereich des Möglichen, denn was die Macher hier auf den Bildschirm bringen, kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen. Das beginnt bei so selbstverständlichen Dingen wie guten Kulissen, tollen Kostümen und blutigen Schlachten, geht aber noch weiter. El Cid ist von allen Beteiligten schlicht richtig gut gespielt - und das ist der Hauptgrund, warum Fans historischer Serien hier einschalten sollten.

Jaime Lorente, der den Titelhelden verkörpert, hat dabei als aufrechter Kerl noch am wenigsten zu tun, macht aber seine Sache als vor allem körperlich präsenter Kämpfer sehr gut. Spannender sind aber die Rollen, die sich in den fünf Folgen fast ausschließlich mit Intrigen beschäftigen. Und hier sticht besonders Alicia Sanz als Prinzessin hervor, die ihren Status als wenig beachtete Frau eiskalt ausnutzt, um andere in ihrem Sinne zu manipulieren. Starke Konkurrenz ist Jose Luis Garcia Perez als König Fernando, der als unter ständiger Bedrohung stehender Monarch ebenso grausam wie verletzlich sein darf - und diese Rolle problemlos meistert.

El Cid Königin und Count

Auf den Erfolgsspuren von Vikings und Barbaren

Dass El Cid ganz eindeutig auf die Erfolge von Formaten wie Vikings schielt, ist ebenso eindeutig, wie in Ordnung. Denn ganz offenkundig gibt es ein weltweites Publikum für diese Art der Geschichten, die Geschichte zu starken Serien machen. Und so gibt es auch bei El Cid reichlich Blut zu sehen, wenn es zur großen Schlacht um Zaragoza kommt, für heiße Sexszenen muss sich Ruy aber erst mit einer arabischen Prinzessin einlassen, die ein Auge auf den muskulösen Kriegshelden geworfen hat. Trotzdem: Die Schauwerte stimmen und die Story um das im elften Jahrhundert in zahlreiche kleine Königreiche zersplitterte Spanien ist ganz ohne Lehrauftrag unterwegs und setzt voll auf Unterhaltung. 

Ähnlich wie Barbaren (die Kritik dazu findet ihr hier ) beim Konkurrenten Netflix setzt El Cid auf ein großes Thema im eigenen Land und setzt das konsequent und ganz ähnlich um. So sprechen die Araber, die damals in Spanien lebten, miteinander Arabisch - ebenso wie in Barbaren die Römer Latein sprachen - und die Serie ist mit vielen spanischen Schauspielern besetzt, verzichtet völlig auf internationale Stars. Und wenn auch das Budget keine am Computer generierten Schlachten mit tausenden von Rittern auf dem Bildschirm erlaubt, so ziehen sich auch die Macher von El Cid - wieder ganz wie die Barbaren - sehr achtbar aus der Affäre und zeigen eine beeindruckende Schlachtsequenz in der vierten Episode.

Der Kern der Story dreht sich aber stets um die Intrigen, die aus diversen Ecken des Königreichs gesponnen werden,um an die Macht zu gelangen, unter welchen fadenscheinigen Begründungen auch immer. Dass die Serie dabei auch die Frauen der Serie in den Mittelpunkt rückt und ihnen so eine Rolle zugesteht, die sich historisch vermutlich nicht halten lässt, unterstreicht ein weiteres Mal den Anspruch zu unterhalten, statt korrekten Geschichtsunterricht zu geben. Natürlich hat die Serie mit ihren fünf Episoden nicht die erzählerische Kraft eines Game of Thrones und bedingt durch den historischen Kontext geht es auch eine ganze Ecke harmloser zu - das Potenzial zu mehr ist aber zweifelsohne da.

El Cid mit Schwert

Fazit:

Der ganz große Wurf ist den Machern von El Cid in ihrer ersten kurzen Staffel noch nicht gelungen, aber es sind schon jetzt ein paar spannende Ansätze zu sehen, die für zukünftige Staffeln eine Menge Zündstoff versprechen. Gute Schauspieler, interessante Geschichten und jede Menge Intrigen machen aus der spanischen Historien-Serie eine klare Empfehlung für Fans von Vikings, Barbaren oder The Last Kingdom

El Cid startet am 18. Dezember 2020 bei Amazon Prime.

Wertung

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