I Care A Lot: Fiese Komödie mit Starbesetzung jetzt bei Netflix

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Rosamund Pike hat sich in den vergangenen Jahren zu eine der spannendsten Schauspielerinnen Hollywoods gemausert. Das war sicher noch nicht abzusehen, als sie als 23-jährige ihre erste Rolle im Pierce Brosnan-Abschieds-Bond Stirb an einem anderen Tag spielte. Doch seitdem hat die Britin sowohl in Arthouse-Filmen wie auch in Popcorn-Kino-Produktionen überzeugt und dabei eine erstaunliche Genre-Bandbreite abgedeckt. Mit Peter Dinklage, seit Game of Thrones ein weltbekannter Star, liefert sie sich jetzt ein Duell in der fiesen Thriller-Komödie I Care A Lot. Warum du diesen Film sehen solltest, wenn du auf schwarzen Humor stehst, erklärt die Kritik.

I care a lot

Die Handlung

Marla Grayson (Rosamund Pike) ist ein fieses Miststück, wie es im Buche steht. Die kühle Blondine fungiert als Vormund für alte Leute, die wegen Krankheiten nicht mehr für sich selbst entscheiden können. Im Verbund mit korrupten Heimleitern und Pflegern sucht sie nach wohlhabenden Rentnern, lässt sie von Ärzten wie Dr. Amos (Alicia Witt) als unzurechnungsfähig erklären und holt sich vor Gericht die Vormundschaft. Kaum ist die Person im Pflegeheim, nutzt Marla dann ihre Befugnisse, um den Besitz der Person zu Geld zu machen. Schmuck, Bargeld, Haus – alles wird veräußert oder wandert direkt auf Marlas Konto. Dabei hilft ihr Lebensgefährtin Fran (Eiza Gonzalez).

Doch eines Tages meldet sich Dr. Amos wieder mit einem besonders fetten Fisch: Jennifer Peterson (Dianne Wiest) ist zwar kerngesund, aber auch reich – und so wird die alte Dame in ihrer Abwesenheit vor Gericht schnell für dement erklärt und von Marla persönlich abgeholt und eingewiesen. Als Marla im Bankschließfach auch noch Diamanten findet, wähnt sie sich am Ziel ihrer Träume. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass Jennifer gar nicht so alleinstehend ist, wie die Akten es besagten. Und dass ihr Sohn Roman (Peter Dinklage), ein hohes Tier bei der Russenmafia, in der Wahl seiner Methoden, um sene Mutter zurückzubekommen, nicht gerade zimperlich ist ...

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Zwei extrem fiese Hauptfiguren ...

Schon einmal hat sich Regisseur und Drehbuch-Autor J Blakeson an einem fiesen, aber auch humorigen Thriller versucht – und mit Die Entführung der Alice Creed auch voll überzeugen können (ein deutsches Remake lief im vergangenen Jahr als Kidnapping Stella bei Netflix). In I Care A Lot lässt er nun zwei nachtschwarze Seelen aufeinander los, die sich in Sachen Skrupellosigkeit und Herzenskälte kaum etwas nehmen. Und Blakeson gelingt dabei ein Kunststück, das für seinen Film besonders wichtig ist: Obwohl die Hauptfiguren allesamt unfassbar unsympathisch sind, will der Zuschauer dennoch wissen, wie der Schlagabtausch zwischen diesen beiden Monstern ausgeht.

Und das ist alles andere als leicht, wenn das Publikum eigentlich nur Abscheu vor den Protagonisten empfindet. Was in diesem Fall besonders ausgeprägt ist. Denn die Praxis von Marla, ausgerechnet die Schwächsten auszunehmen und die Leichtigkeit, mit der ihr das bei der Gesetzeslage gelingt, lässt dem Publikum garantiert den einen oder anderen Schauer über den Rücken laufen. Aber I Care A Lot ist kein Gesellschaftsdrama, sondern eine schwarze Komödie, daher nimmt die Thematik keinen allzu großen Raum in der Geschichte ein. Blakeson konzentriert sich vielmehr auf seine Darsteller und deren durchtriebene Figuren.

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... Extrem stark gespielt

DIe danken es ihm mit starken Leistungen. Wenn der Zuschauer nur aufgrund ihres Gesichtsausdruckes weiß, welche üblen Dinge Marla wieder ausheckt, dann zeigt Rosamund Pike ihr ganzes Können. Und auch Peter Dinklages Performance, etwa wenn er die Nachricht erhält, dass bei einem Menschenschmuggel "3 Objekte" gestorben sind, ist absolut sehenswert. Dabei soll aber nicht unter den Tisch fallen, wie gut Dianne Wiest ihre Rolle als gar nicht so nette alte Dame spielt. Ihre diebische Freude angesichts der Qualen, die ihren Vormund erwartet, spiegelt sich ganz großartig auf ihrem Gesicht wider.

Neben dem Schauspiel funktioniert aber auch die Handlung einfach gut. Wie sie die beiden Fieslinge in ihren Bestrebungen, den anderen zur Aufgabe zu bewegen, gegenseitig hochschaukeln, ist ebenso abstoßend wie faszinierend zu beobachten. Und der schräge Humor, der nicht den ganzen Film über die Oberhand hat, schlägt in den richtigen Momenten auch immer wieder durch. Wenn sich Marla und Roman spät im Film das erste Mal Auge in Auge gegenübersitzen, ist das schon ein großer Moment geschliffener Dialoge und und trockenen britischen Humors.

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Zwar hat es schon häufiger Filme gegeben, in denen es von Schurken nur so wimmelte, wie etwa den wundervollen Zwei hinreißend verdorbene Schurken mit Steve Martin und Michael Caine oder den weniger guten Glam Girls mit Anne Hathaway und Rebel Wilson. Aber die waren bedeutend harmloser, ging es dort doch um Trickbetrug an den oberen zehntausend. Durch die Einkerkerung vin hilflosen alten Menschen in gefängnisartige Pflegeheime bekommt I Care A Lot einen wesentlich düstereren Touch. Diesem Film tropft die Bosheit aus jeder Pore und das dürfte nicht jedem gefallen. Eine harmlose, nette Komödie ist I Care A Lot jedenfalls nicht.

Fazit:

I Care A Lot ist definitiv kein Film für jeden Geschmack. Manch einem Zuschauer dürfte angesichts der abgrundtiefen Verdorbenheit von Marla Grayson das Lachen immer wieder im Halse stecken bleiben. Trotzdem kommt man kaum von der Story los, weil man nur zu gern wissen möchte, wer im Kampf der Mega-Fieslinge letztlich die Oberhand behält. Die Konsequenz, mit der Regisseur und Autor J Blakeson dieses Duell eskalieren lässt, ist aber ebenso stark wie beeindruckend. Die Golden Globe-Nominierung als Beste Schauspielerin für Rosamund Pike für ihren Auftritt in diesem FIlm spricht für sich. Für Fans schwarzen Humors ist I Care A Lot jedenfalls ein Geschenk.

I Care A Lot startet am 19. Februar 2021 bei Netflix.

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