Equinox: Wie gut ist die neue Mystery-Serie bei Netflix?

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Ob Die Brücke, diverse Wallander-Verfilmungen oder auch Der junge Wallander , sowie zahlreiche andere Thriller und Krimis wie die Jussi Adler-Olsen-Verfilmungen des Sonderdezernats Q: Für den Rest der Welt steht Skandinavien in erster Linie für hochklassige Krimis und Thriller, die fast immer einen gesellschaftlichen oder sozialen Bezug haben. Mit anderen Genres tun sich die Nordländer hingegen schwer. So bekam die dänische Netflix-Serie The Rain zwar drei Staffeln, das Fan-Echo war aber eher gemischt. Dennoch hat unser nördlicher Nachbar mit Equinox eine zweite Chance erhalten, eine Mystery-Serie beim Streaming-Dienst zu etablieren. Machen sie es diesmal besser?

Equinox

Die Handlung

Astrid (Danica Curcic, Die Brücke, Schändung) moderiert eine Radiosendung auf der Insel Bornholm, wo auch ihr Ex-Mann und ihre kleine Tochter leben. Vor 20 Jahren verschwand Astrids große Schwester Ida (Karoline Hamm) auf ihrem Abi-Ausflug - und mit ihr fast ihre gesamte Klasse. Ein Anrufer in ihrer Sendung, der auf dieses Ereignis Bezug nimmt, rüttelt tief vergrabene Erinnerungen in Astrid wieder auf. Und bringt die junge Frau so dazu, die damaligen Geschehnisse nochmals neu aufzurollen. Der Anrufer, der sich als Idas damaliger Freund Jakob (August Carter) zu erkennen gibt, war einer von nur drei Schülern, die damals nicht verschwanden, die Polizei konnte ihm sowie Falke (Ask Truelsen) und Amelia (Fanny Bornedal) aber keine Beteiligung nachweisen.

Doch Astrid hatte in den Monaten nach Idas Verschwinden schreckliche Alpträume von einer anderen Welt, in der ein furchterregendes Wesen herrschte und die Schüler gefangen hielt. Ihre Mutter Lene hatte damals immer wieder versucht, Astrid im Traum dorthin zu schicken, um Ida zu finden, bis ihr Vater sie in eine psychiatrische Klinik einweisen ließ, um seiner Tochter zu helfen. Mit all diesen Dingen wird Astrid nun erneut konfrontiert, als sie sich auf die Suche nach Jakob und weiteren Zeitzeugen macht. Dabei macht sie erschreckende Entdeckungen und gerät immer tiefer in eine unheimliche Geschichte um einen uralten Kult, den es angeblich gar nicht mehr gibt ...

Equinox

Viele Vorbilder, dennoch etwas Eigenes

Die Serie Equinox basiert auf einem Podcast von Tea Lindeburg, die auch ein Drehbuch beisteuerte. Daher verbieten sich einige der Plagiatsvorwürfe von selbst, die der Serie unter Garantie begegnen werden. Denn von Hereditary und Midsommar über den Wicker Man oder Rosemarie's Baby sind hier etliche Motive zu finden, die der Zuschauer bereits kennt - aber nicht alle sind älter als der Podcast. Allerdings hebt sich Equinox von den meisten dieser Vorbilder schon allein dadurch ab, dass hier nicht nur Mystery draufsteht, sondern auch drin ist. Zwar gibt es durchaus unheimliche Momente, in Richtung Horror driftet die Serie aber nie ab, sondern bleibt eher spannend als gruselig.

Aus dem klassischen skandinavischen Genre - dem Krimi oder Thriller - hat sie hingegen deutlich mehr Anteile. Denn auch wenn das Publikum bald weiß, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, so bleiben doch nicht nur die genauen Zusammenhänge lange im Dunkeln, die Serie liefert auch genug mögliche Verdächtige, um die Handlung lange offen und spannend zu halten. Möglicherweise werden einige Krimi-Fans hier sogar einschalten und dann enttäuscht sein, dass Equinox doch keiner ist. Die übernatürlichen Andeutungen werden stetig mehr und das Ende ist hier auch sehr eindeutig - diese Story ist kein Krimi!

Equinox

Gute Story, gut erzählt

Zum Mitraten und Nachdenken regt Equinox trotzdem an. Denn gemeinsam mit Astrid macht sich der Zuschauer auf Spurensuche, holt gegenüber der Protagonistin aber bald einen Wissensvorsprung heraus, weil die Serie viele Rückblenden auf die Geschehnisse von damals zeigt, die einige Monate vor dem Verschwinden beginnen und erst ganz am Ende offenbaren, was wirklich in jener Nacht passiert ist. Aufmerksame Zuschauer können aber schon früh in der Serie Hinweise entdecken, die auf die Lösung deuten. Das ist aber kein Muss, um an Equinox seinen Spaß zu haben.

Zwar erfindet die Serie das Mystery-Rad nicht neu, liefert aber eine grundsolide und durchaus originelle Story ab, die nicht nur von europäischen Mythen und Legenden durchtränkt ist, sondern sein Pulver auch nicht zu früh verschießt und sein Publikum danach nur noch mühsam bei der Stange halten kann, wie beispielsweise die italienische Netflix-Produktion Curon. Zudem ist Equinox mit guten Schauspielern besetzt, die allesamt in ihren Rollen überzeugen. Allerdings tragen vor allem Danica Curcic und Karoline Hamm als Schwestern den Großteil der Handlung - und das tun sie jederzeit mitreißend - wenn man denn ruhige, auf Atmosphäre setzende Mystery mag.

Equinox

Denn sonderlich viel Action gibt es bei Equinox nicht zu sehen, stattdessen verlassen sich die Macher auf ihre kluge Erzählung, die auf jederzeit routiniert inszeniert ist. Vor allem die Ereignisse auf einer Insel, die in den Folgen 3 und 4 eine wichtige Rolle spielen, hüllen die Regisseure in gelungene Bilder, die am ehesten am Horror-Genre kratzen. Dennoch ist Equinox keine Serie für jeden, man muss sich auf die ruhige Art des Erzählens und die übernatürlichen Vorgänge schon einlassen. Wer hier nach einem Nachfolger von Spuk in Hill House sucht, wird eher nicht fündig. Equinox baut nicht auf Schockmomente und der zahme Grusel kommt langsam und subtil.

Fazit:

Equinox ist perfekt für Zuschauer, die eigentlich unheimliche oder rätselhafte Geschichten mögen, mit echtem Horror aber nichts anfangen können. Wer bei Akte X immer die besonders atmosphärischen und unblutigen Folgen mochte, wird auch bei dieser dänischen Netflix-Produktion fündig. Ein wenig zu lang ist die Story mit sechs Folgen zwar geraten, aber dafür ist sie gut gespielt und geschrieben, bietet viel Atmosphäre und traut sich, abseits der gängigen KIischees nach neuen Wegen für spannende Einarbeitung von Mythen und Legenden zu suchen. Zudem ist sie, trotz einiger weniger, offener Fragen, auch so abgeschlossen, dass man keine zweite Staffel braucht, um Equinox zu verstehen.

Equinox startet am 30. Dezember 2020 bei Netflix (sechs Folgen).

Equinox

Wertung

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