Red Dot: Mörderische Jagd durch Schwedens Winter – jetzt bei Netflix!

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Was unterscheidet den Thriller vom Horrorfilm? Letztlich nicht viel. Spannend sollen beide sein, auch gern blutig. Während aber der Horrorfilm die Freiheit genießt, dem Publikum auch extrem schräge Storys aufzutischen und diese als übernatürlich zu erklären, muss ein Thriller in der Regel mit einem glaubwürdigen Szenario überzeugen, das so oder so ähnlich tatsächlich passieren könnte – oder nach Angaben mancher Produktion bereits passiert ist. Auch Red Dot von Regisseur und Co-Autor Alain Darborg fällt daher eindeutig in den Thriller-Bereich. Kann der Film, der optisch ausgezeichnet zur aktuellen Kältewelle passt, auch überzeugen?

Red Dot

Die Handlung

Nadja (Nanna Blondell) und David (Anastasios Soulis) sind ein Paar. Als er endlich sein Diplom als Ingenieur bekommt, hält er sofort um ihre Hand an – und sie sagt ja. 18 Monate später hat der Alltag die beiden eingeholt. David sitzt nach seinem harten Job oft auf der Couch und spielt Videospiele, für Nadja bleibt der Haushalt, obwohl sie eigentlich für ihr Medizinstudium viel mehr lernen müsste. Der Haussegen hängt schief. Da überrascht David seine Frau mit einer Reise in das ursprüngliche und für seine Nordlichter berühmte Bärental im Norden Schwedens. Dort will er Zeit mit ihr verbringen und ihre Streitigkeiten mit gemeinsamen Erlebnissen (und möglichem Sex) beilegen.

Schon auf der Fahrt dorthin fangen aber die Probleme an. An einer Tankstelle treffen Nadja und David auf zwei schräge Hinterwäldler, die rassistische Sprüche machen, denn Nadja ist schwarz. Und auch die Rezeptionistin im Hotel ist alles andere als freundlich. Dennoch wollen sich die beiden ihren Kurzurlaub nicht vermiesen lassen und ziehen mit ihrem Zelt und Hund Boris hinaus in die Weiten des großen Tals, um dort unter dem Nordlicht zu zelten. Allerdings bekommen sie in der Nacht nicht nur das bunte Naturschauspiel zu sehen, plötzlich leuchtet auch ein roter Punkt an ihrer Zeltwand auf – das Laservisier einer Sniper-Waffe. Will ein irrer Killer die beiden töten?

Red Dot

Story ok, Umsetzung mäßig 

Ein guter Thriller funktioniert oft nach dem Prinzip, dem Zuschauer nötige Informationen zum Verstehen der Story nach und nach zu geben, statt von Anfang an mit offenen Karten zu spielen. Auch Alain Darborg nutzt diese Technik, um Spannung aufzubauen und seine Protagonisten als unschuldig verfolgte Opfer zu inszenieren. Allerdings versteckt er bereits in der ersten halben Stunde des Films Hinweise darauf, dass Nadja und David keinesfalls Engel sind, sondern auch ihre kleinen Macken und Eigenheiten haben. Und er liefert durch ein paar unerfreuliche Begegnungen mit den Einheimischen auch ein paar mögliche Killer.

Hier soll natürlich nicht verraten werden, wer den beiden nun wirklich nach dem Leben trachtet – und ob überhaupt. Wir müssen aber sagen, dass die Story des Films nicht gerade sonderlich überzeugend erzählt ist. Die Geschichte, die Darborg dem Publikum auftischt, ist zwar durchaus vorstellbar, allerdings ist der Weg zu einem blutigen Finale nicht durchgehend spannend, hat trotz der kurzen Laufzeit des Films von 85 Minuten ein paar Längen. Zudem schlägt die Handlung ein paar Haken, die nur mit viel guten Willen noch als glaubwürdig durchgehen.

Red Dot Nadja

Die Bedrohung durch die Kälte ist kaum spürbar

Auffällig ist auch, dass Darborg, der bislang ausschließlich fürs schwedische TV aktiv war, einen seiner Stars fast sträflich ungenutzt lässt – die Natur. Wenn man sich andere Thriller in Eis und Schnee ansieht – wie den großartigen Wind River zum Beispiel – dann bekommt man eine Idee davon, was mit den eisigen Temperaturen, aber auch der erhabenen Schönheit einer unberührten schneeweißen Landschaft, inhaltlich und optisch anzufangen ist. Davon sieht man in Red Dot leider nur sehr wenig. Seine Helden zittern zwar, scheinen aber letztlich weitgehend immun gegen die Kälte zu sein, egal, was ihnen auch zustößt.

Das größere Problem von Red Dot ist aber die Tatsache, dass dem Zuschauer die vermeintlichen Helden der Geschichte nie emotional näherkommen. Man mag durchaus mit Interesse zusehen, aber das Eintauchen in ihr Schicksal findet nicht statt. Das liegt weniger an den beiden Schauspielern, die sich durchaus abmühen, dem Publikum sympathisch zu sein, als vielmehr am mäßigen Drehbuch, das die durchaus interessanten Twists deutlich zu plump in die Handlung wirft, um erfahrene Genre-Freunde auch nur ein einziges Mal zu überraschen. Wenn das Finale endlich verrät, worum es eigentlich geht, fehlt dann der echte Punch, den man nicht kommen sieht.

Red Dot David

Dazu nutzt Darborg auch zu viele Klischees über Hinterwäldler und andere Stereotypen, die den Film nicht besser machen. Der Schluss mag zwar eher Genre-untypisch sein, ob ihn das aber besser macht, ist eine berechtigte Frage. Letztlich baut Red Dot mit seinem Trailer und Plot eine Erwartungshaltung beim Publikum auf, die er nicht halten kann.

Fazit:

Red Dot möchte ein kleiner, gemeiner Thriller sein, lässt aber fast alle dazu nötigen Zutaten vermissen. Regisseur und Co-Autor Alain Darborg gelingt es weder, dem Publikum echtes Mitleid für seine Protagonisten zu entlocken, noch, die grandiose Naturkulisse, die der Film eigentlich hat, adäquat in Szene zu setzen. Zusammen mit der wenig originellen Auflösung und einigen Szenen, die arg aufgesetzt wirken und nicht so recht in die Story passen wollen, bleibt unterm Strich ein nur wenig beeindruckender Thriller von der Stange übrig. Schade um die verpassten Gelegenheiten.

Red Dot startet am 11. Februar 2021 bei Netflix.

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