Hausen: Wie gut ist die deutsche Horror-Serie von Sky?

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Horrorfans in Deutschland bekommen ihr Lieblings-Genre aus heimatlicher Produktion seltener zu sehen, als sie Geburtstag feiern. Nur alle Jubeljahre traut sich ein deutsches Studio an das Genre heran - und das Ergebnis verschwindet meist schnell in der Versenkung. Umso löblicher, dass Sky nicht nur einen Film, sondern mit Hausen gleich eine ganze Serie in Auftrag gab, die sich eindeutig ans Horror- und Thrillerpublikum richtet. Und die mit Thomas Stuber auch noch einem Regisseur anvertraute, der bereits großartige Milieufilme gedreht hat, mit Horror bislang aber noch nie in Berührung kam. Das ließ auf frischen Wind hoffen - ist es so gekommen?

Hausen Charly Hübner

Die Handlung

Yuri (Tristan Goebel, Der Goldene Handschuh, Tschick) und sein Vater Jaschek (Charlie Hübner, Unterleuten) ziehen nach einer Tragödie in einen heruntergekommenen Plattenbau irgendwo am Stadtrand, in dem Jaschek als neuer Hausmeister einen Job gefunden hat. Schon bei der Ankunft trifft Yuri auf einen unheimlichen Obdachlosen (Alexander Scheer, Gundermann), der ihm zwar ordentlich Angst einjagt, dem Jungen aber auch ein Geschenk macht - einen seltsamen schwarzen Stein. Und das ist nicht die letzte merkwürdige Begegnung, die der 16-jährige in seinem neuen Zuhause haben wird.

Während Jaschek sofort seine Arbeit aufnimmt und sich so von seiner Trauer ablenkt, erkundet Yuri den riesigen maroden Bau und gerät nicht nur an eine Bande von Drogendealern, sondern trifft auch auf einen kleinen Jungen, der offenbar allein durch das Haus streift. Währendessen erlebt ein Junkie-Paar aus dem Haus einen wahren Alptraum: Ihr noch namenloses Neugeborenes verschwindet spurlos. Liegt es an den merkwürdigen Drogen, die der Vater regelmäßig nimmt und die ihm häufig einen Filmriss bescheren? Oder hat der schwarze Schleim damit zu tun, den Jaschek und Yuri fast überall im Plattenbau bemerken? Denn der wirkt wie ein lebendiges Wesen, das einen Plan verfolgt ...

Hausen Yuri und Freunde

Unheilvolle Atmosphäre

Das Gute zuerst: Thomas Stuber hat seiner Serie einen grandiosen Look verliehen. Selbst am Tag wirkt es im Haus, als sei noch immer finstere Nacht, das kalte Neon-Licht taucht alles in Schwermut und Agonie und der schwarze Schleim, der scheinbar überall auftauchen kann, ist ebenfalls gekonnt in Szene und wirkt fast wie ein eigener Darsteller. Dazu wird der Plattenbau ständig von Wolken und Nebel umschlossen, als gehöre dieser Teil der Stadt nicht zu realen Welt, sondern läge irgendwo in einem verwunschenen Wald. Eine derart hoffnungslose Stimmung wie hier gab es lange nicht zu sehen. Gute Voraussetzungen für Horror also. 

Dazu holten sich die Serienmacher ein edles Ensemble vor die Kamera, das sowohl in Kino und TV als auch auf Theaterbühnen zuhause ist. Charly Hübner spielt den zutiefst verletzten Vater, der nicht nur mit den eigenen Gefühlen zu kämpfen hat, sondern auch immer tiefer in einen Konflikt mit seinem Sohn rutscht, gewohnt stark. Tristan Goebel agiert mit minimalem Spiel ähnlich gut und steht schnell im Zentrum des Geschehens, wenn das Haus nach seiner Seele greift. Und Alexander Scheer, ebenfalls ein gefeierter Theater-Star könnte auch mehr überzeugen, wäre seine Rolle nicht so derart flach geschrieben. Und damit fangen dann die Probleme von Hausen auch an.

Hausen David Sträßer

Gute Ideen, mäßige Umsetzung

Denn das Drehbuch macht aus vielen guten Ansätzen einfach zu wenig. So ist die Grundidee, den Plattenbau als ein Auffanglager für die von der Gesellschaft Vergessenen zum perfekten Ziel für das verschlingende Böse zu machen, da niemand diese Menschen vermissen würde, ein starker Start. Im Verlauf der Serie spielt dieser Umstand dann aber eine viel zu kleine Rolle, um seine Relevanz zu behalten. Zudem bedient sich Stuber schlicht zu vieler Klischees, um aus den Bewohnern des Blocks mehr zu machen als reine Stichwortgeber. Hier lässt Hausen eine Menge Möglichkeiten, aus dem Horror auch ein ergreifendes Drama zu machen, leider liegen.

Regelrecht ärgerlich ist die Redundanz, mit der die Serie immer wieder Unheil verkündenden schwarzen Schleim aus Lüftungsschlitzen, Rissen in der Wand oder Rohren tropfen lässt. Spätestens nach dem zehnten Mal dürfte es jeder Zuschauer verstanden haben, dennoch inszeniert Stuber es immer wieder als Element des Horrors - das dann schlicht nicht mehr greift. Und jemanden wie Alexander Scheer als verwahrlosten Hohepriester des Bösen mit irrem Gelächter zu zeigen, ist eine Verschwendung von Talent, die schmerzt. Scheer hätte mit Sicherheit einen wirklich furchterregenden Charakter spielen können, wären die Drehbuchautoren etwas subtiler vorgegangen. So wirkt es in manchen Szenen fast albern.

Dabei ist der Start noch vielversprechend. Die beiden ersten Folgen, die Sky auch vorab in ausgewählten Kinos zeigte, bauen sowohl eine unangenehme Atmosphäre als auch Neugier auf das Böse im Haus auf - und enden auch mit einem fiesen Moment. Doch spätere Episoden vermögen es nicht, diesen guten Anfang noch zu steigern und erzählen letztlich immer wieder ganz ähnliche Geschichten. Der Spannungsbogen funktioniert bei Hausen nicht so, wie er sollte, um dem Publikum wirklich Angst zu machen. Und so bleibt die Serie in mancherlei Hinsicht zwar interessant, verfehlt aber ihren eigentlichen Zweck von Folge zu Folge mehr.

Hausen schwarzer Schleim

Fazit:

Schade! Hausen hatte das Zeug dazu, nicht nur eine richtig gute Serie zu werden, sondern auch das in Deutschland stiefmütterlich behandelte Genre des Horrors zu neuem Ansehen zu verhelfen. Doch zu viele gute Ansätze werden hier nicht zu einem starken Ende gebracht, zu viele Klischees im Drehbuch verhindern echtes Drama und manch eigentlich starker Schauspieler darf sein Potenzial kaum zeigen. Regisseur Thomas Stuber gelingt immerhin eine durchgehend gelungene Atmosphäre und auch eine Handvoll wirklich starker Szenen. Für ein echtes Highlight reicht es aber nicht.

Hausen läuft zwischen dem 29. Oktober und dem 1. November bei Sky Atlantic in Doppelfolgen und ist auf Sky Ticket komplett im Stream zu sehen.

Wertung

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