Grusel, Blut und herzliche Lacher: Das Fantasy Filmfest 2020 steht an

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Die Pandemie hat den Kinosommer verhindert und unzählige Festivals unmöglich gemacht. Aber zum Glück legt der Herbst 2020 mit einem echten Knaller nach – dem Fantasy Filmfest! Seit 1987 bietet das „FFF“ Jahr für Jahr eine wilde Mischung aus allem, was fantasievoll, mutig, schräg, anders, knallig oder makaber ist. Diese unvergleichliche Filmwundertüte umfasst denkwürdige Debütfilme, extremen Horror, Werke von internationalen Regiemeistern, die in Deutschland nicht genug gewürdigt werden, und oftmals auch Geniestreiche, die später zum Mainstream werden sollten. Das Fantasy Filmfest brachte unter anderem schon „Das Schweigen der Lämmer“, „Blair Witch Project“, „Pulp Fiction“ und „Scream“ nach Deutschland – bevor das Publikum wusste, welche Phänomene es damit besonders früh erleben darf.

Seit vielen Jahren ist das Fantasy Filmfest zudem Deutschlands dezentralisiertes Filmfestival: Denn im Gegensatz zu „normalen“ Filmfestivals findet das „FFF“ in mehreren Städten statt – Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Nürnberg und Stuttgart, um genauer zu sein. Das ist wahrlich konsequent – seine Mission, etwas abseitige Filme zugänglich zu machen, kann das Team des „FFF“ so deutlich effizienter erfüllen, als wenn das Festival in nur einer dieser Städte Halt machen würde.

Beim Fantasy Filmfest 2020 stehen insgesamt 21 Filme auf dem Programm. Das ist zwar weniger als gewohnt, aber das ist in diesem ungewöhnlichen Jahr nur ein kleiner Wermutstropfen. Darüber, dass das Fantasy Filmfest diesen Herbst in gestutzter Form stattfindet, sagt uns Festival Co-Director Artur Brzozowski: „Wir sind sehr stolz trotz der widrigen Zeiten einen wertvollen und qualitativen Program auf die Beine gestellt zu haben. Unsere anfängliche Ängste keine gute Filme für dieses Jahr bekommen zu können waren unnötig wir hätten auch ein Programm mit 50 guten Filmen aufstellen können.“ Er führt fort: „Als nicht subventioniertes Festival, müssen wir sehr wirtschaftlich arbeiten und dem Risiko aus dem Weg gehen. Deswegen haben wir uns entschieden eine verkürzte Version des Festivals dieses Jahr zu organisieren“

Und auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass dieses Mal der nächste „Pulp Fiction“ dabei sein wird, so ist das Line-up rappelvoll mit Kleinoden, von optimistisch-gewitzt über irrwitzig-intellektuell bis garstig und schaurig. Unter anderem ermöglicht das Fantasy Filmfest seinem Publikum das, was Millionen von US-Amerikanern verwehrt blieb:

© Leonine

Eine Hochzeit mit wilden Folgen

Als Eröffnungsfilm wird nämlich die überaus kreative Romantikkomödie „Palm Springs“ gezeigt, die in den USA auf dem Streamingdienst Hulu sämtliche Abrufrekorde gebrochen hat. Was auf der anderen Seite des Teichs schon auf dem kleinen Bildschirm für Begeisterung sorgte, wird auf der großen Leinwand beim Fantasy Filmfest garantiert ein Publikumsrenner – denn „Brooklyn Nine-Nine“-Star Andy Samberg und „How I Met Your Mother“-Mutter Cristin Milioti spielen in dieser Hochzeitschaoskomödie selbstredend auf fantastische Art und Weise mit den Genreregeln. Sonst wäre „Palm Springs“ ja wohl kein „FFF“-Film! Oder wie Artur Brzozowski den Film kommentiert: „Es ist ein perfekter Film für die aktuelle Zeit, er lässt uns alles vergessen und bringt die Magie des Kinos auf die Leinwand.“

So farbenfroh und munter „Palm Springs“ ist, so düster und grenzüberschreitend ist „Possessor“, das andere Extrem auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest. Inszeniert von Brandon Cronenberg, dem Sohn des „Videodrome“-Regisseurs David Cronenberg, handelt „Possessor“ von einer Auftragskillerin (Andrea Riseborough, „Nocturnal Animals“), die dank einer neuartigen Technologie von Körper und Geist der Menschen Besitz ergreifen kann, die sie töten soll. Also zerstört sie ihre Opfer von innen ... Klingt so niedergeschrieben zumindest für Horrorfans noch nicht allzu besonders – aber die US-Pressestimmen sind sich einig: „Possessor“ ist ein höllisch harter, derber Trip.

In Sachen Skurrilität liegt dagegen Filmemacher und Musiker Quentin Dupieux (alias Mr. Oizo) ganz vorne: In der Komödie „Mandibules“ geht es um zwei Freunde, die eine überdimensionale Fliege als Haustier halten. Bei den Filmfestspielen von Venedig sorgte der schräge Mindscrew-Streifen schon für großen Kritikerjubel – und dank dem „FFF“ läuft er schon bald in Deutschland.

Das Fantasy Filmfest 2020 steigt in Berlin vom 9. bis zum 13. September 2020 im Kino in der Kulturbrauerei und parallel dazu in Frankfurt am Main in der Harmonie. Hamburg legt vom 16. bis zum 20. September im Savoy Filmtheater nach, München parallel dazu im Cinema. Nürnberg teilt sich die Termine mit München und Hamburg – Spielstätte ist das Cinecitta. Köln und Stuttgart schließen die Tour ab, und zwar vom 23. bis zum 27. September im Residenz (Köln) beziehungsweise im Metropol (Stuttgart). In dem Sinne: Let your (film) freak flag fly!

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