La Revolution: Blutige Netflix-Serie aus Frankreich

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Die Französische Revolution von 1789 gilt als eines der wichtigsten Ereignisse der europäischen Geschichte. Der blutige Sturz von König, Adel und Kirche durch das hungernde Volk läutete auf dem ganzen Kontinent politische Veränderungen ein, selbst wenn Frankreich selbst nur 25 Jahre später durch Napoleon wieder von der Republik zum Kaiserreich wurde. Die neue Netflix-Serie deutet nun in ihrer sehr freien Interpretation an, dass die Revolution gegen die Blaublüter ganz andere Gründe hatte als nur die Freiheit. Passen Fantasy und Historie hier zusammen?

La Revolution Domatien

Die Handlung

Frankreich im Jahr 1787. Die Grafschaft des Geschlechts der Montargis erzittert unter einer Verbrechens-Serie: Junge Mädchen verschwinden und werden später tot aufgefunden - angefressen, wie von einem Tier. Doch der junge Arzt Joseph Guillotin (Amir El Kacem) sieht bei der heimlichen Obduktion eines Opfers, dass die Gebisspuren von Menschen stammen. Bald wird ein schwarzer Landstreicher verhaftet und unter der Folter zum Geständnis gezwungen. Nach dem Wunsch von Charles de Montargis (Laurent Lucas) soll der Mann möglichst schnell sterben, um die Lage zu beruhigen. Die Comtesse Elise (Marilou Aussilloux), Tochter des rechtmäßigen Grafen, ist mit der Regentschaft ihres Onkels aber nicht glücklich.

Denn die junge Frau war nicht nur vor Jahren unglücklich in einen Mann niederen Standes verliebt, was ihr Vater brutal unterband, sondern sieht auch das Brodeln im einfachen Volk, das Tag für Tag unzufriedener wird. Und so sympathisiert Elise heimlich mit der Bruderschaft, einer Rebellengruppe aus Bauern und Arbeitern, die immer wieder gegen den Adel aufbegehren. Sorge macht ihr auch ihre kleine Schwester Madeleine (Amelia Lacquemant), die zwar stumm ist, dafür aber offenbar über hellseherische Fähigkeiten verfügt. Denn sie sieht für unzählige Menschen einen schrecklichen Tod voraus, Elise eingeschlossen ...

La Revolution Gaia Weiss

Wunderschöne Mogelpackung

An La Revolution werden sich wohl die Geister scheiden. Denn auch wenn der Trailer durchaus andeutet, worum es in der Serie geht, so werden wahrscheinlich dennoch viele Zuschauer einschalten, weil sie auf ein historisch halbwegs korrektes Nacherzählen der Französischen Revolution von 1789 hoffen. Darum geht es hier aber nicht. Stattdessen präsentiert die Serie eine Mischung aus der koreanischen Zombie-Serie Kingdom und dem Klassiker Pakt der Wölfe sowie einem halben Dutzend anderer Vorbilder. Dementsprechend wenig hat die von Horror- und Fantasyelementen durchsetzte Serie mit historischen Fakten zu tun. Wer sich darauf versteift, ist bei La Revolution falsch.

Weniger Geschmackssache ist hingegen die handwerkliche Qualität der Serie. Was das Team hinter der Kamera hier auf den Bildschirm zaubert, kann sich nicht nur sehen lassen, es ist ganz hohes TV-Niveau. Schon die erste Szene, wenn eine vermummte Gestalt auf einem blutverschmierten Pferd einen Adeligen verfolgt, setzt einen sehr hohen Standard, den La Revolution mühelos hält. Selbst wenn einem der Inhalt der Serie nicht wirklich zusagt, so kann man sich der Ästhetik und Schönheit der Bilder kaum entziehen. Dazu liefert die Serie auch noch einen satten Klangteppich und einen sehr gelungenen Soundtrack ab, der die Bilder großartig unterstreicht.

La Revolution Maskierter Mann

Klischee-Charaktere

Was die Autoren abliefern, ist dagegen schon diskussionswürdiger. Denn auf den wilden Mix muss man sich als Zuschauer schon einlassen, um Spaß zu haben. Obwohl die Story grundsätzlich eher düster ausfällt, ist sie nie wirklich unheimlich und der Hintergrund des ganzen Plots ist auch nicht eben originell. Dazu sind viele Figuren eher Archetypen als wirkliche Charaktere. Der fiese Polizeichef der Grafschaft, der gütige Priester, die wilde, rebellische Tochter aus gutem Hause, der tragische Held - das hat man alles schon so häufig gesehen, dass La Revolution damit nicht punkten kann. Ob es ein würdiger Ersatz ist, dass einige der hübschen Darstellerinnen dafür viel Haut zeigen, muss jeder selbst entscheiden.

Zumindest wird La Revolution aber nie langweilig. Immer wieder finden die Autoren Wendungen und Kniffe, die die Geschichte spannend halten und dafür sorgen, dass man mit seinen Helden mitfiebert, wenn man sich auf die Story einlassen kann. Und wenn es einmal Actionszenen gibt, was nicht sonderlich häufig vorkommt, dann sind die optisch auf ebenso hohem Niveau wie der Rest der Serie. Dafür sind den Regisseuren sowohl Ultra-Zeitlupe wie auch originelle Perspektiven und stimmungsvolles Licht recht. Die Botschaft hingegen, dass der Adel sich buchstäblich vom Volk ernährt, dürfte für gehobene Ansprüche doch ein wenig zu platt erscheinen.

Letztlich merkt man der Serie aber jederzeit an, wie viel Herzblut und Geld hier hineingeflossen ist. Das fängt bei den Schauspielern an, die auch in wenig spannenden Rollen eifrig bei der Sache sind und setzt sich hinter der Kamera mit furiosen Bildern nahtlos fort. Dieses hohe Produktions-Niveau hilft auch über den einen oder anderen Holperer in der Handlung hinweg. 

La Revolution Helden

Fazit:

Das Schwächste an La Revolution ist die Story, denn die steht und fällt extrem mit dem persönlichen Geschmack und der Erwartungshaltung. Optisch ist die Serie hingegen wegen exzellenter Kameraarbeit, toller Kostüme, guter Schauspieler und einer extrem wertigen Produktion definitiv ein Hingucker. Wer sich auf den Horror-Fantasy-Historien-Mix einlassen kann, der auch ohne Zombies Parallelen zu Kingdom aufweist, bekommt eine gute Serie zu sehen. Wer es historisch realistisch möchte, wird hier hingegen enttäuscht.

La Revolution startet am 16. Oktober 2020 bei Netflix (8 Folgen)

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