Shadow in the Cloud: Wie unterhaltsam ist der vogelwilde Horror-Fantasy-Mix?

 | Spiele.de
Springe zu...
TEILEN

Mit inzwischen 24 Jahren ist der ehemalige Kinderstar Chloe Grace Moretz (Kick Ass, Carrie), die bereits mit acht Jahren zum ersten Mal vor einer Kamera stand, endgültig bei den Rollen erwachsener Frauen angekommen. In ihrer langen Karriere hat die junge Schauspielerin bereits in vielen verschiedenen Genres mitgewirkt – Horror, Science-Fiction, Drama, Komödie. Einen derart wilden Genre-Mix wie in Shadow in the Cloud hat sie bislang allerdings noch nicht in ihrer Filmographie gehabt, das ändert sich nun. Wie gut diese Mischung ist, klärt die Kritik.

Shadow in the Cloud @Splendid Films

Die junge Maude will unbedingt den Flug der B-17 erwischen.

Die Handlung

Neuseeland im Kriegsjahr 1943: Die junge Soldatin Maude (Chloe Grace Moretz) erwischt in letzter Sekunde noch den Aufklärungsflug eines B-17 Bombers. Mit an Bord bringt sie eine geheimnisvolle Ledertasche, dessen Inhalt für die Crew des Flugzeugs tabu ist, daran lässt Maude keinen Zweifel. Sie selbst sei im Auftrag eines hohen Tiers der Armee in einer streng geheimen Mission unterwegs, über die sie keine Auskünfte geben dürfe. Auch wenn ihr die Männer des Teams nicht wirklich glauben, so wagt doch keiner, die Dokumente anzuzweifeln, die sie mit sich führt. Aber die junge Frau muss sich im engen unteren Geschütztürm einquartieren, wohin sie die Tasche nicht mitnehmen kann.

Während Maude den Sex-Gesprächen der Männer lauscht, die nicht wissen, dass sie alles hören kann, entdeckt sie plötzlich unten an einer Tragfläche einen seltsamen Körper, der sich zu bewegen scheint. Nur Sekunde später wird sie von einer Art großer Fledermaus attackiert und verletzt, kann ihren Turm nur mit Mühe verteidigen. Sie beschließt, den Männern der Crew nichts von ihrem Erlebnis zu erzählen, um sich nicht noch unglaubwürdiger zu machen und hält die Augen offen. Wenig später sieht auch ein anderes Crewmitglied das Wesen. Gleichzeitig taucht eine japanische Zero am Horizont auf und macht Jagd auf das US-Flugzeug. Die Ereignisse überschlagen sich ...

Shadow in the Cloud @Splendid Films

An Bord werden sie und ihre Tasche von der Crew misstrauisch beäugt.

Wilder Mix, der funktioniert

Die englische Wikipedia-Seite zu Shadow in the Cloud sieht ihn als Fantasy-Abenteuer-Action-Horror-Film und man könnte noch Kriegsfilm ergänzen ohne zu übertreiben. Allerdings liegt das wohl weniger an Regisseurin Roseanne Liang, die hier ihr Langspielfilm-Debüt gibt, sondern mehr an Drehbuchautor Max Landis. Denn der Sohn des großen Regisseurs John Landis ist für Genere-übergreifende Scripts und Ideen bekannt. So mischte er schon in seinem ersten Drehbuch Chronicle Superhelden-Themen mit Found-Footage-Stil. Und hat seitdem Romanzen, Horror, Sci-Fi und Komödien geschrieben. Warum also nicht alles in einen Topf werfen und sehen, was passiert?

Und es passiert so einiges in Shadow in the Cloud, nur leider nicht sonderlich gut über den Film verteilt. Denn die erste halbe Stunde verbringt das Publikum weitgehend in einem Hörspiel, während es sich Moretz' mimische Reaktionen auf die Gespräche der Männer ansieht. Da kommt der erste Auftritt des Gremlins umso schockierender. Liang macht da auch keine halben Sachen und zeigt das Monster relativ früh im Film. Abgesehen davon, bleibt der Action-Level der ersten Filmhälfte aber gering, was sich in Hälfte zwei radikal ändert. Denn ab einem gewissen Punkt, an dem es Maude nicht mehr in ihrem kleinen Turm hält, tritt der Film massiv aufs Gas – und steigt nicht mehr auf die Bremse.

Shadow in the Cloud @Splendid FIlms

Schließlich quartiert sie der Captain im unten Geschützturm ein, eine enge Sache!

Keine Story zum Analysieren

Mit zunehmendem Tempo schmeißen Landis und Liang allerdings auch sämtliche Logik über Bord und erzählen eine derart vogelwilde und abstruse Geschichte, dass sich dort wohl die meisten Zuschauer innerlich verabschieden, die den Film als halbwegs ernsthaften Versuch, eine Fantasy-Story zu erzählen, gesehen hatten. Absurde Zufälle, das Aushebeln von physikalischen Grundgesetzen und eine immer wirrer werdende Story sorgt irgendwann nur noch für ungläubiges Staunen – oder eben Lacher. So wäre Shadow in the Cloud als durchgeknallter Partyfilm eine Wucht, wären die ersten 40 Minuten nicht so extrem ruhig. Was er in den letzten 20 Minuten zeigt, würde selbst Indiana Jones vor Neid erblassen lassen.

Dabei dient die Aufdeckung des Tascheninhalts als Initialzündung: Von diesem Moment an gibt es in Shadow in the Cloud kein Halten mehr. Die Haken, die Maudes Story vorher schlägt, verpuffen hingegen im Angesicht des Spektakels, das folgt. Und ihre ganze Motivation für ihr Tun hält einer genaueren Betrachtung ohnehin nicht stand. Aber Landis wollte eine junge Frau in der Luft in schier unglaubliche Situationen bringen – und das hat er getan. Zudem lässt sich Landis' Drehbuch auch als tiefe Verbeugung vor den Serials der 20er und 30er Jahre sehen, in denen der Held jede Woche in einer schier aussichtslosen Situation zurückgelassen wurde (das Wort Cliffhanger stammt von dort).

Shadow in the Cloud @Splendid Films

Bald kämpft Maude um ihr nacktes Überleben in der Luft.

Chloe Grace Moretz nimmt diese Herausforderung an und spielt nach Hitgirl in den Kick-Ass-Filmen erneut eine körperlich extrem anspruchsvolle Rolle. Ob sie jemals so durchgeschüttelt, durch die Luft geschleudert, an etwas hängend oder um ihr Leben kämpfend gezeigt wurde, wie in diesem Film, darf bezweifelt werden. Wer es also schafft, sein Gehirn weitgehend auszuschalten und sich auf ebenso hanebüchene wie gut gemachte Fantasy-Action mit leichtem Horror-Einschlag zu freuen, hat mit Shadow in the Cloud eine gute Zeit. Wäre der Film nicht so unentschieden in seiner Erzählung, er hätte wohl noch besser abgeschnitten.

Fazit:

Mit Shadow in the Cloud liefern Regisseurin und Autorin Roseanna Liang und Drehbuchautor Max Landis einen derart durchgeknallten Mix an Fantasy, Action, Horror und Abenteuer, dass es der perfekte Party-Film wäre, würde er nicht die ganze erste Hälfte als Kammerspiel erzählt, in dem die einzige Action das Lauschen der Dialoge aus dem Off darstellt. Was der Film aber in den letzten 20 Minuten an abstrusen Kapriolen zu bieten hat – und das auch noch auf dem engen Raum eines Flugzeugs, kann sich absolut sehen lassen, solange man nicht über den Sinn oder Unsinn der Handlung nachdenkt. Eine großer Spaß mit zu langem Anlauf.

Shadow in the Cloud ist digital bereits erhältlich und erscheint am 30. April 2021 als DVD und Blu-Ray.

Shadow in the Cloud @Splendid Films

Zeit sich näherzukommen hat sie aber trotzdem.

Wertung

Weiterlesen