Meinung: Darum ist Star Trek Discovery Staffel 3 die Beste!

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Ja, es gibt noch Dinge zu kritisieren. Ja, auch in der dritten Staffel erreicht Star Trek: Discovery die besten Zeiten von Serien wie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert oder Star Trek: Deep Space Nine nicht - aber besser als die ersten beiden Staffeln sind die neuen Folgen fast alle dennoch. Wir werfen einen Blick darauf und erklären, warum wir das so sehen.

Star Trek discovery Staffel 3

Die Handlung (Achtung Spoiler!)

Nachdem die Discovery fast tausend Jahre in die Zukunft springt, um die Galaxis und die Föderation des 23. Jahrhunderts zu retten, finden sich Michael Burnham, die zunächst allein dort ankommt, und das Schiff mit der Crew, in einer völlig neuen Situation wieder. Niemand weiß, wie es jetzt um die Machtverhältnisse bestellt ist, ob und wie die Föderation noch existiert. Bald wird klar: Es gab vor etwas mehr als 100 Jahren eine große Katastrophe, die unzählige Schiffe zerstörte und den überlichtschnellen Flug seitdem massiv einschränkt. Die Föderation ist nur noch ein Schatten von einst und eine neue Macht - die Smaragd-Kette, eine Bande von Verbrechern und skrupellosen Geschäftemachern - drängt nach vorn.

Die Crew der Discovery kann schließlich die neue Zentrale der Föderation erreichen und die Ursache für den Der Brand genannte Katastrophe aufdecken. Weil die Discovery auch im 32. Jahrhundert noch das einzige Sporentriebwerk hat, wird sie zur wichtigen Einsatztruppe für die Föderation und deshalb auch das Objekt der Begierde für die Kette, die das Schiff unbedingt in ihren Besitz bringen will. Am Ende kann sich die Discovery durch die Tapferkeit seiner Crew behaupten und den Tag retten. Nach mehr als 100 Jahren scheint sich eine Wiedererstarkung des einst so mächtigen Planetenbundes anzudeuten, als die Vulkanier und Romulaner zur Hilfe eilen. Burnham wird neuer Captain der Discovery ...

Star Trek discovery Staffel 3 Saru

Kaum Vergleiche möglich

Zuerst einmal: Vergleiche mit den starken Serien von früher sind nur schwer möglich. Denn die Serie um Jean-Luc Picard und seine Crew hatte keine staffel-langen Storylines wie Discovery. Und Deep Space Nine, die spätestens mit Staffel 4 einen großen roten Faden aufwies, erzählte über vier Staffeln eine epische Story um den Krieg gegen das Dominion. Discoverys Konzept liegt genau dazwischen. Zwar bauen die Staffeln aufeinander auf, dennoch wird in jeder eine ganz eigene Geschichte erzählt. Und das macht die bislang letzte Staffel, wenn auch nicht frei von Schwächen, nach unserer Ansicht am besten.

Zum einen nutzt sie die Chance, durch die große Freiheit des Zeitsprungs den Entdecker-Geist der Original-Serie aufleben zu lassen und das Schiff durch weitgehend unbekanntes Terrain zu steuern. Zum anderen sind die Anspielungen und Fortsetzungen früherer Storylines, wie etwa Wiedervereinigung Teil 3, die Fortsetzung eines Zweiteilers aus der fünften Staffel von ST: TNG, eine gelungene Einbettung ins Trek-Universum, wie die Fans es kennen und lieben, ganz im Gegensatz zur wenig geschätzten Kelvin-Zeitlinie der neuesten Filme.

Star Trek discovery Staffel 3 Trill

Stärken und Schwächen

Dieses Aufnehmen bei den Fans beliebter Themen und Völker wie den Vulkaniern oder den Trill ist eine klare Stärke der dritten Staffel, denn das wollen viele Zuschauer sehen, die dem Trek-Universum zum Teil seit Jahrzehnten die Treue halten. Auch die geschwächte Föderation ist eine gute Idee, denn das bringt der gesamten Staffel einen Geschmack von Pioniergeist und Expedition ins Unbekannte zurück, wie Star Trek es seit Voyager nicht mehr erlebt hat. Und auch das Konzept der staffel-langen Storylines funktioniert in Staffel 3 besser als in den Vorgängern. So wenige schwache Folgen wie diese Staffel hatte bislang keine - leider gibt es immer noch welche.

Waren die Episoden im Spiegel-Universum die Höhepunkte der ersten Staffel, so sind sie in Staffel 3 die Schwachpunkte. In gleich zwei Folgen wird Philippa Georgiou aus der Handlung und in eine angekündigte Section 31-Serie geschrieben - und das ist auch alles, was an Neuigkeiten in diesen Episoden zu sehen ist. Der Rest ist komplett redundant und erzählt keinerlei neue Facetten der Story um die Rassisten-Version der Föderation, außer vielleicht die Veränderungen der ehemaligen Imperatorin. Dafür hätte aber auch eine gut geschriebene Szene genügt, statt zwei Folgen dafür zu verbrauchen.

Star Trek discovery Staffel 3

One-Woman-Show

Zu viel Geheule und Emotion, zu viel Michael Burnham, das liest man oft, wenn man sich die Kritiken von Fans ansieht, die Discovery nicht mögen. Wer die Serie deshalb von Beginn an ablehnte, hat dazu auch allen Grund. Denn noch nie vorher gab es eine Star Trek-Serie, die sich tatsächlich so deutlich auf eine Person fokussierte, statt eine ganze Crew halbwegs gleichrangig (was letztlich auch nicht ganz klappte) in Szene zu setzen. Zwar hatte auch ST: TNG Folgen, die sich auf ein Mitglied der Crew konzentrierte, aber das war in 90 Prozent aller Fälle Picard, Riker oder Data. Dennoch: Michael Burnham ist der Kern von Discovery, das gefällt nicht jedem.

Und ob nun die sehr emotionale Crew der Discovery oder die manchmal fast roboterhaft agierenden Offiziere früherer Schiffe das Maß der Dinge sind, dürfte wohl reine Geschmackssache sein - beides wird seine Fans haben. Discovery ist hier mit Figuren wie Tilly und Stamets neue Wege gegangen - und hält das konsequent durch. Auch wenn die Autoren in Sachen Familie und Gefühl manchmal übertreiben.

Am schlimmsten war das in der vermurksten zweiten Staffel, die von einem interessanten Start immer mehr zur familiären Seifenoper verkam. Auch die erste Staffel startete zwar optisch stark, war aber inhaltlich nicht das Star Trek, das die Fans wollten. Und die neuen Klingonen sind bis heute nicht erklärt worden. Zudem waren beide vorherigen Final-Folgen keine Höhepunkte ihrer Staffeln, die deutlich besser anfingen, als sie endeten. Die dritte Staffel hat dieses Muster erstmals durchbrochen und wirklich ein Finale präsentiert, das den Namen verdient. Auch wenn erzählerisch noch immer Luft nach oben bleibt.

Star Trek discovery Staffel 3

Wofür steht Star Trek?

Produzent Alex Kurtzman hat bei vielen Trek-Fans keinen guten Stand. Sie werfen ihm vor, die Botschaft der bisherigen Serien und Filme im Tausch für mehr Action über Bord zu werfen. Und dieser Vorwurf ist sicher auch nicht völlig haltlos, wie sich beim dritten und mit Abstand schwächsten neuen Kinofilm zeigte. Auch in Discovery gibt es immer wieder Momente, in denen die Waffen sprechen, was in früheren Serien vielleicht nicht geschehen wäre. Möglicherweise aber auch, weil das Budget für gewaltige Raumschlachten schlicht nicht vorhanden war. Heute sind die Effekte auf Kino-Niveau - und natürlich wollen die Macher dem Publikum auch Schauwerte bieten. Die Philosophie Star Treks und zeitgemäße Action gut zu verbinden, das ist die Kunst.

Die haben Kurtzman und sein Team sicher nicht immer gemeistert. Aber gerade die letzten Folgen von Staffel 3, in der sich die Kette erst mit einer List Zutritt zur Föderations-Zentrale verschafft, um dann eine Fusion zu verhandeln, zeigen die Möglichkeiten von Discovery auf. In ST: TNG oder ST: Picard wäre ein solcher Vorschlag lächerlich, in der neuen Zukunft von Discovery muss der Zuschauer, ebenso wie der Admiral, erst einmal darüber nachdenken, ob starke Verbündete angesichts der vielen Bedrohungen nicht doch sinnvoll wären. Die hohe Moral der Sternenflotte verbietet letztlich eine solche Zusammenarbeit, aber schon die Idee geht in die richtige Richtung für zukünftige Abenteuer.

Star Trek discovery Staffel 3

Neue Zeit, neue Regeln

Denn sie zeigt auf, dass in der neuen Zukunft von Star Trek die alten Werte zwar weiter gelten, aber lange nicht mehr so einfach zu bewahren sind. Selbst wenn am Ende ein neues Goldenes Zeitalter der Föderation am Horizont leuchtet. Dennoch lassen sich in Staffel 4 sicher neue moralische Probleme entwickeln, die auf eine innovativere Lösung warten, als auf Phaser und Torpedos zurückzugreifen. Hier bieten sich auch durch das neue Crew-Mitglied von der Kette Chancen auf spannende Stories, die wieder eher Geschichten im Geiste früherer Serien erzählen könnten. 

Das Zurechtfinden in einer bekannten und doch völlig neuen Galaxis, die Suche nach dem Ursprung des Brandes und deren Auflösung sowie neue die Ausgangsposition mit einer am Boden liegenden Föderation war für uns jedenfalls die bislang spannendste Staffel, die sich so frisch anfühlte wie lange nichts im Star Trek-Universum. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Macher in der bereits bestellten vierten Staffel nochmals steigern und vorhandene Schwächen weiter abstellen.

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