Infection: Unsere Kritik zum Zombie-Reißer aus Venezuela

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Zombie-Filme gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Einst von George A. Romero als Splatter-Orgie mit tieferem Sinn gestartet, finden sich inzwischen Dutzende, wenn nicht Hunderte Filme mit fleischfressenden Untoten - manchmal ohne irgendeinen Sinn - in den Tiefen von Prime, Netflix, oder Online-Videotheken. Eine Ausnahme bildet Danny Boyles Horrorfilm 28 Days Later, in dem es keine Zombies sind, sondern durch einen Virus infizierte Menschen, die wie Berserker versuchen, den Virus auf andere Lebewesen zu übertragen. Das ist auch die Grundidee in Flavio Pedotas Film. Kann er mit dem großen Vorbild mithalten?

Infection @Busch Media Group

Arzt Adam ist nach dem Tod seiner Frau allein mitm seinem Sohn, den er mit den Schwiegereltern in den Urlaub schickt.

Die Handlung

Zwei Junkies spritzen sich ihre Drogen im Keller eines abrissreifen Hauses – aus einer mächtig verdreckten Spritze. Als einer der beiden langsam wieder erwacht, sieht er seinen Kumpel mit dem Gesicht zur Wand in einer Ecke sitzen und hört ihn leise knurren. Er spricht ihn an, doch mit der Reaktion hat er nicht gerechnet. Sein Freund, dessen Augen sich knallrot verfärbt haben, greift ihn an und beißt ihn. Er kann sich losreißen und rennt auf die Straße, nicht wissend, dass ein Virus nun auch ihn ihm tobt, der extrem ansteckend ist. Bald häufen sich Fälle von Angriffen Infizierter auf andere Menschen.

Der Arzt Adam (Ruben Guevara) ahnt von alldem nichts, als er seinen Sohn Miguel mit seinen Schwiegereltern in die Ferien fahren lässt. Doch bald wird auch der abgelegene, kleine Ort von der Seuche heimgesucht. Mitten in der Nacht steht Nachbar Johnny (Leonidas Urbina) mit seiner Frau vor Adams Tür. Sie hat bei einer unheimlichen Begegnung eine Bisswunde davongetragen und wird von hohem Fieber und Krämpfen geschüttelt. Auf dem Weg ins Krankenhaus werden Adam und seine Patienten vom Militär aufgehalten, die alle Insassen überprüfen wollen. Dabei kommt es zu einem Angriff von Infizierten. Adam erkennt das kommende Chaos und will seinen Sohn finden, ehe es zu spät ist ...

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Als die Seuche das Dorf erreicht, musss Adam mit seinem Nachbarn Johnny fliehen.

Daheim verboten - warum auch immer

Das Pressematerial zum Film weist darauf hin, dass Infection in seiner Heimat als zu regimekritisch eingeschätzt und deshalb verboten wurde. Als Europäer ohne große Kenntnisse über das südamerikanische Land lässt sich dazu allerdings nur schwer etwas Sinnvolles sagen. Auffällig fällt diese Kritik jedenfalls nicht aus. Denn das Militär, dessen Benehmen in Zombie-Thrillern meist den Aufreger in der Handlung darstellt, benimmt sich hier auch nicht anders als in unzähligen Zombiefilmen vorher. Und handelt nach dem Motto: Erst schießen, dann fragen. Vom aktuellen Machtkampf zwischen der Regierung und der Opposition des Landes darüber, wer rechtmäßig gewählt ist, zeigt der Film hingegen nichts.

Dafür aber jede Menge Szenen, die der Fan des Genres schon sehr oft gesehen hat. Menschen, die vor den Infizierten fliehen und sich in Häusern verschanzen, die Flucht vor Horden der Kranken, Leute, die es nicht schaffen, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen und von einer regelrechten Wellte Infizierter überrannt werden. Pedota hat ein gutes Auge für diese Momente und inszeniert sie spannend und mitreißend. Die Odyssee seiner Hauptfigur Adam durch ein vom Terror der Infektion erschüttertes Land gelingt ihm trotz garantiert kleinem Budget sehr ordentlich. Nur hat er dem Genre des Zombie-Thrillers mit diesem Film leider keine einzige Neuerung oder eigene Idee beigefügt.

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In bewachten Camps versuchen die Ärzte des Landes verzweifelt, einen Impfstoff zu finden.

Unausgegorenes Drehbuch 

Das fängt beim holprigen Drehbuch an. Die Flucht von Ort zu Ort, immer mit den Infizierten im Nacken, das ist heute eine absolute Standard-Story. Adam und die Vorgeschichte, die man zum Verständnis der Figur wissen muss, wird wenig originell erzählt, auch danach hat der Film immer wieder Probleme mit seinem Tempo. Vor allem der Plot um eine mögliche Heilung, der immer wieder auftaucht, wird extrem, stiefmütterlich behandelt und rauscht so schnell vorbei, dass man aufpassen muss, um ihn überhaupt mitzubekommen. Und auch das Finale des Films wirkt seltsam gehetzt und wenig zusammenhängend. Dieses Script hätte definitiv noch ein wenig Überarbeitung gebrauchen können.

Schauspielerisch sieht es da schon besser aus. Den meisten Charakteren nimmt man ihren Überlebenskampf ab und auch die Handlungen der meisten Figuren sind nachvollziehbar und nicht komplett unglaubwürdig. Ruben Guevara taugt als Sympathieträger für die Hauptrolle, an dessen Seite sich der Zuschauer durch den Film bewegt. Und ein paar tragische Momente sorgen auch für emotionale Höhepunkte. Leider wird dieser Eindruck aber durch die sehr durchschnittliche deutsche Synchronisation getrübt. Dennoch: Adams Reise zu seinem Sohn, der emotionalste Teil des Films, funktioniert am besten.

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Wer die roten Augen der Infizierten sieht, hat meist keine Chance mehr.

Insgesamt bleibt aber ein zwiespältiger Eindruck. Für Fans von derber Gewalt und viel Blut wird Infection nicht genug bieten, um zufrieden zu sein. Wer eine gute oder zumindest originelle Geschichte sehen möchte, wird auch nicht fündig. Und als Allegorie auf die Verhältnisse in Venezuela mag der Film durchaus funktionieren, nur leider wird das in Europa kaum jemand beurteilen können. Gegen so manchen Ramsch aus den untersten Schubladen von Billigproduzenten ist der Film zwar Gold, aber gegen wirklich gute Zombie-Filme wie das direkte Vorbild 28 Days Later oder auch Zack Snyders Dawn of the Dead-Remake sieht Pedotas Film kein Land.

Fazit:

Mit Infection versucht Regisseur und Autor Flavio Pedota, sowohl einen Kommentar auf den Zustand seines Heimatlandes zu geben, dass von Machtkämpfen zwischen politischen Lagern zerrissen wird, als auch, einen Zombie-Plot zu erzählen. Ob ihm sein erstes Ziel gelungen ist, können wohl nur Landsleute beurteilen, einen richtig guten Zombie-Thriller hat er aber nicht abgeliefert. Dafür fehlt es Infection neben einem besseren Drehbuch auch an eigenen Ideen. Was der Regisseur hier anbietet, haben Fans des Sub-Genres alle schon etliche Male gesehen - und nicht selten auch besser. Dennoch ist Pedota ein ordentliches Debüt gelungen, dass Neulingen im Genre durchaus gefallen könnte.

Infection ist ab dem 1. April 2021 auf Blu-Ray, DVD und digital erhältlich.

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Adam versucht auf seiner Reise, Menschen zu helfen, doch er kann nicht jeden seiner neuen Gefährten retten.

Wertung

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