Motherland Fort Salem: Wie ist die neue Serie auf Amazon Prime?

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Bereits im März 2020 lief die zehnteilige, erste Staffel der düsteren Fantasy-Serie auf dem Heimatsender Freeform, der zum Disney-Konzern gehört. Dort waren unter anderem auch Marvels Cloak and Dagger, Pretty Little Liars oder Shadowhunters zuhause. Und damit ist auch schon recht gut umrissen, worum es sich bei Motherland Fort Salem handelt, denn die Serie passt recht gut in die Reihe. Junge Frauen mit besonderen Fähigkeiten kämpfen gegen das Böse - doch was das Böse genau ist, lässt sich manchmal gar nicht so genau sagen. Worum geht es nun aber genau?

Motherland Heldinnen

Die Handlung

Um nicht länger verfolgt und getötet zu werden, haben sich die Hexen von Salem im späten 17. Jahrhundert dazu verpflichtet, die Menschen mit ihren Fähigkeiten zu schützen. Doch manche Hexen sahen in diesem Vertrag nur eine Art Sklaverei und flohen in den Untergrund. Als Die Plage machen sie nun Jagd auch Menschen und Hexen, die sich dem Eid verpflichtet fühlen und töten mit ihren Anschlägen Hunderte Unschuldiger überall auf der Welt. Deshalb müssen seit vielen Jahren die loyalen Hexenfamilien ihre Töchter nach Fort Salem schicken, wo sie von den besten ihrer Zunft für die Schlachten gegen Die Plage trainiert werden. 

Auch Raelle (Taylor Hickson) hat schon ihre Mutter im Krieg verloren, als sie ihren Eid spricht und wenig später in Fort Salem ankommt. Dort wird sie mit Tally (Jessica Sutton), einer Idealistin, und Abigail (Ashley Nicole Williams), jüngstes Mitglied einer besonders ehrenhaften Hexen-Familie, in eine Einheit gesteckt. Und Einheiten werden nur gemeinsam befördert oder degradiert, also müssen die jungen Frauen eng zusammenarbeiten, obwohl sie sich nicht sonderlich gut leiden können. Viel interessanter findet Raelle die Nekromantin Scylla (Amalia Holm), die schon im zweiten Jahr der Ausbildung ist und sich auch zu Raelle hingezogen fühlt. Doch sie hat ein dunkles Geheimnis ...

Motherland Rekruten

Frauenpower überall

In Motherland mischen sich originelle und extrem durchgekaute Ideen. Die Grundprämisse, dass sich die Hexen auf die Seite der Menschen geschlagen haben und nun als deren Schutztruppen agieren, hat durchaus Potenzial. Und auch die feineren Strukturen, die sich die Autoren ausgedacht haben, funktionieren recht gut. Da die früheren Freeform-Serien bereits eher bei weiblichen Zuschauern punkten konnten, hat der Sender mit Motherland Fort Salem gleich Nägel mit Köpfen gemacht und alle Hauptfiguren mit Frauen besetzt, was aufgrund der Idee der Serie aber nachvollziehbar und sinnvoll ist. 

Zudem steht die Heldin der Story (auch) auf Frauen, was angesichts der Besetzungsliste fast zwingend ist, um auch amouröse Verwicklungen erzählen zu können - und dazu angenehm selbstverständlich in die Serie einfließt. Ebenso politisch korrekt divers ist die ganze Serie besetzt. Die toughe Blondine, die arrogante Afro-Amerikanerin, die aufgrund ihrer Mutter unter großem Druck steht, und die naive Rothaarige sind nur die Spitze des Eisberges, überall achten die Serienmacher erfreulich genau darauf, dass in dieser Serie alle Einwohner-Gruppen der USA auch zu sehen sind. So abwechslungsreich sind die einzelnen Episoden dann aber leider nicht.

Motherland Duell

Brutal, züchtig, klischeebeladen

Das liegt sicher auch am Sender. So lässt Freeform Gewalt in Maßen durchaus zu, schon die erste Szene, in der mehr als 100 Menschen sterben, ist nicht zimperlich. Lesbischer Sex hingegen findet nur komplett bekleidet statt, denn die Kernziel-Gruppe vom Freeform sind nun einmal weibliche Teenager, deren Eltern die Serie auch akzeptieren müssen. Und nackte Haut ist im frei empfangbaren US-TV immer noch weitgehend tabu. Zur Glaubwürdigkeit der Szenen tragen diese Regeln aber nicht unbedingt bei. Schlimmer als die für Europäer eher seltsame Moralvorstellung sind aber die zahlreichen Klischees, mit denen die Autoren die eigentlich ganz erfrischende Grundidee malträtieren.

Denn nur in wenigen Szenen wird wirklich einmal gezaubert, der größte Teil der ersten Folgen besteht aus typischen Gezicke zwischen jungen Frauen, die sich bei jeder Gelegenheit verbal an die Gurgel gehen. Dass hier so tief in Klischee-Brühe gerührt wird, ist auch deshalb schade, weil die jungen Schauspielerinnen sich durchaus Mühe geben, ihren Charakteren ein wenig Tiefe zu verleihen. Das erweist sich aber aufgrund der schablonenhaften Figuren als schwierig. So ist Raelle eine Rebellin, weil sie ihre Mutter verlor und aus armen Verhältnissen stammt. Abigail ist eine Zicke, weil sie ständig gegen den Schatten ihrer Mutter, einer hoch dekorierten Generälin, anstehen muss. Und Tally ist so von der Richtigkeit ihres Kampfes überzeugt, dass sie nichts und niemand von der Wahrhaftigkeit ihres Tuns abbringen kann.

Das ist durch mäßig geschriebene Szenen und Dialoge anstrengender, als es sein müsste, verdirbt aber den Spaß an Motherland dennoch nicht komplett. Denn mit den Hexen der Plage, die ihr Aussehen verändern können, erhält die Serie eine starke paranoide Note - jede Freundin oder Kameradin könnte eine Feindin sein, und manch eine ist es auch. Dazu sind die Tricks für eine TV-Serie ordentlich und das ganze Militär-Szenario lässt Raum für dramatische Momente, plötzliche Serientode und ähnliches, was vor allem der Zielgruppe von Motherland Fort Salem gefallen könnte. Eine zweite Staffel ist bereits bestellt. Wer die Serie grundsätzlich interessant findet, kann also ruhig reinschauen, ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Motherland Medaillen

Fazit:

Mit Motherland Fort Salem nimmt Amazon Prime eine Serie ins Programm, die in den Fußstapfen von Shadowhunters oder Pretty Little Liars wandelt. Die originelle Grundidee gerät allerdings immer wieder unter die Räder von fiesen Klischees, denen die Autoren offenbar nicht ausweichen konnten. Das macht die Serie nicht nur vorhersehbarer als nötig, sondern nimmt auch mancher eigentlich recht interessanten Figur ein wenig von ihrer Faszination. Dennoch ist die Serie grundsolide Fantasy-Unterhaltung ohne großen Tiefgang, aber mit guten Schauspielerinnen, ein paar frischen Ideen und genug Emotionen zum Mitfiebern und Spaß haben. 

Motherland Fort Salem (10 Folgen) startet am 20. November 2020 bei Amazon Prime.

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