Harte Kerle: The Outpost jetzt im Kino

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Heroisches Sterben und unbeirrter Heldenmut angesichts einer Übermacht: Nicht immer sind Kriegsfilme so realistisch, wie sie sie gern wären. Zahlreiche Versuche aus den USA zeigen die Supermacht entweder als beste Kämpfer unter der Sonne oder selbstlose Soldaten, die ohne zu zögern für ihr Land sterben. Weniger verbreitet sind hingegen Dramen, die auch den Menschen hinter der Waffe ausloten. Und denen es gelingt, neben Explosionen und Maschinengewehr-Feuer auch leisere Töne erklingen zu lassen. Zu welcher Kategorie gehört The Outpost, der auf wahren Ereignissen während des Afghanistan-Einsatzes der US-Armee im Jahr 2009 basiert?

Die Handlung

Das Camp nahe der pakistanischen Grenze ist eigentlich ein Witz. Das sieht auch Sergeant Clint Romesha (Scott Eastwood) so, als er mit seinen Männern dort ankommt. Denn es liegt am Fuß mehrerer Bergketten und kann somit von drei Seiten aus erhöhter Position attackiert werden - ein schlechterer Platz lässt sich kaum finden. Und doch befiehlt die Armee Captain Keating (Orlando Bloom), dem Befehlshaber dort, das Lager zu halten. Mit gut 50 Soldaten unter seinem Kommando versucht Keating, so gut es geht, den Frieden mit den Einheimischen aus den umliegenden Dörfern zu erhalten. Doch immer wieder warnt ein Dolmetscher vor nahenden Taliban. So oft, dass ihm schließlich niemand mehr zuhört.

Ein Fehler, wie sich herausstellt. Denn am 3. Oktober 2009 früh morgens überfällt eine gewaltige Übermacht das Lager und feuert aus allen Rohren. Die Soldaten, darunter auch der junge Ty Carter (Caleb Landry Jones), wissen kaum, wie ihnen geschieht und haben Mühe, den Gegner überhaupt zu lokalisieren, da die Schüsse von allen Seiten kommen. Carter hat dazu noch den schlimmsten Job, den man sich vostellen kann: Er muss die MG-Nester und Panzerfahrzeuge mit Munitionsnachschub versorgen und somit ständig durch den Kugelhagel sprinten. Und die angeforderte Luftunterstützung braucht fast eine Stunde zum Lager. Romesha ist nicht sicher, dass die Männer dann noch leben ... 

Kein reines Helden-Epos

Regisseur Rod Lurie, dessen bekanntestes Werk der 2001 gedrehte "Die letzte Festung" mit Robert Redfors sein dürfte, verfilmt mit The Outpost ein Sachbuch über den Vorfall und zeigt dabei die Ereignisse ausschließlich aus denBlickwinkeln der im Lager stationierten US-Soldaten. Zwar kommen EInheimische vor, mit denen Keating über Frieden und Unterstützung verhandelt, die Talbin aber bleiben eine namen- und gesichtlose Masse, über deren Motive - und deren Sterben - sich der Film keine Gedanken macht. Wer also eine ausgewogen erzälhte Story sucht, ist hier falsch. Wer allerdings nach kugelsicheren US-Superhelden sucht, die frein von Angst ihre Gegner niedermetzeln, wird auch nicht fündig.

Denn Lurie fängt den Alltag der GIs überraschend gut und komplex ein. Die ständige Angst, beschossen zu werden, kompensieren die Männer in Form von Testosteron-geschwängerten Gesprächen und Frotzeleien, während ihnen im Telefonat mit den Lieben daheim fast die Tränen kommen. Bevor in der zweiten Stunde des Films komplett die Waffen sprechen, lässt Lurie die Gesichter seiner Protagonisten von der allgegenwärtigen Bedrohung erzählen, der sie ausgesetzt sind. Bezeichnenderweise ist es Scott Eastwood, der nicht nur einen Soldaten namens Clint spielt, sondern auch am ehesten den stereotypen Helden gibt, den sein Vater in den 70ern verkörperte. Er bleibt der einzige.

The Outpost

Gebrochene Männer und tote Freunde

Caleb Henry Jones hingegen ist es, der den interessanteren Charakter spielt. Sein gelegentlich aufmüpfiger und Befehlen gegenüber eher resistenter Ty Carter wird zur tragisch-heldenhaften Figur des Films und der Schauspieler darf dabei eine umfassende Bandbreite seines Könnens zeigen. Er ist es auch, neben dem Lurie seinen Kameramann am häufigsten durchs Lager hetzt und der Carter dabei umrundet wie ein Schwarm Hornissen. Ein guter Teil der fesselnden Action, die ohne ganz große Brutalitäten auskommt, ist denn auch dem quirligen Lorenzo Senatore zu verdanken, der den Taliban-Überfall auf das Lager, das die Soldaten bezeichnenderweise Alamo nennen, in packende Bilder kleidet.

Dass Lurie dabei zwar Fragen nach der SInnhaftlgkeit des Lagers stelt, aber keine nach der Sinnhaftigkeit des ganzen Krieges, kann man dem Film vorwerfen, wenn man will. Doch letztlich scheint der Regisseur wesentlich mehr an den einzelnen Schicksalen der Soldaten interessiert als am großen Ganzen. Und das macht auch die vergleichsweise ruhige, erste Stunde des Films interessant. Einziges Manko dabei: In seinem Bemühen, möglichst viele der 53 Männer des Lagers im Film unterzubringen, übertreibt es Lurie eindeutig. In den ersten Minuten schwirren so viele Namen durchs Bild, dass nur ein Gedächtniskünstler alle behalten könnte. Hier wäre ein stärkerer Fokus wohl die bessere Wahl gewesen.

Stark hingegen ist das Ende. Während bei anderen Filmen nach wahren Geschichten Videos und Fotos der echten Personen oft einen Fremdschäm-Refelx auslösen, gehen die Interviews mit den Überlebenden des Überfalls unter die Haut. Denn sie haben die Ereignisse auch mehr als zehn Jahre danach noch immer nicht gänzlich verdaut. Ob dagegen die Informationen, wer welchen Orden dafür erhalten hat, der Geschichte dienen, darf getrost bezweifelt werden.

The Outpost

Fazit:

The Outpost ist ein Kriegsfilm, der seine Story deutlich facettenreicher und emotionaler erzählt, als das martialische Plakat erwarten lässt. Gerde weil sich Regisseur Rod Lurie nicht um das große Ganze schert, sondern seine wahre Geschichte konsequent aus der Sicht der Soldaten erzählt, die sie erlebt haben, gelingt ihm ein Film weitab der typischen Helden-Epen vom tapferen, harten Kerl, der seine Feinde niedermäht. Das macht The Outpost sicher noch nicht zum Antikriegs-Film. Aber zumindest zu einem Werk, das weder an Kritik an der US-Taktik spart, noch das Sterben in irgendeiner Weise heroisiert oder schönredet. Wer seine Action ein wenig differenzierter mag, ist hier richtig. 

Wertung

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