Space Sweepers: Koreanischer Weltraum-Bombast jetzt bei Netflix

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Südkorea hat sich in den vergangenen Jahren stetig zu einem der spannendsten Lieferanten von Filmen entwickelt. Ob Regisseur Bong-Joon-ho, der mit Parasite einen Oscar gewann und schon vorher mit Snowpiercer, The Host oder Memories of Murder für Aufmerksamkeit sorgte. Oder Park Chan-wook, der mit seinen Rachethrillern wie Old Boy oder Sympathy for Mr Vengeance Furore machte. Und von Yeon Sang-ho stammt mit Train to Busan einer der besten Zombiefilme der vergangenen Dekade. Nun hat sich Netflix Space Sweepers geschnappt, der eigentlich in den Kinos hätte laufen sollen, durch Corona aber nicht gestartet werden konnte. Passt er in die Reihe richtig guter Filme aus Korea?

Space Sweepers Fabrik

Die Handlung

Wir schreiben das Jahr 2092. Die Erde ist fast unbewohnbar geworden und die letzten Tage der Menschheit dort scheinen angebrochen. Der Megakonzern UTS unter der Leitung des 152-jährigen James Sullivan (Richard Armitage) hat den Mars terrageformt und bietet nun reichen menschen die Umsiedlung aus der bisherigen Raumstation im Erdorbit zum ehemals roten Planeten. Damit die Flüge kein Risiko darstellen, gibt es die Space Sweepers, die den ganzen Weltraumschrott im Orbit beseitigen und dafür mit einem kargen Lohn abgespeist werden. Eines dieser Schiffe ist die Victory, die unter den Sweepers als besonders skrupellos und gierig berüchtigt sind.

Das ändert sich, als Captain Jang (Kim Tae-ri), Pilot Tae-ho (Song Joong-ki), Maschinst Tiger Park (Jin Seon-kyu) und Ex-Militär-Roboter Bubs in den Trümmern eines Schiffes ein kleines Mädchen entdecken. Wenig später erfährt die Crew aus den Nachrichten, dass es sich bei Dorthy gar nicht um ein Mädchen handelt, sondern um einen Roboter, der eine Bombe in seinem Inneren trägt. Das muss sich doch zu Geld machen lassen! Also kontaktiert Tae-ho die Terrorgruppe der Black Wolves, die angeblich eine hohe Summe für den Roboter zu zahlen bereit ist. Doch bald tauchen in der offiziellen Geschichte über Dorothy erste Lücken auf, die nicht mit dem zusammenpassen, was die Crew der Victory weiß ...

Space Sweepers Dorothy

Popcorn-Kino, wie es sein soll

Laut Wikipedia hat Space Sweepers etwa 22 Millionen Dollar gekostet. Der Film sieht aber deutlich teurer aus und wirft mit Schauwerten nur so um sich. Auch ansonsten steht der Film des Regisseurs und Co-Autors Jo Sung-hee seinen US-Vorbilder kaum nach. Allerdings erfindet er das Rad auch nicht neu. Viele Aspekte der Story und der Optik kennen Sci-Fi-Fans bereits wie ihre Westentasche. Die Story ist ein Konglomerat aus Filmen wie Elysium, Snowpiercer und I, Robot, optisch haben sich die Macher von Blade Runner, Matrix oder auch Firefly inspieren lassen. Allerdings gelingt es Jo Sung-hee und seinem Team, daraus eine coole und sehr ansehnlich Mixtur zu bereiten, die wirklich Spaß macht.

Das fängt mit den Figuren an. Alle drei menschlichen Besatzungsmitglieder haben eine kurze, aber völlig ausreichende Background-Story, die ihr Verhalten erklärt. Und alle verlieben sich auf ihre Art in das kleine Mädchen, das sie eigentlich für eine tödliche Gefahr halten sollen. Mit Tae-ho, der bereits einmal eine Tochter verloren hat und der nun alles versucht, sich nicht erneut an ein Kind zu binden, kehrt sogar ein wenig Tiefgang in die ansonsten auf Popcorn-Kino-Basis funktionierende Story ein. Ebenfalls sehr positiv: Das oft typische asiatische Over-Acting ist in Space Sweepers auf ein Minimum beschränkt – auch weil viele Nicht-Asiaten mitspielen.

Space Sweepers Jang

Viele Sprachen, cooler Schurke

Das führt zu einem gewollten Sprach-Wirrwarr aus Englisch, Koreanisch, Französisch, Russisch, Spanisch und anderen Sprachen, von denen lediglich das Koreanisch deutsch synchronisiert wurde, der Rest wird nur untertitelt. Diese geradezu babylonische Sprachenvielfalt verleiht dem Film aber auch ein ganz eigenes Flair und sorgt für einen ordentlichen Schub an Glaubwürdigkeit in diesem neuen Film-Universum. Ebenfalls ein Glücksgriff ist Richard Armitage als schurkischer Tyrann Sullivan, der zwar vielen Filmfans als heldenhafter Thorin Eichenschild bekannt ist, eigentlich aber weitaus häufiger den Bösewicht als den Helden spielt. Und das merkt man: Sullivan ist ein klassischer Comic-Fiesling und passt deshalb richtig gut in diesen Film.

Mit 135 Minuten ist Space Sweepers vielleicht etwas zu lang geraten, aber so richtig langweilig wird der Film nie. Entweder präsentiert Jo Sung-hee seinem Publikum eine gelungene Action-Sequenz, bei denen man regelmäßig um die Crew fürchten muss, oder er zeichnet in rührenden Momenten, wie Tiger, Jang, Tae-ho und selbst Bubs dem zuckersüßen Charme des kleinen Mädchens erliegen. Ein paar humoristische Einsprengsel wie ein verliebter Franzose runden das stimmige Gesamtbild ab. Und machen Space Sweepers zu einer positiven Überraschung. Auch wenn man von dem einen oder anderen Charakter gern noch mehr erfahren hätte.

Space Sweepers Tiger

Fazit:

Space Sweepers beweist eindrucksvoll, dass man auch aus bekannten Versatzstücken einen tollen Film machen kann, wenn man mit genug Herzblut und Liebe zu Details vorgeht. Jo Sung-hees Film bleibt sicher nicht lange im Gedächtnis, löst sein Popcorn-Kino-Versprechen aber mehr als ein und unterhält mit guten Darstellern, guten Tricks und viel Charme durchgehend gut. Es würde nicht wundern, wenn da bald eine Fortsetzung als zweiter Teil oder Serie angekündigt würde, das Potenzial hat diese einerseits bekannte, andererseits aber frische Zukunftsvision auf jeden Fall.

Space Sweepers startet am 5. Februar 2021 bei Netflix.

Space Sweepers Tae-ho

Wertung

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