Darf ich oder darf ich nicht? Die Filmbewertung der FSK

 | Spiele.de
Springe zu...
TEILEN

Vielleicht kommt dir folgendes Szenario bekannt vor: Du stehst an der Kinokasse, möchtest ein Ticket für irgendeinen ultrabrutalen Horrorfilm mit FSK-18-Altersfreigabe lösen und wirst dann von der Person hinter dem Tresen darum gebeten, erst einmal deinen Ausweis vorzuzeigen. Wenn du bereits 18 Jahre oder älter bist, dann ist diese Aufforderung für dich vielleicht sogar ein Kompliment - offenbar siehst du jünger aus als du bist (oder der Kinomitarbeiter nimmt seinen Job einfach nur ernst!). Wenn du unter 18 bist, musst du dagegen jetzt den Rückzug antreten - oder dir stattdessen irgendeinen Disneyfilm anschauen, damit die Fahrt zum Kino nicht völlig umsonst war. Vielleicht hast du derartige Freigabeentscheidungen früher verteufelt; erst recht, wenn sie dir den ein oder anderen Kinobesuch verhagelt haben. Auch heute noch gibt es immer wieder Freigabeentscheidungen seitens der FSK, die Filmliebhaber nicht nachvollziehen können. Trotzdem - oder gerade deswegen - ist es spannend, sich einmal genau anzuschauen, wie die Institution FSK eigentlich funktioniert. 

FSK

Die FSK - Die freiwillige (?) Selbstkontrolle der Filmwirtschaft

Die Abkürzung FSK steht für "Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft". Aufmerksame Leser werden allerdings schon gemerkt haben: Mit der Freiwilligkeit ist das so eine Sache. Wer in Deutschland einen Film auf den Markt bringen möchte, der benötigt zweifelsohne ein von der FSK vergebenes Gütesiegel (siehe oben) in Form einer Altersfreigabe. Der Grund: Die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft - kurz: SPIO - hat sich dazu verpflichtet, ausschließlich geprüfte Filme zu veröffentlichen. Ein ungeprüfter Film darf demnach nicht beim Elektrohändler deines Vertrauens oder im Onlinehandel aufgeführt werden - ist somit für Interessenten nur über Umwege (häufig über das Ausland) zu kaufen. Bei einer Vorstellung im Kino sieht das allerdings ein wenig anders aus: Die FSK lässt auf ihrer Website verlauten:

""Keine Kennzeichnung" stellt aber kein Aufführungsverbot dar. Kinos können auf eigenes rechtliches Risiko den Film vorführen - allerdings nur vor Erwachsenen. Kommt ein Gericht – beispielsweise nach einer Anzeige - zur Auffassung, dass es sich um einen "schwer jugendgefährdenden Film" handelt, sind unter anderem Werbung und Ankündigung gesetzlich verboten und daher strafbar (Jugendschutzgesetz, § 15 Abs. 1)."

Dieses Risiko gehen viele Kinos allerdings nur sehr selten ein - etwa für Filmfestivals. Also dann doch lieber die FSK-Prüfung - und der muss sich hierzulande jedes Bewegtbildmedium unterziehen - vom Kinofilm über den Werbespot bis hin zum Filmtrailer. Als Rechtsgrundlage für die rund 250 ehrenamtlichen Prüfer fungieren § 14 Abs. 2 i. V. m. Abs. 6 des Jugendschutzgesetzes sowie die Grundsätze der FSK. Das Prüfungsgremium setzt sich aus Menschen zusammen, die wahlweise Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben, oder in den Bereichen Medienwissenschaft und Psychologie geschult sind. Eine Zugehörigkeit zur Medienindustrie ist ausgeschlossen, um eine Befangenheit bei der Entscheidungsfindung einzelner Freigaben zu verhindern. Übrigens: Auch Computerspiele und Konsolengames müssen vor ihrer Veröffentlichung geprüft werden. Dafür zuständig ist die USK, die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Die FSK - Wie Harry Potter die Freigaben verzauberte

Die FSK vergibt aktuell fünf verschiedene Altersfreigabesiegel - und verschandelt damit seit April 2003 die Cover zahlreicher DVDs und Blu-rays, die von ihrem Vertrieb nicht mit einem sogenannten Wendecover versehen werden, das es dem Inhaber ermöglicht, sich den Film ohne den unten links in der Ecke versehenen FSK-Flatschen ins Regal zu stellen. Neben den Altersfreigaben entscheidet das FSK-Gremium zudem über eine Feiertagsfreigabe. Filme, die dem Charakter sogenannter "stiller Feiertage" (u.a. Heiligabend, Karfreitag und Totensonntag) so sehr widersprechen, dass eine Verletzung des religiösen oder sittlichen Empfindens zu befürchten ist, werden nicht mit einer Feiertagsfreigabe versehen.

Die FSK vergibt ihr begehrtes Siegel mit der Freigabe "ab 0 Jahren" (ohne Altersbeschränkung), "ab 6 Jahren", "ab 12 Jahren", "ab 16 Jahren" und "ab 18 Jahren" (keine Jugendfreigabe). Die Bedeutung der Freigabe ist selbsterklärend: Erst wenn der Kunde das entsprechende Alter erreicht hat, darf er den Film im Kino ansehen oder den Film auf DVD/Blu-ray kaufen. Kinobetreiber und Elektromarktmitarbeiter sind dazu angehalten, das Kundenalter zu überprüfen. Seit im Jahr 2002 der Fantasyblockbuster "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" für eine Altersfreigabe ab 6 Jahren vom Studio Warner Bros. gekürzt werden musste, entschied sich die FSK im Nachgang für eine Aufweichung der starren Freigabe-Regel und gestattete fortan auch Zuschauern unter 12 Jahren den Kinobesuch eines Films mit ebenjener Altersfreigabe, sofern sie eine erwachsene Begleitperson mit ins Kino bringen. Diese seither bestehende Regelung ist auch unter dem Begriff "Harry-Potter-Regelung" bekannt. 

Romeos

Die FSK - Keine pädagogischen Empfehlungen

In der nunmehr über 90-jährigen Geschichte der FSK kam es zu einer ganzen Reihe an fragwürdigen Entscheidungen. So machte etwa 1993 die FSK-Freigabe ab 12 Jahren für den Dino-Blockbuster "Jurassic Park" Schlagzeilen. Viele Zuschauer befanden diese Bewertung als zu niedrig für den Steven-Spielberg-Klassiker. 2007 wurde derweil Til Schweigers romantische Komödie "KeinOhrHasen" nachträglich auf eine Freigabe ab 12 hochgestuft, nachdem sich Zuschauer über die besonders drastischen Dialoge bezüglich verschiedener Sexualpraktiken echauffierten. Manchmal sind es allerdings auch die vom Gremium abgegebenen Begründungen für eine Freigabe selbst, die für Unmut sorgen. So wie beispielsweise bei der Entscheidung, Sabine Bernardis "Romeos" (siehe Bild oben) erst ab 16 freizugeben. Die FSK erläuterte ihre Entscheidung, den Film über einen jungen Transgender nicht dem Antrag der Filmstiftung NRW zufolge bereits ab 12 freizugeben, wie folgt: Es handele sich bei der Transgender-Thematik um "ein schwieriges Thema, welches für die Jüngsten der beantragten Altersgruppe, die sich in diesem Alter in ihrer sexuellen Orientierungsphase befinden, sehr belastbar sein könnte“. Allen voran beim Deutschen Lesben- und Schwulenverband sorgte dieses Statement für nachvollziehbare Entrüstung, da "auch die wiederholte Darstellung von vermeintlich normaler Heterosexualität für heranwachsende homo- oder bisexuelle Menschen“ eine Belastung darstelle."

Laut der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft haben derartige Entscheidungen grundsätzlich nichts mit einer pädagigischen Empfehlung zu tun. Verleiht das Gremium einem Film ein FSK-6-Siegel, bedeutet das also nicht, dass dieser Film explizit für Zuschauer dieser Altersgruppe empfohlen wird (für so etwas gibt es beispielsweise die Filmbewertungsstelle Wiesbaden, die besonders gelungenen Produktionen die Prädikate "wertvoll" und "besonders wertvoll" verleiht), sondern nur, dass er die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit nicht beeinträchtigt. Dafür werden die Filme auf Themen wie Gewalt, Sexualität, Drogenkonsum und eine derbe Sprache hin untersucht und danach bewertet, welche Wirkung das Gezeigte - zum Bespiel Angst oder Aggressivität - auf Kinder und Jugendliche haben könnte. Das ist für die Prüfer natürlich nicht immer ganz einfach. Zudem haben sich die Sehgewohnheiten der Zuschauer mit den Jahren drastisch verändert, weshalb es zuletzt beispielsweise auch so viele Neuerscheinungen einst verbotener oder beschlagnahmter Filme auf DVD und Blu-ray gab. Insbesondere Filme mit einer hohen Altersfreigabe unterziehen sich häufig Neuprüfungen, um möglicherweise doch noch das begehrte FSK-Siegel zu erhalten. Aber da die FSK auch bei Themen wie Rassismus oder Verherrlichung des Nationalsozialismus ganz genau hinschaut, ist es doch gar nicht so schlecht, dass es dieses Gremium gibt...

Weiterlesen