Helstrom: Marvels erste Horror-Serie jetzt bei Disney+

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Die Serienhelden Ana und Daimon Helstrom sind so etwas wie ungeliebte Kinder. Gleiches gilt für ihre Serie. Schon einige Jahre tobte hinter den Kulissen der Streit zwischen Kevin Feige, Chef der Marvel Studios, und Jeph Loeb, Verantwortlicher für Marvels TV-Serien. Feige war nie ein Fan der Serien, die eng mit seinem MCU verknüpft waren. Als Feige im Oktober 2019 zum Boss aller Marvel-Themen bei Disney wurde, verließ Loeb die Firma. Und dessen letzte Entscheidung, Helstrom für Hulu zu produzieren, konnte Feige zwar nicht mehr einkassieren, da die Serie bereits gedreht wurde, ließ sie aber nach einer Staffel einstellen. Ist Helstrom ein Opfer von Zuständigkeiten – oder einfach nicht besonders gut?

Helstrom Daimon

Die Handlung

Daimon Helstrom (Tom Austen) hat eine besondere Gabe: Er kann dämonische Präsenzen aus menschlichen Körpern verbannen, also einen Exorzismus vornehmen. Der hat allerdings, wie er selber sagt, nichts mit Kruzifixen oder Weihwasser zu tun, sondern ist schlicht der Kampf mit bösen Wesen von einer anderen Ebene. Seine Schwester Ana (Sydney Lemmon) hat ebenfalls psychische Fähigkeiten, die sie seit Jahren gegen böse Mächte einsetzt. Die Geschwister haben sich allerdings lange nicht gesehen. Das ändert sich, als ihre Mutter Victoria (Elizabeth Marvel) wieder aktiv wird. Die Frau sitzt schon lange in einer Hochsicherheits-Anstalt – und trägt einen Dämon in sich, der sich Mother nennt.

Der hat einige Pfleger unter Kontrolle gebracht und sie ausgesendet, um eine besonders böse und mächtige Macht aus einem Grab zu befreien. Obwohl sich Daimon und Ana nicht sonderlich gut verstehen, müssen sie sich zusammenraufen, um der Bedrohung zu begegnen, die für die ganze Menschheit gefährlich werden könnte. Daimon gerät dabei in Kontakt mit der angehenden Nonne Gabriella (Ariana Guerra), die mit dem ruppigen und abweisenden Mann zunächst allerdings wenig anfangen kann. Einzelkämpferin Ana versucht hingegen, die Überreste an der Fundstelle der Pfleger zu analysieren, um dem Bösen auf die Spur zu kommen. Mit üblen Folgen ...

Helstrom Ana

Geplanter Auftakt eines Dark-Marvel-Universums

Adventure into Fear – Abenteuer in die Angst – war der Name des Projekts, das Hulu in Zusammenarbeit mit Jeph Loeb beginnen wollte – mit Helstrom als erstes Zugpferd, nachdem eine mögliche Ghost Rider-Serie schnell abgesagt wurde. Bekanntermaßen wurde daraus nichts, weil nun Feige alle Zügel in der Hand hält und in Sachen Horror durch die Ankündigung eines neuen Blade-Films offenkundig eigene Pläne verfolgt. Möglichst wenig Berührungspunkte mit Marvel einzubauen, diese Prämisse galt aber schon beim Dreh. Denn wer nicht weiß, dass Daimon alias Son of Satan zum Marvel-Comic-Universum gehört, würde es in dieser Serie garantiert nicht merken.

Showrunner und Autor Paul Zbyszewski verriet nach Drehende, dass es keine Easter Eggs zum MCU gibt, sondern nur ein paar in Richtung Adventure Into Fear, die sich nun erledigt haben. Und Disney+ in Deutschland gab sich ebenfalls keine Mühe damit, Helstrom als neue Marvel-Serie anzukündigen oder sie in der Werbung sonderlich in den Mittelpunkt zu rücken. Ein Schicksal, das die Serie, auch wenn sie sicher mit High-End-Produkten wie Wandavision nicht konkurrieren kann, absolut nicht verdient hat. Denn die Abenteuer von Ana und Daimon Helstrom sind solider Horror ohne große Innovation, aber eben auch ohne große Schwächen.

Helstrom

Horror statt Action

Die ganze Anmutung von Helstrom erinnert an die Fox-Serie Der Exorzist (bislang noch nicht bei Star), die es immerhin auf zwei Staffeln brachte, aber stärker in der christlichen Mythologie verankert war als Helstrom. Die düstere Stimmung und die sofortige Präsenz des Bösen sind aber ganz ähnlich gemacht. Und auch der Gewaltgrad der beiden Serien ist recht ähnlich – kein wirklich derber Splatter, aber durchaus größere Mengen Blut, wenn nötig. In jedem Fall ein deutlicher Kontrast zu den meisten Marvel-Filmen der vergangenen Jahre. Da sich die Fähigkeiten der Geschwister auf die geistige Ebene beschränken, ist hier auch wenig Action zu sehen - ebenfalls Marvel-untypisch.

Schauspielerisch kann sich Helstrom auch sehen lassen, vor allem Elizabeth Marvel macht einiges aus der allerdings auch dankbaren Rolle der besessenen Mutter. Ihr gelingen mit ihrer Präsenz die gruseligsten Momente in den ersten beiden Folgen, die bisher abrufbar sind. Aber auch Tom Austen und Sydney Lemmon spielen ihre Rollen der gar nicht so sympathsichen Kämpfer für das Gute solide und lassen trotz karger Mimik den Zuschauer an ihren Sorgen und Ängsten teilhaben, die unter der dünnen Decke des Vergessens nur darauf warten, die Geschwister erneut zu terrorisieren. Inhaltlich hat Helstrom allerdings mit den Comic-Vorlagen nur sehr wenig zu tun.

Denn die Comic-Version ist wirklich der Sohn des Teufels und einer sterblichen Frau und hat andere Fähigkeiten und Ziele als der Helstrom der Serie. Wer den Charakter nicht kennt, muss sich deswegen allerdings nicht grämen, ein Erfolg war der 1973 entstandene Charakter nie. In all den Jahren brachte er es lediglich auf zwei kurzlebigen Solo-Serien und Gastauftritte in Teams wie den Defenders. Die TV-Serie erleidet somit ein ganz ähnliches Schicksal wie die Vorlage. Im Fall der Star-Show hat das allerdings nicht mit der Qualität zu tun, sondern mit interner Politik bei Marvel. Wer also gern Horror-Serien sieht, sollte in diese gut gemachte, wenn auch nicht allzu originelle Serie ruhig einmal reinschauen.

Helstrom

Fazit:

Helstrom war zwar von Anfang an zum Sterben verurteilt, doch das scheint die Serienmacher und Schauspieler nicht davon abgehalten zu haben, ordentliche Arbeit abzuliefern. Die Serie wird zwar keinen Innovationspreis gewinnen, baut aber eine solide Horror-Story mit coolen Figuren, sauber gemachten Tricks und einer angenehm bedrohlichen Atmosphäre auf. Die durchgehend guten Schauspieler sorgen ebenfalls für gepflegte Grusel-Unterhaltung. Mit dem klassischen Marvel-Feeling hat Helstrom allerdings gar nichts zu tun. Wer auf Superhelden-Action hofft, ist hier falsch. Horrorfans, die auch Der Exorzist als Serienversion mochten, sollten Helstrom aber eine Chance geben.

Helstrom startet am 23. Februar 2021 bei Disney+ (Star) mit zwei Folgen und einer neuen jeden Freitag.

Wertung

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