Schnelles Geld: So gut ist die schwedische Thriller-Serie bei Netflix

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Melancholische Kommissare, die sich mit unaussprechlichen Gräueltaten auseinandersetzen müssen: Nicht erst seit Henning Mankells Wallander, dessen junge Version auch vor einigen Monaten bei Netflix auftauchte, gelten skandinavische Krimis und Thriller als besonders gelungen, wenn es um tiefe Charakterzeichnung und fiese Verbrechen geht. Die neue Netflix-Serie Schnelles Geld geht einen anderen Weg und taucht tief in verschiedene Milieus der Hauptstadt Stockholm ein. Kein klassischer Nord-Krimi also – aber trotzdem gut?

Schnelles Geld @Netflix

Leya will ein besseres Leben für sich und ihren Sohn – und setzt alles auf ihre Start-Up-Idee.

Die Handlung

Die alleinerziehende Witwe Leya (Evin Ahmad) arbeitet seit vielen Monaten hart an ihrer Geschäftsidee, mittels Algorithmen Märkte für Firmen transparenter zu machen. Doch nun geht ihr das Geld ihres Investors aus und sie braucht dringend eine weitere Finanzspritze, um ihre Idee weiterzuverfolgen und eines Tages für sich und ihren Sohn Sami ein besseres Leben zu ermöglichen. Zwar sagt der Geldgeber weitere Mittel zu, lässt sich dann aber am Telefon verleugnen und scheint Leya austricksen zu wollen. Fieberhaft sucht die junge Frau deshalb nach anderen Geldquellen. Doch ihren Schwager Ravi (Dada Fungula Bozela) fragt sie dennoch nicht nach Hilfe – aus gutem Grund.

Der ist Drogendealer und deckt mit seiner Gang Teile der Stadt mit allem ein, was gebraucht wird. Und mit Drogengeld will Leya nichts zu tun haben. Daher weiß sie auch nicht, dass der nette Salim (Alexander Abdallah), den sie auf einer Feier kennenlernt, Ravis rechte Hand ist. Der verliebt sich in Leya, ohne zu wissen, dass sie mit Ravi verwandt ist. Als er dann auch noch den jungen Tim (Ali Alarik) zum neuen Drogenkurier ausbilden soll, meldet sich Salims Gewissen. Doch das hat für alle Beteiligten fatale Folgen, denn aus dem Drogengeschäft kann man nicht so einfach aussteigen ...

Schnelles Geld @Netflix

Als sie auf einer Party den netten Salim kennenlernt, flirtet sie mit ihm.

Drei Schicksale miteinander verwoben

Serien-Autor Oskar Söderlund ließ sich bei seiner Story von der Romantrilogie Stockholm Noir inspirieren, ohne jedoch die Handlung aus den Büchern zu übernehmen. Allerdings ist die Grundidee, Kriminelle mit Geschäftsleuten in Verbindung bringen, auch Kernstück der Romane. Söderlund lässt dabei wenig Zweifel daran zu, dass er beide Welten für Haifischbecken hält, in denen nur die Starken und Erbarmungslosen überleben. Dafür stellt der Autor drei Charaktere in den Fokus seiner Geschichte. Neben der klaren Hauptfigur Leya sind auch Salim und Tim wichtige Personen in Söderlunds Vision von Geldkreisläufen und Moral.

Die beiden Regisseure der Serie, Man Mansson und Jesper Ganslandt, erzählen das sich früh abzeichnende Drama, aus dem keiner ganz unbeschadet herauskommt, mit fast dokumentarischen Mitteln. Der ewig unruhigen Leya folgt eine wackelnde Handkamera, um die Hektik ihres Lebens sichtbar zu machen. Salims Geschichte wird in ruhigeren Bildern erzählt, bis es zu Gewaltspitzen kommt, die wie ein Actionfilm ablaufen – und auch so inszeniert sind. Und für den jungen Tim ist vor allem der Adrenalinkick und der Respekt der Gangster wichtig, was die Kamera ebenfalls fast dokumentarisch aufnimmt.

Schnelles Geld @Netflix

Was sie nicht weiß: Salim gehört zu einer Drogen-Gang.

Zu viel Schema F

Authentizität ist denn auch ein gutes Stichwort für Schnelles Geld. Zwar ist die Serie von Klischees durchzogen, aber die Autoren entwickeln immer wieder auch Szenen, die aus dem typischen Drogen-Krimi-Schema ausbrechen. Das betrifft hauptsächlich die spannendste Figur der Serie – Salim. Denn nachdem er sich in Leya verliebt hat, stellt er sein Leben auf den Prüfstand und merkt, dass er viele Dinge so nicht mehr will. Auf der einen Seite fühlt er eine große Loyalität für Ravi und dessen Pläne, auf der anderen Seite wünscht er sich mit Leya ein bürgerliches Leben und die Abkehr von Gewalt, die ihm zutiefst zuwider ist.

Dieser innere Konflikt, den Alexander Abdallah auch sehr glaubhaft auf den Bildschirm bringt, wird letztlich auch zum moralischen Kompass für die ganze Serie. Denn der eigentliche Gangster wird hier freundlicher und emotionaler gezeigt als viele der Finanzhaie, die schon im Geld schwimmen, aber trotzdem keine Gelegenheit auslassen, jemanden für einen guten Deal über den Tisch zu ziehen. Besonders der Selfmade-Milliardär Tomas Storm (Olle Sarri) ist ein Musterbeispiel einer Heuschrecke ohne Gewissen – und leider auch sehr klischeehaft gezeichnet. 

Schnelles Geld @Netflix

Und die wird ausgerechnet von Leyas Schwager Ravi geführt, weswegen sie mit ihm auch nichts zu tun haben will.

Daran leidet die eigentlich interessante Story auch merklich. Statt durchgehend auf eine originelle Geschichte zu setzen, nutzen die Autoren immer wieder schablonenhafte Figuren und Ereignisse wie die ständig fluchende Gangsterbraut oder den nach klassischen Regeln ablaufende Drogenkrieg. Hier wären neue, frischere Wege schön gewesen. Dennoch gelingt dem schwedischen Kreativ-Team mit dieser sechsteiligen Erzählung eine spannende und stets unterhaltsame Serie, die auch nach sechs Folgen ihre Geschichte zu einem befriedigenden Ende bringt und nicht dringend eine zweite Staffel braucht.

Fazit:

Schnelles Geld erzählt eine interessante Idee, indem sie die Welt der Start-Ups mit ihrer Goldgräberstimmung mit dem Drogenmilieu vergleicht – und erstaunliche Parallelen findet. Die hierzulande weitgehend unbekannten Schauspieler erwecken einige interessante Charaktere zum Leben, leider sind nicht alle frei von gängigen Klischees klassischer Drogen-Dramen. Doch die drei verschiedenen Blickwinkel auf das Gesamtbild machen die Serie für Krimifans durchaus zum Hingucker. Wer sich für Geschichten wie 4 Blocks begeistern kann, sollte in diese schwedische Thriller-Serie auch mal reinschauen.

Schnelles Geld startet am 7. April 2021 bei Netflix.

Schnelles Geld @Netflix

Als der junge Tim neues Mitglied der Gang wird, bekommt Salim Probleme mit seinem Gewissen.

Wertung

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