Greenland: Das Ende der Welt im Kino

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In den vergangenen Jahren hat der schottische Schauspieler Gerard Butler in Sachen Rollenauswahl nicht unbedingt ein glückliches Händchen bewiesen. Zu Beginn seiner Karriere eher der romantische Liebhaber, begann er später mit Macho-Rollen in Comedys und harten Actionfilmen um. Das hat den bald 51-jährigen Schotten in seiner Karriere allerdings nicht unbedingt nach vorne gebracht, die meisten Filme der vergangenen zehn Jahre blieben an der Kinokasse hinter den Erwartungen zurück. Mit Greenland zeigt Butler nun eine Seite von sich, die schon länger nicht mehr auf der Leinwand zu sehen war - die des Normalos. Kann er damit überzeugen?

Greenland

Die Handlung

Bauingenieur John Garrity (Gerard Butler) hat keine einfache Zeit. Durch einen Fehltritt scheint seine Ehe mit Allison (Morena Baccarin) vor dem Aus zu stehen, nur selten darf er eine Nacht im eigenen Haus verbringen, worunter auch Sohn Nathan (Roger Dale Floyd) leidet. Ein Gartenfest mit den Nachbarn soll zumindest den Schein wahren. Doch während John letzte Besorgungen macht, erhält er auf sein Smartphone eine befremdliche Nachricht der Regierung. Offenbar ist der vorbeiziehende Komet doch nicht so harmlos wie gedacht, denn John und seine Familie sollen sich auf einer Militär-Flugbasis einfinden und mit unbekanntem Ziel ausgeflogen werden.

Die Nachbarn sind erst belustigt, etwas später entsetzt und schließlich in nackter Panik. Als John und Allison sich mit Nathan auf den Weg machen, flehen ihre Freunde um Hilfe, doch John ist klar, dass er nichts für sie tun kann. Bald tritt das ganze Ausmaß der Katastrophe zutage: laut den Experten wird ein riesiges Stück des Kometen in wenigen Tagen in der Nähe Europas einschlagen - es hat die Ausmaße eines so genannten Planetenkillers, der alles Leben auf der Erde auslöschen wird. Der Flug zu einem unterirdischen Bunkersystem in Grönland ist die letzte Rettung für ausgewählte Menschen, die für einen Wiederaufbau gebraucht werden. Doch bei Ankunft der Garritys am Flughafen wartet eine böse Überraschung ...

Drama statt Action

Eine Katastrophe mit globalen Ausmaßen und Gerard Butler mittendrin - da dürften nicht wenige Filmfans eine weitere Version von Geostorm erwarten, den Roland Emmerichs langjähriger Partner Dean Devlin 2017 drehte - mit Butler in der Hauptrolle. Doch der Vergleich hinkt. Denn während der Schotte in Geostorm in leitender Position gegen die Katastrophe kämpfte und dabei fast Superkräfte an den Tag legte, ist er in Greenland ein ganz normaler Familienvater, der mit seiner Frau und seinem Sohn lediglich nach einer Chance aufs Überleben sucht. Das ist deutlich mehr Drama als Special-Effects-Orgie - und auch deutlich besser als der mäßige Geostorm.

Denn Gerard Butler kann tatsächlich schauspielern, wenn ihm ein Regisseur die Chance gibt mehr zu tun, als grimmig in die die Gegend zu starren. Interessanterweise ist der Regisseur hier Ric Roman Waugh, der Butler bereits in Angel has Fallen inszenierte - und dabei mehr auf Action als auf Schauspiel achtete. Hier macht er es besser, auch dank des soliden Drehbuches von Chris Sparling (Buried), der die dramatischen Aspekte des Szenarios in den Vordergrund stellt, statt sich auf die Zerstörung von Großstädten zu beschränken. So ist der Überlebenskampf, den Sparling allegorisch mit den Garritys erzählt, trotz einiger vorhersehbarer Wendungen durchgehend spannend.

Greenland

Der beste Butler seit Jahren

Und das liegt auch an Gerard Butler, dem man den treusorgenden Familienvater jederzeit abnimmt. Und dessen Odyssee mit und ohne seine Lieben so glaubwürdig gerät, dass ein böses Ende ähnlich wahrscheinlich wirkt wie ein Happy-End. Allerdings ist auch Morena Baccarin in ihrer Rolle als kämpfende Löwenmutter stark und Roger Dale Floyd geht dem Zuschauer als Sohn der Familie zumindest nicht auf die Nerven. Dazu sind einige kleine Rollen stark besetzt und gespielt und sorgen dafür, dass auch andere Figuren im Film als Menschen wirken, und nicht bloß als Opfer oder Schurken.

Natürlich kommt auch Greenland nicht ohne genretypische Klischees aus, doch Sparling und Waugh beschränken das auf ein erfreuliches Mindestmaß oder präsentieren Twists, die tatsächlich überraschen. So gibt es eine im ersten Moment vermeintlich ärgerlich dumme Szene mit einem verlorenen Gegenstand, die den erfahrenen Kinogänger innerlich aufjaulen lässt. Nur um wenig später auf eine völlig andere Art aufgelöst zu werden, die wohl kaum jemand kommen sieht. Die Stärken des Films liegen darin, dass die Familie von glaubhaften Schicksalsschlägen und Ereignissen getroffen wird, die vor allem Eltern garantiert schmerzlich gut nachfühlen können.

Das alles macht Butler natürlich noch nicht zum Oscar-Kandidaten und den Film nicht zum unverzichtbaren Kino-Event. Aber Greenland macht vieles richtig und überrascht immer wieder mit emotionalen Momenten, die das Publikum in einem Gerard Butler-Film nicht unbedingt erwarten würde. Lediglich die Effekte-Abteilung kann mit einem Emmerich-Film nicht ganz mithalten. Das stört hier allerdings kaum.

Greenland

Fazit:

Greenland ist ein überraschend guter Beitrag zum Genre des Katastrophenfilms, der sich und seine Figuren ernst nimmt und den Zuschauer so auf einen emotionalen Ritt mitnimmt, den man in Filmen wie San Andreas oder 2012 schmerzlich vermisst. Statt großer Zerstörungsorgien erzählt Regisseur Waugh hier eine Geschichte vom Überleben in harten Zeiten. Und stellt eine nicht klischeefreie, aber dennoch tief sympathische Familie ins Zentrum der Erzählung. Butler und Baccarin danken es ihm mit starken Auftritten.

Greenland startet am 22. Oktober 2020 in den deutschen Kinos.

Wertung

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