Lupin: Wie gut ist Omar Sys Rachefeldzug bei Netflix?

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Im Jahre 1905 erfand Schriftsteller Maurice Leblanc seinen Helden Arsene Lupin, einen Dieb, der dennoch häufig für das Gute kämpft. In 17 Romanen und zahlreichen Kurzromanen und Kurzgeschichten ließ Leblanc seinen Helden Abenteuer erleben, die auch bald als Stummfilme umgesetzt wurden. Zwar erreichte Lupin nie den Stellenwert eines Sherlock Holmes, aber besonders in Frankreich erfreut sich die Figur bis heute großer Beliebtheit und gehört längst zu den kulturellen Errungenschaften des Landes. Grund genug für Frankreichs Schauspiel-Star Omar Sy, in eine von Lupin inspirierte Rolle zu schlüpfen. Sollten Krimifans sich das ansehen?

Lupin Omar Sy

Die Handlung

Assane Diop (Omar Sy) ist nicht nur ein großer Verehrer des Meisterdiebes Arsene Lupin, er tritt auch in dessen Fußstapfen. Als Kind mit seinem Vater aus dem Senegal nach Frankreich gekommen, begleitet er diesen oft bei seinem Job als Chauffeur für den superreichen Pelligrini (Herve Pierre) und dessen Familie. Daraus entsteht eine Freundschaft mit Pelligrinis Tochter Juliette. Doch eines Tages beschuldigt Pelligrini Babaka Diop, ein wertvolles Collier aus dem Safe gestohlen zu haben und lässt ihn verhaften. Im Gefängnis nimmt er sich das Leben und Assane ist mit 13 Jahren plötzlich allein auf der Welt. Das letzte Geschenk von seinem Vater ist ein Band der Arsene Lupin-Abenteuer.

25 Jahre später ist Assane ein brillanter Trickbetrüger und Dieb. Doch sein neuester Coup, der Raub des Colliers von damals aus dem Louvre, ist rein persönlicher Natur. Assane will endlich Rache für das Schicksal seines Vaters, der unschuldig verurteilt und mit gemeinen Tricks zum Geständnis überredet wurde. Doch Assane muss dabei stets darauf achten, dass seine Ex-Frau Claire (Ludivine Sagnier) und sein Sohn nichts von seinen Taten mitbekommen, um sie zu schützen. Denn Pelligrini ist noch immer ein sehr mächtiger Mann mit vielen Beziehungen zu Justiz und Polizei. Und das bekommt auch Assane bald zu spüren ...

Lupin Ludovine Sagnier

Sy ist der unumstrittene Start der Serie

Omar Sy kennen die meisten bei uns als Krankenpfleger wider Willen in Ziemlich beste Freunde. Auch in Hollywood konnte der 1,90 Meter große Schauspieler schon Fuß fassen - in Jurassic World, in dessen dritten Teil er wieder dabei sein wird. Nun hat der vielbeschäftigte Mime seine erste Rolle für Netflix übernommen und spielt den geistigen Erben des berühmten Gentleman-Gauners. Und das macht er exakt so, wie die Fans es erwarten: mit viel Charme und entwaffnendem Lächeln. So kann man Lupin auch leicht für eine Krimi-Komödie halten, was sich aber mit zunehmender Laufzeit als falsch erweist: Lupin wird mit jeder Episode ein wenig düsterer und ernster.

Erzählt die erste Folge noch leicht und locker von einem brillant geplanten Raubzug, so wandelt sich Lupin immer mehr zu einer Version von Der Graf von Monte Christo, in der die Rache im Mittelpunkt steht und nur noch wenig Platz für Humor lässt. So ganz verliert die Serie ihre Leichtigkeit zwar nie, was zu großen Teilen an Omer Sy liegt, aber als Komödie gehen die weiteren Folgen dennoch nicht mehr durch. Dass die erste Staffel nach fünf Episoden dann mit einem dramatischen Cliffhanger endet, unterstreicht diesen Umstand nochmals. Wie es scheint, hat sich Netflix dazu entschlossen, die zehnteilige Serie in zwei Staffeln zu veröffentlichen.

Lupin mit Sohn

Kein Superheld, sondern ein Mensch

Die Regisseure der Serie, unter denen sich auch der Hollywood-erfahrene Louis Leterrier (Der unglaubliche Hulk, Now You See Me) befindet, inszenieren Sy zwar als unglaublich guten Betrüger, der seinen Gegner fast immer einen Schritt voraus ist, aber dennoch als Menschen mit Fehlern und Emotionen. Und das macht Lupin auch so sehenswert: Das Publikum darf und muss mit dem Helden zittern, denn nicht immer funktionieren Assanes Pläne so, wie er gehofft hat - manchmal mit furchtbaren Folgen. Das steht in interessantem Gegensatz zu humoristischen Kapiteln, wenn etwa Assane einer reichen Witwe die Edelsteine abnimmt, die der Gatte aus Schwarzafrika gestohlen hatte.

Dass auch Assanes Privatleben unter seinen Rachefeldzügen leidet, nimmt in Lupin ebenfalls breiten Raum ein, denn er muss häufig die Liebe seines Lebens belügen, die er wegen seiner Rachepläne bereits als Partnerin verloren hat. Und so zeichnet Sy in den ersten Folgen der Serie Assane Diop als facettenreichen Charakter, dem man seine Gefühlslage ebenso abnimmt wie sein Talent zu Gaunereien. Hier übertreiben die Autoren allerdings zugunsten des dramatischen Effektes an manchen Stellen und schreiben Assanes Umwelt derart beschränkt, dass nicht jede seine Tricksereien wirklich glaubwürdig ist. Einen Gefängnis-Ausbruch nimmt man der Serie beispielsweise nur mit Mühe ab.

Lupin Cop

Doch trotz dieser kleinen Mängel ist Lupin ansprechendes Serien-Erlebnis. Das liegt auch daran, dass die Autoren die literarische Vorlage ehren und immer wieder Ideen aus den Büchern in der Serie verwerten, um Fans des Gentleman-Gauners zu erfreuen. Der Hauptgrund heißt aber Omar Sy. Mit seinem breiten Lächeln und fast unwiderstehlichem Charme beherrscht er mühelos jede Szene und hält Lupin allein durch seine Präsenz zusammen. Nach La Revolution eine weitere, wirklich sehenswert Serie aus den Nachbarland Frankreich.

Fazit:

Lupin steht und fällt mit Omar Sy. Wer den Schauspieler nicht mag, wird auch an dieser anfangs witzigen, später immer ernster werdenden Gauner- und Rachegeschichte wenig Freude haben. Fans von Sy bekommen hingegen genau das, was sie erwarten: einen extrem gut aufgelegten Schauspieler, der in seiner Rolle aufgeht und seinen Charme versprüht. Dass Netflix die Serie allerdings mittendrin abbricht und das Publikum mit einem fiesen Cliffhanger sitzenlässt, ist weniger schön. Dennoch lohnt sich für Fans von Filmen wie Der Clou oder Now You See Me das Einschalten, so edel und einfallsreich wie in Lupin wurde lange nicht gestohlen, betrogen und getrickst.

Lupin startet am 8. Januar 2021 bei Netflix.

Lupin Pelligrini

Wertung

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