Invincible: Kritik zur neuen Superhelden-Serie des Walking Dead-Erfinders bei Amazon Prime

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Robert Kirkman ist einer der bekanntesten Comic-Autoren unserer Zeit. Das liegt zum größten Teil an seiner erfolgreich als Serie umgesetzten Reihe The Walking Dead. Allerdings ist Kirkman sehr viel fleißiger und schreibt unter anderem Outcast, einen Horror-Comic, der es auf zwei TV-Staffeln brachte, aber als Comic noch immer läuft. Im Gegensatz zu Invincible, seiner anderen lang laufenden Comic-Serie, die es auf 144 Ausgaben brachte und dann beendet wurde. Geht es bei The Walking Dead um eine Story, die auf den Grundfesten von George R. Romeros Zombie-Filmen basiert, stellt Kirkman in Invincible die Frage, wie man sich als Sohn von Superman fühlen muss. Wie gut ist die TV-Serie dazu?

Invincible @Amazon Studios

Marks vater Omi-Man wartet darauf, dass sein Sohn endlich Superkräfte entwickelt.

Die Handlung

Auf den ersten Blick ist Mark Grayson (Sprecher im englischen Original Steven Yeun) ein ganz normaler Teenager. Was allerdings kaum ein Mensch weiß: Sein Vater Nolan (engl. J. K. SImmons) ist als Omni-Man der stärkste Superheld der Erde – und ein Alien. Und er wartet darauf, dass sich beim Hybriden Mark, der eine menschliche Mutter hat, endlich die für das Alienvolk typischen Superkräfte zeigen, die eigentlich in der Pubertät erstmals auftreten. Mark fiebert einerseits diesem Moment entgegen, andererseits hat er auch ein wenig Angst davor, wie sein Leben sich ändern wird, wenn er erst einmal selbst zum Superhelden wird. Und schließlich ist es soweit.

Obwohl sein Vater ihn trainiert, probiert Mark auch selbst aus, was er nun alles kann – nicht immer mit Erfolg. Doch langsam freundet er sich nicht nur mit dem Fliegen an, sondern kann auch seine immens gestiegene Körperkraft einsetzen, ohne gleich die halbe Stadt in Schutt und Asche zu legen. Allerdings muss er früher als erwartet ohne Hilfe seinen Superhelden-Mann stehen, als es bei den Guardians of the Globe, den größten Helden der Erde, ein unerwartetes Ereignis gibt. Kann sich Mark einen Platz unter den Superhelden und auch deren Respekt verdienen? Und wie findet man als halber Alien mit Superkräften eigentlich eine Freundin?

Update: Der Comic-Vergleich

Die ersten 13 Hefte, die auf deutsch in einem dicken Sammelband erschienen sind, erzählen zwar im Prinzip eine sehr ähnliche Story wie die Amazon Prime-Serie, aber es gibt doch feine Unterschiede. So sind die Anspielungen im Comic auf bekannte Helden des DC- und des Marvel-Universums im Comic sehr viel deutlicher zu sehen, was Kennern der Materie viel Spaß machen dürfte. Auch den einen oder anderen berühmten Gastzeichner einiger Seiten werden Fans sicher erkennen. Bisher sind fünf Bände auf deutsch erschienen, weitere sollen folgen.

Invincible @Amazon Studios

Marks Mutter ist im Umgang mit dem Superhelden-Dasein deutlich entspannter.

Bekannte Helden aus neuer Sicht

Wie schon bei seinem Mega-Erfolg The Walking Dead nutzte Robert Kirkman bei dieser Serie viele bereits bestehende Ideen, um daraus etwas neues zu erschaffen. Bei Invincible schwebt der Schatten von Superman von der ersten Sekunde an mehr als deutlich über dem Plot: Wie muss es sein, als Supermans Sohn aufzuwachsen? Diese Frage beantwortet seit kurzer Zeit auch die neue CW-Serie Superman and Lois, Kirkman war damit aber schon Jahre früher dran. Dazu erschafft der Autor aber nicht nur die Vater-Sohn-Situation, sondern gleich ein komplettes Superhelden-Universum mit den Guardians of the Globe als eine Art Justice League und dem Teen Team als Antwort auf die Titans.

Gleichzeitig setzt Kirkman mit dem zweiten Fokus der Story auf Marks Privatleben deutliche Akzente in Richtung Peter Parker, mit einem starken Unterschied: Während Peter in Onkel Ben eine eher zurückhaltende Vaterfigur als Vorbild hat, muss sich Mark mit einem gigantisch großen und auch noch öffentlichen Vorbild auseinandersetzen. Für Fans von Superhelden-Storys ist allein dieser Vergleich schon das Einschalten wert. Wer nun aber eine harmlose Familienserie im Stil der alten Zeichentrick-Abenteuer von DC erwartet. liegt nur zum Teil richtig. Während körperliche Beziehungen zwischen Figuren frei ab 12 Jahren durchgehen würden, sind die Kämpfe der Helden definitiv nicht jugendfrei.

Invincible @Amazon Studios

Als Invincible macht Mark seine ersten Helden-Erfahrungen.

Brutal und blutig

Damit ähnelt Invincible auch The Walking Dead, wo ganz ähnlich verfahren wird. Doch während die Zombie-Serie halbwegs harmlos begann und sich im Lauf der Serie auf derbes Splatter-Niveau steigerte, steigt Invincible gleich hoch ein. Schon in der ersten Folge platzen Köpfe, werden Körper bis zur Unkenntlichkeit deformiert oder in Stücke gerissen. Nur weil das gezeichnet ist, dürfte die Serie größtenteils mit einer FSK-Freigabe von 16 davongekommen sein, die letzte der acht Folgen steht aber mit dem roten ab 18-Siegel zu Buche. Das erinnert stark an Amazon Primes größter Erfolgsserie bislang – The Boys . Die Ähnlichkeit ist mit dem Gewaltgrad aber auch schon wieder erschöpft.

Denn während die Serie nach den Comics von Garth Ennis sich auf jede nur erdenkliche Weise über Superhelden lustig macht, outet sich Kirkman als Fan der großen Superhelden-Comics und entwickelt aus ihnen interessante neue Ansätze, die ein wenig an manche Elseworld-Abenteuer (das sind Storys, die bekannte Helden in neuen Situationen zeigen wie Superman als Held der Sowjetunion oder Batman als viktorianischen Detektiv auf der Jagd nach Jack the Ripper) der DC-Helden erinnern. Invincible wirkt oft wie ein bekanntes Helden-Universum, in dem nur wenige Dinge anders gelaufen sind als in den Vorbildern. Die Serienmacher straffen dabei die Handlung der Comics, bleiben aber sehr viel dichter an Kirkmans Vorlage als die Walking Dead-Produzenten.

Invincible @Amazon Studios

marks Kräfte machen ihn im Umgang mit den Schul-Pöblern deutlich lockerer.

Zeichnerisch erreicht Invincible dabei ein gutes Niveau, wirkt zwar etwas schlichter als die Comics, bleibt aber nah am optischen Vorbild. Stimmlich kann die Serie allerdings zumindest im englischen Original mit zahlreichen Stars aufwarten, darunter Mark Hamiil und Mahershala Ali sowie etlichen Schauspielern aus der Walking Dead-Serie. Amazon Prime zeigt die Serie mit drei Folgen zum Auftakt am 26. März (diese Folgen gab es für die Presse auch vorab zu sehen) und dann einer weiteren Folge jeden Freitag. Die erste Staffel wir acht Folgen lang sein.

Fazit:

Irgendwie bekannt und doch neu: Robert Kirkmans Erzählung einer klassischen Superhelden-Story gepaart mit Coming-of-Age-Themen und einer komplexen Vater-Sohn-Beziehung macht Invincible vor allem für Superhelden-Fans, die keine Probleme mit blutigen Szenen haben, zur absoluten Empfehlung. In zum Teil rabiaten Bildern erzählt die Serie von einem Helden-Universum, das in vielen Bereichen den klassischen Marvel- oder DC-Welten ähnelt und auch darauf anspielt, sich in wichtigen Details dann aber doch unterscheidet. Comic-Leser wissen dabei mehr: Die Serie hält sich eng an die Vorlage. Wer auf Englisch schaut, bekommt dazu zahlreiche Stars in kleinen und großen Rollen zu hören.

Invincible startet am 26. März 2021 mit drei Folgen bei Amazon Prime, danach gibt es immer freitags eine neue Episode (insgesamt acht).

Invincible @Amazon Studios

Omni-Man gehen Marks Fortschritte nicht immer schnell genug.

Wertung

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