Soul: Der neue Pixar-Film jetzt bei Disney+

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Schon lange hat das Animationsstudio Pixar nicht mehr nur die kleinen Zuschauer im Auge, wenn es einen neuen Film konzipiert. Selbst die Werke, die sich noch deutlich an Kinder richten, sind auch für die Eltern bestens geeignet. Und immer wieder bringt Pixar Filme auf den Markt, bei denen die Zielgruppe ganz und gar nicht mehr eindeutig ist. Mit Soul, dem neuen Werk des Regisseurs Peter Docter, der bereits den grandiosen Alles steht Kopf für Pixar inszenierte, ist jetzt der Punkt erreicht, an dem man sagen muss: Soul ist auch (noch) für Kinder geeignet, richtet sich aber in erster Linie an Jugendliche und Erwachsene. Wie gut ist er?

Soul

Die Handlung

Joe Gardner ist ein Musiklehrer in den besten Jahren, der zwar für seine begabten Schüler brennt, aber heimlich doch noch immer mit einer Karriere als Jazz-Pianist liebäugelt, wie bereits sein Vater einer war. Daher freut er sich auch nur bedingt, als ihm die Schulrektorin endlich eine Vollzeit-Stelle anbieten kann, denn das würde seine Chance, als Musiker seinen Lebensunterhalt zu verdienen, endgültig begraben. Viel cooler ist da schon der Anruf eines ehemaligen Schülers, der als Drummer im legendären Dorothea Williams-Quartett spielt - und Joe verkündet, dass die Chefin ihn zum Vorspielen für einen Gig einlädt. Natürlich lässt sich Joe diese Chance nicht entgehen.

Und tatsächlich gerät er beim Spielen mit den anderen Musikern in den Flow, wie er es nennt, lässt sich von der Musik tragen und verzaubert mit seinem Spiel die Mitglieder des Quartetts so sehr, dass Dorothea ihn für das abendliche Konzert bucht. Voller Glück scheint Joe durch New York zu schweben - bis ihn die Schwerkraft unsanft einholt: Er fällt in einen offenen Gully-Kanal und stirbt scheinbar dabei. Denn kurze Zeit später findet er sich als Seele im Großen Vorher wieder, wo er auf seine Abreise ins Große Dahinter vorbereitet werden soll. Doch Joe will nicht ausgerechnet an seinem schönsten Tag sterben und kämpft gemeinsam mit seiner neuen Freundin, Seele 22, gegen sein Schicksal an ...

Soul

Nichts für Kinder?

Pixar hat schon sehr lange ein Händchen dafür, auch traurige oder besonders emotionale Momente in wundervolle Bilder zu kleiden. Wer die ersten Minuten aus Up kennt oder Wall-E bei seinem Weltraumtanz mit Eva beobachtet hat, der weiß, was gemeint ist. Die kreativen Köpfe der wohl erfolgreichsten Animations-Schmiede Hollywoods haben noch nie davor zurückgeschreckt, auch Stoffe zu erzählen, die mit dem Prädikat Kinderfilm nicht mehr passend etikettiert werden können. In Soul treiben sie diese Fähigkeit nun auf die Spitze. Denn dass sich ein Animationsfilm mit dem Tod und dem Leben danach beschäftigt, ist zumindest außerhalb der Anime-Szene Asiens eher ein Novum.

Und so ist auch die erste Hälfte von Soul nur sehr bedingt für Kinder geeignet. Die Emotionen des vielleicht 40-jähirgen Joe werden sie kaum nachvollziehen können, der Humor ist zwar harmlos, aber ebenfalls deutlich erwachsen. Und die Helfer im Aufenthaltsraum der Seelen sehen aus, als stammten sie aus einem Skizzenbuch von Pablo Picasso und haben so gar nichts mit niedlichen Figuren aus einem Kinderfilm gemeinsam. Erst in der zweiten Hälfte, wenn es Joe und 22 gelingt, auf Umwegen wieder auf die Erde zu kommen, entwickeln sich Verwechslungs- und Slapstick-Szenen, die auch für jüngere Zuschauer richtig witzig sind. Eine leise Melancholie behält der Film dennoch immer bei.

Soul

In Form und Inhalt grandios

Natürlich hat Disney immer ein Auge darauf, dass die Werte, die der Konzern seit Jahrzehnten vermittelt, in neuen Filmen nicht verwässert oder gar konterkariert werden. Und so ist auch Soul im Kern eine Geschichte über Liebe und Freundschaft. Dennoch trauen sich die Macher hier eine Dinge, die es vor wenigen Jahren so in einem Disney-Film noch nicht zu sehen gegeben hätte. Ob das eine unterschwellige sexuelle Anziehungskraft zwischen zwei Figuren ist oder eben der schräge Humor, der sich Kindern in vielen Szenen nicht erschließen kann - Pixar geht hier einen weiteren Schritt weg vom reinen Familien- und hin zum Erwachsenenfilm, der eben zufällig animiert ist. Und wie!

Denn während das Seelenleben nach dem Tod eher eine abstrakte Welt ist, sind die Animationen, die auf der Erde spielen, spektakulär gut. Wenn die Band beispielsweise ihr Konzert gibt und sich langsam ein leichter Schweißfilm auf der Haut der Musiker bildet, ist das in einem Detailgrad zu erkennen, den es so noch nicht gab. Und auch New York wird in einer Bilderpracht zum Leben erweckt, dass der Zuschauer manchmal zweimal hinsehen muss, um sich zu vergewissern, dass hier nicht Realfilm mit Animation gemixt wurde. Ein weiteres Mal zeigt sich Pixar als Meister seines Fachs und hängt die Messlatte für realistisch aussehende Welten ein Stück höher.

Soul

Das Schönste an Soul ist dennoch nicht die Optik, sondern die Story. Mit welcher Leichtigkeit sich Pete Docter und sein Team eines schwierigen Themas wie Tod und der Frage, was danach kommt, annehmen und einen tief emotionalen, aber immer wieder auch saukomischen Film daraus machen, das nötigt für den Mut und die Brillanz der Umsetzung schlicht und einfach eine Menge Respekt ab. Wer sich den Film im Original ansieht, bekommt dazu noch eine Menge Star-Appeal als Sahnehäubchen. Neben Jamie Foxx und Tina Fey sind auch Daveed Diggs, Graham Norton, Angela Bassett und viele andere Hochkaräter zu hören. Soul ist ein wunderbarer Film - aber nicht mehr unbedingt für Kinder.

Fazit:

Trotz gelegentlicher Rückschläge (wie etwa The Good Dinosaur) geht Pixar seinen Weg hin zu ungewöhnlichen und mutigen Geschichten weiter. Dass die kreativen Köpfe dort keine Angst vor dem Thema Tod haben, bewiesen sie schon mit Coco, mit Soul gehen sie nun noch einen Schritt weiter und zeigen ein mögliches Leben nach dem physischen Ende eines Menschen. Und dass tun sie mit so viel Leidenschaft, Humor und optischer Brillanz, dass Soul, so spät im Dezember er auch kommt, definitiv zu den besten Filmen des Jahres gehört. Kaum ein Film hatte je einen treffenderen Titel, denn er verfügt über so viel Seele, dass er so gut wie jeden Zuschauer in seinen Bann schlagen dürfte. Jazz-Fans haben aber einen leichten Vorteil.

Soul startet am 25. Dezember 2020 ohne Zusatzkosten bei Disney+.

Soul

Wertung

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