Shadow and Bone: Unsere Meinung zur neuen Fantasy-Serie bei Netflix

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Bei Fantasy-Romanen kann man den Eindruck gewinnen, viele wären, ganz ähnlich zu manchen Liebesromanzen, durch eine Art Blaupausen-Generator gelaufen. Die Story erzählt in aller Regel von einer jungen Frau, die ohne es zu ahnen, besondere Kräfte in sich trägt oder zum Objekt einer Prophezeiung wird. Und dann mit einem ganz neuen Leben zurechtkommen, Gefahren trotzen und ihre wahre Bestimmung finden muss. Gefühlt gibt es diese Geschichte im Fantasy-Regal der Buchläden zu Dutzenden. Und genau so eine Geschichte kommt nun mit Shadow and Bone – Legenden der Grisha bei Netflix auf uns zu. Lohnt sich das Einschalten trotzdem?

Shadow and Bone @Netflix

Alina und Mal sind seit Kindertagen unzertrennlich.

Die Handlung

Seit Jahrhunderten ist das Land Ravka durch einen Streifen dunklen Nebels zweigeteilt, genannt Ödsee oder Schattenflur. Darin leben Volcra, gefährliche, fliegende Monster, die jede Durchquerung des Gebiets zum lebensgefährlichen Unterfangen machen. Das ist allerdings der jungen Alina (Jessie Mei Li) ziemlich egal, die als Waise mit ihrem besten Freund Mal (Archie Renaux) aufwuchs und nun in der Armee Ravkas als Kartenzeichnerin dient. Doch als sie erstmals die Flur durchqueren soll und das Schiff dabei von den Volcra attackiert wird, gerät Mal in Lebensgefahr. Ohne es zu wissen, entfesselt Alina die Macht der Sonne und rettet Schiff und Mannschaft. Nun ist klar: Sie ist eine Grisha, eine Magiebegabte, die als Kind den Tests dazu entkommen konnte.

Alinas Leben ändert sich von Grund auf. Denn der schwarze General Kirigan (Ben Barnes), ein Grisha, der die selbe dunkle Macht beherrscht wie der Magier, der die Flur vor Jahrhunderten schuf, wird auf sie aufmerksam. So lebt sie bald in einem Schloss und wird von der mürrischen Baghra (Zoe Wanamaker) ausgebildet. Denn ihre Fähigkeit, bei den Ravka auch Sonnenkriegerin genannt, ist hochgradig selten und könnte die Schattenflur vielleicht sogar vernichten. Das Gerücht über Alinas Fähigkeit lockt auch eine Bande Kleinkrimineller um den verschlagenen Kaz (Freddy Carter) an, der die Sonnenkriegerin entführen und für viel Geld wieder verkaufen will ...

Shadow and Bone @Netflix

Mit der Schattenflur hatte Alina nie viel zu tun, doch dann entdeckt sie ihre Fähigkeiten, Licht zu erzeugen.

Standard-Hauptstory mit guten Nebenhandlungen

Wie schon gesagt: Junge Frau hat sagenhafte Fähigkeiten, das ist absoluter Fantasy-Durchschnitt. Und genauso ist es auch in der Serie Shadow and Bone, die auf den Romanen der US-Autorin Leigh Bardugo basiert. Die Storyline um Alina ist in der ganzen Serie der vorhersehbarste und langweiligste Teil. Erfreulicherweise beschränkt sich Shadow and Bone aber nicht allein auf ihre Story, sondern erzählt noch Nebenhandlungen, die zum Großteil deutlich interessanter verlaufen als der Hauptplot. So sind schon die seltenen Szenen zwischen der Grisha Nina (Danielle Galligan) und dem Hexenjäger Mathias (Callahan Skogman) unterhaltsamer als alles, was Alina in der Serie zu sagen hat.

Und auch die Geschichte von Kaz, Jesper und Inej, den Krähen, ist deutlich witziger und origineller als der übliche Fantasy-Inhalt. Showrunner Eric Heisserer (Lights Out, Arrival) hat offenbar auch gemerkt, dass die Romanvorlage Goldene Flammen, der erste Teil der Grisha-Trilogie um Alina, alleine nicht reichen würde, um eine spannende Serie zu schaffen und nahm daher die Krähen-Story aus einem Zweiteiler von Bardugo mit dazu, der in der gleichen Welt spielt. Und in dieser Mischung funktioniert Shadow and Bone trotz vieler Fantasy-Klischees und stereotyper Charaktere recht gut. Das liegt neben den gelungenen Figuren rund um Alina auch am Setting der Story, das es so nicht oft zu sehen gibt.

Shadow and Bone @Netflix

Damit wird sie für General Kirigan, den Anführer der Grisha, zur wichtigen Person.

Frisches Setting

Denn Bardugo lässt ihre Geschichte in einer Welt spielen, die an Russland um 1830 erinnert. Waffen und Uniformen, Städte, Landschaften, Namen und Schrift, all das hat eigentlich mit Fantasy nichts zu tun – und ist deshalb so erfrischend. Tatsächlich ist der Look von Shadow and Bone einer der größten Pluspunkte der Serie und macht wirklich Spaß. Kenner werden sich ein wenig an Steam-Punk erinnert fühlen (Zylinder, lange Gehröcke, wallende Kleider), Serienfans dürften etwas vom Flair von Carnival Row (deren zweite Staffel noch dieses Jahr starten sollte) wiederfinden, wobei sich diese Serie optisch eher auf das England des 19. Jahrhunderts stützt. Aber Ähnlichkeiten sind unverkennbar.

Dazu merkt man dem Drehbuch die sichere Hand eines erfahrenen Autoren an, denn Heisserer gelingt es, aus den Vorlagen eine Story zu entwickeln, die ihre Spannung kontinuierlich aufbaut und mit jeder Minute interessanter wird. Zwar ist die ganze Geschichte nach einer Staffel noch nicht erzählt, das wird bald deutlich, aber Heisserer gelingt ein Finale, mit dem man als Zuschauer gut leben kann, sollte Netflix keine zweite Staffel der Serie bestellen. Da aber auch deutlich konventionellere Serien wie Fate – The Winx Saga eine Fortsetzung bekamen, darf man hier als Zuschauer sicher auch hoffen. Fantasy ist eben noch immer angesagt, da sollte es für Shadow and Bone auch weitergehen. Zumal die Romane als Trilogie abgeschlossen sind und drei Staffeln bei Netflix durchaus Chancen auf Umsetzung haben.

Shadow and Bone @Netflix

Die drei Krähen Jesper, Kaz und Inej wollen Alina entführen.

Ist die Story auch nicht immer Gold, so glänzen hier doch die Darsteller. Am wohl bekanntesten ist Ben Barnes, der seit seinem Karrierestart als guter Prinz Kaspian in Narnia mittlerweile eher auf Schurken gebucht ist – und der für seine undurchsichtige Rolle daher perfekt passt. Jessie Mei Li ist leider die typische Fantasy-Heldin, da bleibt der Schauspielerin nicht viel zu tun. Am auffälligsten sind aber die drei Krähen Freddy Carter, Amita Suman und Kit Young , die ein wenig Krimistimmung in die Story bringen. Fans der britischen Serie Die Musketiere (2014-16) haben gleich drei Gründe zum Einschalten: Hugo Speer (Captain Treville), Luke Pasqualino (D'Artagnan) und Howard Charles (Porthos) spielen hier Nebenrollen.

Fazit:

Konventionelle Fantasy-Story verpackt in spannende Nebenplots und des frischen Settings Russisches Zarenreich des frühen 19. Jahrhunderts – das ist Shadow and Bone – Legenden der Grisha. Das ist etwas düsterer und blutiger als Serien wie Fate – The Winx Saga, bleibt aber doch nahe an klassischer Fantasy. Wer auf ein zweites Game of Thrones hofft, ist hier also falsch. Dennoch sind vor allem die Fantasy-Gangster um Kaz erfrischend anders und auch die eine oder andere Nebenhandlung mit politischen Intrigen und verbotener Liebe reichert die ansonsten wenig originelle Story mit Schauwerten an. Fans von Fantasy aller Art werden hier in jedem fall fündig.

Shadow and Bone – Legenden der Grisha startet am 23. April 2021 bei Netflix (acht Folgen).

Shadow and Bone @Netflix

Währenddessen versucht die Grisha Nina, ihrem Jäger Mathias zu entkommen.

Wertung

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