„Psycho Goreman“: Killeralien als Kinderhüter?

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Was passiert, wenn man die „Power Rangers“ und ein halbes Dutzend „SchleFaZ“-Kandidaten mit Gummikostüm-Monstern, hirnrissiger Logik und plötzlichen Gewaltausbrüchen in einen Mixer steckt? Dabei könnte sicher ein wahres Filmgrauen rauskommen, doch „Psycho Goreman“ beweist, dass dieser Mix auch sehr viel Spaß bereiten kann:

Regisseur Steven Kostanski („The Void“) kreierte mit der Sci-Fi-Splatter-Komödiengroteske „Psycho Goreman“ eine Art selbstironisches „Masters of the Universe“ auf Koks, das halbseidene Versuche begeht, als Babysitter zu fungieren. Denn mit viel Witz, immenser Liebe für das B- bis D-Kino der 1980er-Jahre, enormer Spritzigkeit und einer Menge Blut erzählt dieser Film von ungestümen, äußerst kindischen Kindern, die ein monströses Alien kontrollieren. Das Ergebnis ist eine schräge, kreative Trashparty.

Psycho Goreman

Ein galaktischer Killer in der Hand eines Dreikäsehochs

Die Geschwister Mimi (Nita-Josee Hanna) und Luke (Owen Myre) entdecken zufällig beim Spielen ein kosmisches Artefakt, durch das ein mächtiger Alien-Overlord aus seinem tiefen Schlummer erwacht. Normalerweise verfügt der Krieger über eine praktisch unbändige Macht, die schon Planeten in die Knie gezwungen hat, die der Erde weit überlegen sind. Doch da Mimi an das magische Amulett gelangt ist, mit dem man den blutrünstigen Warlord kontrollieren kann, muss sich der Außerirdische am Riemen reißen – und sich völlig Mimis Willen unterwerfen.

So entsteht gegen den Willen von „Psycho Goreman“ (oder kurz: „PG“), wie Mimi ihren neuen Spielkameraden tauft, ein ungewöhnliches Trio, das Mimis und Lukes heimisches Provinznest mächtig durcheinander wirbelt. PG versucht zwar, Mimi das Amulett zu entreißen, aber dafür ist sie zu aufgeweckt – sehr zum Leidwesen ihres Bruders Luke, der die Launen seiner Schwester satt hat. Und als wäre das Chaos nicht schon groß genug, bekommen die Anführer des Universums sowie PGs früheren Mitstreiter Wind von der Rückkehr dieser Tötungsmaschine. Werden daher Mimis sorglosen Machtfantasien ein böses Ende nehmen ..? 

PG: Psycho Goreman

Eine Mitternachtskino-Popcornparty

„Psycho Goreman“ wurde 2019 auf dem Horror-Festival Celluloid Screams, auf dem Monster Fest und auf dem Philadelphia Film Festival mit dem Publikumspreis für den besten Film ausgezeichnet. Außerdem lief „Psycho Goreman“ 2020 auf dem katalonischen Filmfestival Sitges, das sich auf Horror, aneckende Komödien, Sci-Fi und andere Genreware spezialisiert hat, in der Programmsparte „Midnight X-Treme“, die für extra harte oder extra schräge Filmstoffe reserviert ist. 

Und genau das fasst „Psycho Goreman“ treffend zusammen: Diese durchgeknallte Komödie ist mit ihrem hohen Tempo und ihren Schnellfeuer-Wahnsinnseinfällen ein waschechter Nischen-Publikumsliebling. Anders gesagt: Um an „Psycho Goreman“ Freude zu haben, muss man wissen wollen, wie ein Film mit der Hirnrissigkeit eines „SchleFaZ“ aussehen würde, wenn er mit versierter Hand auf gekonnt augenzwinkernder Art verbrochn wird. Man muss auf einer Wellenlänge liegen, auf der einVolltempo-Crash aus 80er-Billig-Sci-Fi, Splatter und kindisch aufgekratzten Komödien vielversprechend klingt. 

Für alle, für die das verwirrend bis abschreckend klingt, wird „Psycho Goreman“ wohl trotz kultigem Charme, liebevoll gestalteten Kostümen und einem pointiert-überdrehten Cast sicherlich nicht funktionieren. Doch wessen Neugier geweckt ist, darf weiterlesen.

PG

Koffein-Zuckerschock-Retro-Fieberwahn

Regisseur und Autor Steven Kostanski hält die Grundidee von „Psycho Goreman“ (vorlaute Göre kontrolliert einen außerirdischen Killer, der einem FSK-ab-16-Low-Budget-Kultfilm entflohen sein könnte) kontinuierlich frisch: Er zieht sehr viele Lacher aus dem Zusammenprall zweier gänzlich gegensätzlicher Filmwelten, erkennt aber, dass „hibbelige Kinderfilm-Protagonistin, die Bescheidenheit lernen muss, feiert die Brutalität ihres Alien-Kumpels“ keine 99 Filmminuten tragen kann. Also schleudert er seinem Publikum mit schnippischem Verve immer neue Auswüchse seiner Prämisse entgegen – von abstrusen Rückblenden über immer groteskeren Nebenfiguren bis hin zu widerlichen Verwandlungen: Wann immer der Eindruck entsteht, „Psycho Goreman“ gerät in den Leerlauf, kommt neuer Irrwitz auf uns zu.

Kostanski inszeniert seine schrägen Einfälle zielstrebig: Er holt vollen Schauwert aus den gelungenen praktischen Splattereffekten und den aufwändigen, gewollt albernen Kostümen heraus, während viele Digitaltricks auf komödiantisch überhöhte Weise schäbig gestaltet sind. Mal sieht der Film also gut aus für sein niedriges Budget, mal macht er sich über seine Makel lustig. Der Cast wiederum spielt stets in einem von zwei Modi auf: Entweder stehen die Figuren unter konstantem Energy-Drink-Schock (allen voran Nita-Josee Hanna als herrlich-niederträchtige Quälgeist-Persiflage) oder sie reagieren völlig stoisch auf sämtlichen Wirbel um sie herum (insbesondere Adam Brooks als geistesabwesender Vater), was für einige der besten Running Gags im Film sorgt.

PG

„Power Rangers“-LARP-Actionszenen

Kostanski kunterbunte Vereinigung aus frischen Einfällen und schrillen Referenzen gerät allerdings auch ab und zu ins Stolpern. So reichen die Kampfsequenzen partout nicht an die Splattereinlagen und das sketchartige Chaos rund um die Titelfigur heran: Wenn sich Psycho Goreman und andere Aliens bekämpfen, ist die Action-Choreografie zumeist genauso stumpf und ungelenk wie bei den „Power Rangers“, statt den trashigen Kindheitsfavoriten vieler 90er-Nostalgiker:innen auf eigenwillige Weise zu übertrumpfen. Daher ziehen sich diese Duelle unnötig.

Außerdem opfert Kostanski kohärente Charakterzeichnung und eine stimmige Ausarbeitung seiner Themen (Verantwortung übernehmen, seinen Platz in einem Gefüge hinterfragen) wiederholt für den schnellen Gag. Selbst wenn das in den schrillsten Anarcho-Momenten aufgrund des Überraschungseffekts in einige Spitzengags mündet, so bringt die ständige „Letztlich ist das alles auch egal!“-Attitüde auf langer Sicht zwangsweise eine hemmende Gleichgültigkeit aufs Tableau: Wenn gar nichts von Bedeutung ist, bleibt dieses riesige, ironisch-trashige Vergnügen aller Launigkeit zum Trotz ein schales Vergnügen. „Psycho Goreman“ will zwar ganz offensichtlich nicht mehr sein – aber mit einem Hauch Spannung oder etwas mehr Herz hätte der Irrsinn vielleicht noch denkwürdiger werden können.

Fazit

Als würden die „Power Rangers“ auf „Evil Dead“-Logik operieren: „Psycho Goreman“ ist der ideale, selbstironisch-trashige Filmspaß für einen feucht-fröhlichen Filmabend unter Fans des ganz durchgeknallten Genrekinos.

„Psycho Goreman“ ist ab dem 25. Februar 2021 auf DVD, Blu-ray und als 2-Disc-Mediabook erhältlich.

Alle Bilder: © KOCH Media Deutschland GmbH

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