Da war ja noch was: Diese zehn Filme hast du 2020 verpasst

The Personal History of David Copperfield | Spiele.de
The Personal History of David Copperfield © Entertainment One GmbH
Springe zu...
TEILEN

Die drei erfolgreichsten Kinofilme des Jahres 2020 sind hierzulande die Actionfilmfortsetzung "Bad Boys 3", Christopher Nolans Science-Fiction-Epos "Tenet" sowie Simon Verhoevens Nachtleben-Comedy "Nightlife". Doch für Filmliebhaber gab es nicht nur im Kino einige tolle Geheimtipps zu entdecken, sondern auch auf Amazon Prime, Netflix und Disney+. Wir von Spiele.de haben uns für euch durch die Kinostartlisten und Streamingdienste gewühlt, um euch zehn Filme vorzustellen, von denen ihr garantiert noch nicht gehört habt, die wir euch aber dringend ans Herz legen wollen. Denn auch im neuen Jahr haben wir wieder massig Zeit, Filme zu schauen und uns an der Vielfältigkeit des nationalen und internationalen Kinos zu erfreun.

The Assistant

Platz 10: The Assistant (erhältlich als DVD, Blu-ray und VOD)

Sie ist morgens die erste und abends die letzte: Jane arbeitet seit zwei Monaten als Assistentin eines mächtigen Medienmoguls in Hollywood. Sie möchte später selbst einmal Produzentin werden. Doch erst einmal muss sie Kaffee kochen, kopieren und Anrufe entgegen nehmen. Alles nur halb so schlimm, wäre da nicht das extrem toxische Umfeld, in dem sie ihren Job verrichten muss. Ihre Kollegen behandeln sie wie einen Fußabtreter und der Chef verlangt bei jedem noch so kleinen Faux-Pas eine persönliche Entschuldigung, sofern er sich nicht gerade mit jungen Frauen in Hotels trifft. Doch etwas dagegen unternehmen kann Jane nicht. Alle Versuche werden abgeblockt. Denn bevor sich Jemand an so Mächtigen wie ihren Boss herantraut, droht man ihr lieber selbst mit Kündigung. Ein Teufelskreis…

#MeToo: „The Assistant“ ist eine präzise beobachtende Studie über das Arbeiten in toxischer Atmosphäre, die enorm viel Aufschluss über die Machtverhältnisse hinter den Kulissen Hollywoods bietet. Auch ganz ohne das direkte Zeigen von Übergriffen. Hauptdarstellerin Julia Garner trägt den Film mit ihrer intensiven Performance mühelos auf ihren Schultern und sorgt dafür, dass man "The Assistant" so schnell nicht vergisst. 

Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden

Platz 9: Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden (erscheint 2021 auf DVD und Blu-ray)

Die Verlegerin Helga Pato wird während einer Zugfahrt von dem Psychiater Ángel Sanagustin angesprochen. Um die Zugfahrt etwas angenehmer zu gestalten, beginnt er, ihr seine Lebensgeschichte und insbesondere von seinem ungewöhnlichsten Fall zu erzählen: Die Geschichte des Patienten, der Soldat war: Im Krieg begegnete er einer Ärztin, die ein Kinderkrankenhaus unter den widrigsten Umständen erhalten möchte und dabei auf eine zwielichtige Gestalt stößt, die Verstörendes erblickt. Nach dem Matroschka-Prinzip wird Helga Pato in immer tiefere Schichten der Erzählung hineingezogen. Das zufällige Zusammentreffen mit dem Psychiater wird unwiderruflich die Zukunft der Verlegerin als auch die der Figuren aus den Geschichten bestimmen, die in einer Serie von unvorhersehbaren Ereignissen verwickelt sind, die sich Schicht für Schicht ineinander verweben, bis sie einen wahnsinnigen Höhepunkt erreichen.

Wer es etwas schräger mag (und über 18 ist!), der wird an dem spanischen Thriller "Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden" garantiert seine Freude haben. Der Episodenfilm erzählt nicht bloß einige schaurig-schöne Geschichten über skurrile Gestalten und ihre noch skurrileren Erlebnisse, sondern ist obendrein auch noch verdammt witzig. Die stärkste Episode in dem rund 100 Minuten langen Film seziert eine außergewöhnliche (und außergewöhnlich toxische) Beziehung zwischen Mann und Frau, die einen mit zunehmender Laufzeit mehr und mehr zermürbt. So amüsant uns die Filmemacher auch veranschaulichen, wie sich Geschichten verselbstständigen, so hartgesotten sollte man sein, um hier in die Untiefen der menschlichen Psyche abzutauchen. Eine echte Mutprobe!

I'm thinking of Ending Things

Platz 8: I'm thinking of Ending Things (erhältlich auf Netflix)

Trotz der Zweifel an ihrer Beziehung besucht eine junge Frau (Jessie Buckley) mit ihrem neuen Freund Jake die Farm seiner Eltern. Als ein Schneesturm den Aufenthalt zwangsläufig verlängert und sie Jakes Mutter und Vater näher kennenlernt, nimmt sie beunruhigende Dinge wahr. Weshalb hängt an der Wand von Jakes Elternhaus ein Kinderfoto von ihr? Wer versucht permanent, sie auf dem Smartphone zu erreichen, nur um ihr daraufhin kryptische Worte zuzuflüstern? Und wer sagt uns eigentlich, dass das, was wir um uns herum sehen, tatsächlich die Realität ist?

Ein Film zum mehrmaligen Entdecken – "Vergiss mein nicht"-Autor Charlie Kaufman legt mit seiner eigenwilligen Romaninterpretation „I’m thinking of Ending Things“ eine inszenatorische Wundertüte vor, in der Horror- und Musicalmotive gleichermaßen auftreten, es im Kern jedoch jederzeit um das Missverständnis der Liebe geht. Oder um das, was sich sonst noch so in den Film hineininterpretieren lässt. Kleiner Tipp: Nach dem Filmgenuss ein wenig im Internet recherchieren, worum es in dem Film wirklich geht. 

Vivarium

Platz 7: Vivarium: (erhätlich als DVD, Blu-ray und VOD)

Tom und Gemma sind auf der Suche nach dem perfekten Zuhause. Als der seltsame Immobilienmakler Martin dem Paar in Yonder, einer bizarren Vorstadtsiedlung mit lauter identischen Häusern und Straßen, das Haus Nummer 9 zeigt, wollen die beiden so schnell wie möglich diese unwirkliche Gegend wieder verlassen. Doch jede Straße, die sie in der labyrinthartigen Wohnsiedlung nehmen, führt sie genau wieder zu diesem Haus zurück. Bald merken sie, dass die Suche nach dem Traumhaus sie in einen schrecklichen Alptraum gestürzt hat, aus dem es wohl so schnell kein Erwachen gibt…

Mit „Vivarium“ gelingt Newcomer Lorcan Finnegan ein gleichermaßen beklemmendes wie ungemein unterhaltsames Szenario, das den Zuschauer die Idylle von der gleichgeschalteten Vorstadt mit Vater, Mutter und Kind noch einmal gründlich überdenken lässt. Das surrealistische, in reduzierter Kulisse gedrehte Meisterwerk interpretiert den Amerikanischen Traum neu und hat mit Jesse Eisenberg und Imogen Poots ein glorreiches Hauptdarsteller:innenpaar an Bord. 

Downhill

Platz 6: Downhill (erhältlich als VOD)

Für Pete und Billie Stanton und ihre beiden Jungs ist es der Skiurlaub ihres Lebens: eine Woche in den österreichischen Alpen. Da beide Elternteile in ihrem Job ordentlich gefordert werden, wollen sie nun für sieben Tage die Seele baumeln und den Alltag hinter sich lassen. Doch was als wunderbare Woche des Skifahrens und Zusammenseins geplant war, wird stattdessen zu einer Reihe unangenehmer und emotional belasteter Momente, in denen Pete und Billie auf eine Weise ehrlich mit sich selbst und untereinander sein müssen, wie sie es nicht erwartet hatten. Denn als zu Beginn der Reise eine kontrollierte Lawine über die Familie hereinbricht, reagiert Pete so gar nicht, wie es seine Familie eigentlich von ihm erwartet hätte…

Nat Faxon und Jim Rash übertragen Ruben Östlunds streitbares Ehedrama „Höhere Gewalt“ (war 2015 für den Golden Globe als "Bester fremdsprachiger Film" nominiert auf das Genre der bissigen Komödie und liefern damit nicht nur den wesentlich unterhaltsameren sondern vor allem den gelungeneren Film ab, da sie sich nicht mit einfachen Rollenklischees zufriedengeben und ihre Figuren zudem komplexer zeichnen. Man muss die Vorlage nicht kennen, um mit dem Remake etwas anzufangen. Das Grundszenario von der scheinbar harmonischen Familie, die durch eine Fast-Katastrophe auf den Prüfstand gestellt wird, ist zwar das Gleiche, der Ansatz dagegen ein völlig anderer. Vor allem die Hauptdarsteller:innen Will Ferrell und Julia Louis-Dreyfus machen als zankendes Ehepaar mächtig Spaß.

The Personal History of David Copperfield

Platz 5: The Personal History of David Copperfield (erscheint 2021 auf DVD und Blu-ray)

David Copperfield verbringt mit seiner verwitweten Mutter Clara eine glückliche Kindheit im viktorianischen England. Als er jedoch eines Tages von einem Besuch bei der Verwandtschaft der von ihm sehr geliebten Haushälterin Peggottyzurückkehrt, erfährt er, dass seine Mutter inzwischen Mr. Murdstone geheiratet hat. Dieser entpuppt sich schnell als gemein und grausam – und Davids Anwesenheit im Haus ist ihm offensichtlich ein Dorn im Auge. Schon bald wird David nach London geschickt, wo er in einer Flaschenfabrik einer harten und äußerst schlecht bezahlten Arbeit nachgehen muss. Jahre vergehen, David ist inzwischen ein junger Mann, als ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter erreicht. Zutiefst erschüttert flieht er aus der Fabrik zu seiner Tante Betsey Trotwood, die ihm gemeinsam mit ihrem äußerst exzentrischen Mitbewohner Mr. Dick wieder auf die Beine hilft. Doch Davids Reise ist noch lange nicht zu Ende, denn allerlei Begegnungen mit verschiedenen Menschen, die ihm nicht immer Gutes wollen, sorgen dafür, dass sein Leben gleich mehrmals durcheinandergewirbelt wird.

In "The Personal History of David Copperfield" - der übrigens rein gar nichts mit dem gleichnamigen Zauberer zu tun hat! - ist Jede Sekunde ein Ereignis: Der schottische Regisseur Armanso Iannucci erzählt eine charmante „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Story, in der es ihm gelingt, die von Charles Dickens einst als Jugenddrama konzipierte Vorlage in eine verspielte Komödie über einen Lebenskünstler zu machen. Das macht richtig viel Spaß und ist aufgrund der herausragend kreativen Inszenierung jederzeit spannend.

Der Fall Richard Jewell

Platz 4: Der Fall Richard Jewell (erhältlich als DVD, Blu-ray und VOD)

„Da ist eine Bombe im Centennial Park. Sie haben 30 Minuten.“ 1996 erfährt die Welt zum ersten Mal von dem Wachmann Richard Jewell, der berichtet, die Zündvorrichtung während eines Bombenanschlags auf ein Konzert in Atlanta gefunden zu haben – seine Schilderung macht ihn zum Helden, denn sein schnelles Handeln hat unzählige Leben gerettet. Aber nur wenige Tage später nimmt sein Leben eine komplette Wendung: Der Möchtegern-Gesetzeshüter wird zum Hauptverdächtigen des FBI, gleichermaßen diffamiert durch die Presse und die Öffentlichkeit. Unerschütterlich an seiner Unschuld festhaltend, sucht Jewell Hilfe bei dem unabhängigen Anti-Establishment-Anwalt Watson Bryant. Doch Bryant sieht sich der vereinten Gewalt von FBI, Georgia Bureau of Investigation und Atlanta Police Department nicht gewachsen, den Namen seines Klienten reinzuwaschen und Richard gleichzeitig davon abzuhalten, Menschen Vertrauen zu schenken, die ihn zerstören wollen.

Meisterregisseur Clint Eastwood hat sich für "Der Fall Richard Jewell" einen hochspannenden Justiz- und Presseskandal herausgesucht, den er in seinem True-Crime-Drama herausragend intensiv darstellt. Mit der Eastwood-typischen Prise Pathos liefert er somit eine unaufgeregte Studie einer medialen Hetzjagd ab, an deren Ende es keine Gewinner gibt. Großartige Hauptdarsteller und eine präzise Inszenierung können über kleine Schönheitsfehler wie etwa eine art klischeehaft gezeichnete Reporterinnenfigur hinwegtrösten.

Cortex

Platz 3: Cortex (erscheint 2021 auf DVD und Blu-ray)

Hagen träumt schlecht. Jede Nacht. Das geht nun schon so lange, dass er tagsüber kaum imstande ist, ein normales Leben zu führen. Auch seine Frau (Nadja Uhl) beobachtet besorgt den körperlichen und psychischen Verfall ihres Gatten, den sie langsam nicht mehr wiedererkennt. Als in Hagens Träumen plötzlich immer wieder ein junger Mann (Jannis Niewöhner) auftaucht, gerät sein Leben endgültig außer Kontrolle. Denn dieser Mann nährt Paranoia, die Hagen bislang ganz gut unterdrücken konnte. Und schon bald glaubt er nicht einmal mehr, dass der Mann, den er im Spiegel sieht, wirklich er selbst ist…

Für sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor hat Schauspiel-Superstar Moritz Bleibtreu groß gedacht. Mit seinem selbstbewusst inszenierten Thriller "Cortex" liefert er eine gehirnverdrehende Geschichte von berauschender Optik ab, für die er sich einer Thematik bedient, die man normalerweise eher aus dem Komödiengenre gewohnt ist. Gerne möchte man nach dem Schauen direkt wieder von vor anfangen, um sicherzugehen, dass man wirklich alle Puzzleteile an die richtige Stelle gesetzt hat. 

Palm Springs

Platz 2: Palm Springs (erscheint am 30. April 2021 auf DVD und Blu-ray)

Auf einer Destination Wedding im Urlaubsparadies Palm Springs trifft die genervte Trauzeugin Sarah auf den tiefenentspannten Nyles. Als er eines abends spontan eine rührende Familienansprache hält, trifft er genau ihren Nerv und die beiden verbringen einen schönen Abend miteinander. Doch als Sarah und Nyles wieder zur Hochzeitsgesellschaft zurückkehren wollen, kommt es zu einem verhängnisvollen Zwischenfall: Fortan ist Sarah in einer Zeitschleife gefangen – und erfährt von Nyles, dass dieser schon sein halbes Leben in ebendieser Zeitschleife verbringt. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass es für sie kein Entkommen gibt. Doch auf ihre anfängliche Resignation nimmt sich Sarah vor, das Beste aus ihrer Situation zu machen – und die Dinge schließlich selbst in die Hand zu nehmen…

Einer der lustigsten, cleversten und sympathischsten Filme der letzten Jahre lief 2020 auf dem Fantasy Filmfest – „Palm Springs“ hat das Potenzial eines Comedykultfilms, aus dem vielleicht irgendwann sogar mal ein Klassiker wird. Andy Samberg und Cristin Milioti spielen in dieser Zeitschleifenkomödie wunderbar herzlich auf und bestreiten einen Film im urlaubsreifen Setting, der sich einige Wendungen erlaubt, von denen man sich fragt, weshalb da bisher keine drauf kam. So viel gute Laune hat 2020 kein anderer Film gemacht!

Vergiftete Wahrheit

Platz 1: Vergiftete Wahrheit (erhältlich als VOD)

Cincinnati, 1998. Der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt Rob Bilott gerät in einen Zwiespalt, als ihn zwei Farmer auf merkwürdige Vorgänge in Parkersburg, West Virginia, aufmerksam machen, wo eine große Zahl von Kühen auf rätselhafte Weise verendet ist. Die Farmer vermuten dahinter den Chemiekonzern DuPont, für den Bilott selbst als Anwalt arbeitet. Trotz dieses Interessenskonflikts will der gewissenhafte Jurist den Fall vorbehaltlos aufklären und findet tatsächlich schnell belastende Indizien, die auf einen Umweltskandal von ungeheurem Ausmaß hindeuten. Unterstützt von seinem Boss Tom Terp (Tim Robbins) und seiner Frau Sarah stürzt sich Bilott aufopferungsvoll in eine langwierige Auseinandersetzung, die ihn seinen Ruf, seine Gesundheit, privates Glück und vielleicht sogar sein Leben kosten könnte…

Mit seinem gleichermaßen hervorragend gespielten und inszenierten Justizthriller „Vergiftete Wahrheit“ ist Regisseur Todd Haynes nicht weniger als der wichtigste Film des Jahres gelungen. Die Düsternis erinnert an die besten David-Fincher-Filme, die thematische Brisanz lässt den Wunsch aufkommen, "Vergiftete Wahrheit" möge hoffentlich rasch an Schulen gezeigt werden. Auch wenn es einem im Anbetracht der Ausmaße des Chemieskandals rund um den DuPont-Konzern die Kehle zuschnürt, sollte man diesen Film unbedint gesehen haben!

Weiterlesen