Meine Freunde sind alle tot: Wüstes Silvester-Massaker jetzt bei Netflix

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Aus Polen kennen Filmliebhaber meist eher anspruchsvolle Werke von großen Namen wie Krzysztof Kieslowksi, der mit seinem Drei Farben-Zyklus oder Ein kurzer Film über das Töten zu Weltruhm gelangte. Dass in Polen auch Genre-Werke gedreht werden, wissen Netflix-Abonennten allerdings schon eine ganze Weile. Ob die Harlan Coben-Krimi-Adaption Das Grab im Wald oder auch Noone Sleeps in the Woods Tonight, ein blutiger Slasher, der erste vor ein paar Monaten zu Netflix kam. Und nun folgt mit Meine Freunde sind alle tot eine rabenschwarze Komödie aus dem Nachbarland – ist die wirklich lustig?

Meine Freunde sind alle tot

Die Handlung

Die Polizei findet ein Haus voller Leichen – aber wie kam es dazu? Die Eltern sind über Weihnachten in die hohe Tatra gefahren, das Haus ist leer – ein guter Grund für Marek (Kamil Piotrowksi), seine Freunde einzuladen und eine richtig coole Silvesterparty zu schmeißen. Anastasia (Julia Wieniawa-Narkiewicz) und ihr Freund Bogdan (Adam Turczyk), genannt Jordan, sind gekommen, ebenso wie Ex-Junkie Filip (Mateusz Wieclawek), der auf der Party Fotos schießt und ein Auge auf Anastasia geworfen hat. Daniel (Konrad Zygadlo) will seiner Freundin Angelika (Katarzyna Chojnacka) nach zehn Monaten am Silvesterabend einen Heiratsantrag machen und ahnt noch nicht, dass das keine gute Idee sein könnte.

Der erste Stock des Hauses ist eigentlich tabu, doch im Lauf der Nacht zieht es immer mehr Gäste nach oben, denn dort gibt es freie Zimmer, um sich vor allem körperlich noch besser kennenzulernen. Auch Filip schafft es, Anastasia ins Arbeitszimmer des Hausherrn zu verfrachten, um sich dort von ihr verführen zu lassen. Denn Anastasias Freund ist mehr an seiner Rapper-Karriere als an ihr interessiert und kümmert sich kaum um sie. Als Anastasia einen Schlüssel findet, der zu einem Waffenkästchen passt, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Nur Minuten später gibt es den ersten Toten in einer langen Reihe von unnatürlich aus dem Leben geschiedenen Partygästen ...

Meine Freunde sind alle tot

American Pie trifft Final Destination

Humor ist immer eine schwierige Sache – worüber sich ein Zuschauer kringelig lacht, lässt einen anderen völlig kalt. Und so ist es auch bei Meine Freunde sind alle tot vor allem eine Geschmacksfrage, ob der Humor zündet oder nicht. Einige Hinweise, ob das dein Film sein könnte oder nicht, können wir allerdings geben. Denn Regisseur Jan Belcl, von dem auch das Drehbuch stammt, hatte ganz offenkundig eine Mischung aus Filmen wie Final Destination oder Ready Or Not mit Werken wie Eis am Stiel oder American Pie vor Augen – und hat genau das auch ziemlich treffsicher umgesetzt. Hier treffen grimmige und fiese Tode auf reichlich alberne Sex-Zoten. Wobei letzteres den Löwenanteil des Films ausmacht.

Ob zwei durchgeknallte Freundinnen, die sich mit Drogen vollpumen und dann alles bespringen wollen, was männlich ist. Zwei notgeile Kumpels, die unbedingt bei der Milf Glora landen wollen, dazu aber erst aneinander vorführen müssen, was sie mit ihr zu tun gedenken. Oder der französische Mormone Jacques, der eher zufällig auf die Party gerät und ständig von Jesus darüber belehrt wird, was er zu tun und zu lassen hat. Das alles bedient einen bestimmten Humor, wer den nicht mitbringt, dürfte an Meine Freunde sind alle tot nur wenig Freude haben. Denn ein Großteil des Films beschäftigt sich mit dem Thema Sex in verschiedenen Varianten.

Meine Freunde sind alle tot

Langer Anlauf fürs Finale

Denn Belcl verpasst seinem Film zwar die üblichen Zutaten für eine Sex-Klamotte wie genug nackte Haut, aber er braucht lange, bis er seine Figuren so platziert hat, dass das Schlachtfest beginnen kann. Erst nach 30 Minuten gibt es den ersten Toten, und bis das Ganze dann so richtig ins Rollen kommt, sind 80 Minuten um. Und nach wenigen Szenen ist dann auch alles schon wieder vorbei. Ein ellenlanges Vorspiel mit einem kurzen Höhepunkt also, was sich wiederum gut in die sonstige Filmthematik einfügt. 

Wer auf viele unterschiedliche Todesarten hofft, wird auch enttäuscht, Variationen gibt es kaum. Allerdings gelingt es Belcl, durch seine Entscheidung, das Ende der Story zuerst zu zeigen, für einige Figuren zumindest Mitleid zu erzeugen. Denn der eine oder andere wächst dem Publikum im Lauf der Story durchaus ans Herz, aber man weiß bereits, dass er bald tot sein wird. Das funktioniert auf emotionaler Ebene recht gut, wird aber immer wieder vom tumben Sex-Humor verdrängt. Dazu kommen ein paar Charaktere, bei denen man es kaum erwarten kann, dass sie endlich ins Gras beißen, so flach und nervtötend fallen sie aus.

Meine Freunde sind alle tot

Wer sich aber für die Mischung aus hormongesteuerten Amokläufen, unglückliche Zufälle und ein paar Final Destination-würdige Verkettungen von Ereignissen erwärmen kann, sollte durchaus mal einen Blick riskieren. Sex-Zoten-Affinität einmal vorausgesetzt.

Fazit:

Polen gilt in Europa als sexuell nicht unbedingt sonderlich freies Land. Vielleicht ist der manchmal peinliche Sex-Witz-Humor in Meine Freunde sind alle tot Ausdruck davon. Denn mit etwas weniger flachen Witzchen über ständig geile Frauen, enthaltsam lebende junge Männer und Kerle, die es nicht bringen, wäre der Film zumindest für Freunde rabenschwarzen Humors besser zu ertragen. Wenigstens ein Höhepunkt des Films funktioniert – das heftige Ende, das der Film zwar schon in der ersten Szene vorwegnimmt, aber mit soviel Bosheit zelebriert, dass ein robustes Publikum hier auf seine Kosten kommt.

Meine Freunde sind alle tot startet am 3. Februar 2021 bei Netflix.

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