Moxie. Zeit, zurückzuschlagen: High School-Dramedy jetzt neu bei Netflix

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Hierzulande ist Comedienne Amy Poehler nicht wirklich bekannt, in den USA ist das anders. Dort kennt man die witzige Blondine nicht nur aus alten Saturday Night Live-Tagen, im Verbund mit Tina Fey hat Poehler auch schon das eine oder andere Großereignis wie die Golden Globes wegmoderiert. In ihrer zweiten Arbeit als Regisseurin nach Wine Country (ebenfalls für Netflix) verfilmt sie nun mit Moxie. Zeit zurückzuschlagen das gleichnamige Buch von Jennifer Mathieu – und übernimmt als Mutter der Hauptfigur auch noch eine Nebenrolle. Wie gut ist die Mischung aus Komödie und Drama geworden?

Moxie

Die Handlung

 Eine typische US- High School: Während sich Football-Star Mitchell Wilson (Patrick Schwarzenegger) und viele seiner Freunde den Mädchen gegenüber respektlos und grob verhalten, ducken sich die jungen Frauen in aller Regel weg und warten stumm darauf, nach ihrem Abschluss die Schule endlich verlassen zu können. Das gilt auch für die stille Vivian (Hadley Robinson) und ihre beste Freundin Claudia (Lauren Tsai). Doch als die neue Schülerin Lucy (Alycia Pasqual-Pena) von Mitchell in Dauerschleife verhöhnt und beleidigt wird, weil sie für ihre Rechte als Frau einsteht, platzt Vivian der Kragen. Heimlich schreibt sie eine feministische Schülerzeitung namens Moxie und benennt die Missstände an der Schule.

Wie auf ein geheimes Kommando ändern sich die Dinge daraufhin. Die Mädchen und jungen Frauen werden selbstbewusster. Das Sport-Stipendium, von der ignoranten Rektorin Shelly (Marcia Gay Harden) eigentlich schon für Mitchell vorgesehen, hat plötzlich auch eine weibliche Bewerberin. Die testosteronschwangeren Jungs der Schule bekommen erstmals Gegenwind. Und Seth (Nico Hiraga), den Vivian schon immer anziehend fand, stellt sich auch noch hinter die Moxie-Bewegung. Doch ganz so einfach, wie Vivian dachte, lassen sich alte Strukturen doch nicht beseitigen, das muss der Teenager auf die harte Tour lernen ...

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Thema nicht komödientauglich

Dass der Kampf junger Frauen auf einer Schule um eine gleichberechtigte Behandlung als Thema zu ernst ist, um als launige Komödie umgesetzt zu werden, hat Amy Poehler verstanden und deshalb einen Film gemacht, der deutlich weniger lustig ist, als der Trailer es vorgaukelt. Zwar bietet Moxie immer wieder witzige und auch rührende Momente, aber als reine Komödie geht er nicht durch. Wenn es einmal lustig wird, dann hat Poehler meist selbst damit zu tun, denn die Story-Elemente, in denen es um Vivian und ihre Ex-Punk-Mutter geht, zaubern dem Zuschauer durch frische Dialoge und schönes Timing häufiger ein Lächeln ins Gesicht.

Für das Benehmen einiger Jungs auf der Schule gilt das allerdings nicht, hier zeigt Poehler eindeutig, dass es nicht um Wahrnehmung oder Meinung geht, sondern das besonders Wilson als inoffizieller König der Schule sich Dinge herausnimmt, die deutlich über akzeptables Verhalten hinausgehen. Auf welcher Seite das Publikum in dieser Sache steht, ist also früh klar. Poehler macht allerdings nicht den Fehler, sich komplett auf das politische Thema zu stürzen. stattdessen lässt sie auch Raum für die typischen Teenager-Probleme, wenn es um Liebe und Freundschaft geht. Das ist zwar selten originell, aber immer in einem spielerischen, angenehmen Ton umgesetzt. Und beschert dem Film auch schöne Momente.

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Teenager-Leben mit allen Facetten

Zudem nutzt Poehler die Story auch als Coming of Age-Statement, wenn die eigentlich so scheue Vivian erstmals für sich und andere einsteht – und sich mit den Konsequenzen daraus auseinandersetzen muss. Die Probleme, die der Film dabei streift, kommen zwar letztlich zu kurz, werden aber dennoch nicht verschwiegen – ob die Herkunft von Vivians Freundin Claudia oder den neuen Freund der Mutter, den ersten seit Jahren. Damit bettet Poehler das schulische Thema geschickt in weitere Handlungsstränge ein, die nicht nur die Laufzeit von 111 Minuten füllen, sondern Moxie. Zeit zurückzuschlagen auch abwechslungsreicher machen als Filme, die sich an einem einzigen Thema abarbeiten.

Streiten kann man sich allerdings darüber, ob der Ton des Films dem Thema der systematischen Benachteiligung von Schülerinnen wirklich gerecht wird. Andererseits dürfte es Poehler klar gewesen sein, dass sie es sowieso nicht allen recht machen kann, ob sie nun ein Drama, eine Komödie oder etwas dazwischen abliefert. Sie hat sich für den Mittelweg entschieden – und der ist zumindest sehr unterhaltsam. Vorwerfen darf man dem Film aber, dass die wenigen Männerrollen nicht unbedingt die ganze Bandbreite männlicher Schüler abdeckt, sondern nur die vorkommen, die der Botschaft dienlich sind. Aber ausgeglichene Sichtweise ist hier auch nicht oben auf der To-Do-Liste.

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Insgesamt gerät Moxie. Zeit zurückzuschlagen trotz guter Nebenfiguren wie dem Lehrer Mr. Davies oder Cheerleader-Anführerin Emma, gespielt von Josephine Langford (After Truth), ein wenig zu flach und versöhnlich, um den Zuschauer wirklich emotional in das Thema eintauchen zu lassen. Die wunderbare Hauptfigur der Vivian, toll gespielt von Hadley Robinson, macht aber einfach Spaß. Und Poehler gelingt als Regisseurin ein lockerer Blick auf eine komplexe Materie, die auch durch eine gewisse Lässigkeit der Inszenierung niemals den ganzen Plot erdrückt. Und dass der Film einige unangenehme Tatsachen an den Pranger stellt, lässt sich kaum wegdiskutieren.

Fazit:

Auch wenn Moxie. Zeit, zurückzuschlagen sicher kein Meistwerk der Dramedy ist, so gelingen Regisseurin Amy Poehler doch immer wieder Szenen, die so einfühlsam wie wahr auf unakzeptables männliches Verhalten eingehen. Und ganz nebenbei erzählt sie auch noch eine schöne, weil weitgehend klischeefreie, Coming of Age-Geschichte mit einer starken Hauptdarstellerin. Leider fehlen dem Film mehr differenzierte Figuren, was den Film ein wenig unrealistischer als nötig macht. Gerade ein Teenager-Publikum wird an Moxie dennoch seinen Spaß haben, weil es sich selbst in einigen Charakteren wiederfinden wird.

Moxie. Zeit, zurückzuschlagen startet am 3. März 2021 bei Netflix.

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