Star Trek Lower Decks: Wie gut ist die erste Comedy-Serie im Trek-Universum?

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Bereits 1973-74 gab es einmal eine kurzlebige animierte Enterprise-Serie, die sich allerdings wie Star Trek mit den Abenteuern der Enterprise unter dem Kommando von Captain Kirk beschäftige – und zumindest ernst gemeint war. Die neue Serie Star Trek Lower Decks ist hingegen die erste echte Comedy-Serie aus dem Star Trek-Universum. Zehn Folgen umfasst die erste Staffel, eine weitere ist bereits bestellt. Worauf können sich Fans der Serien freuen? Worum geht es überhaupt in der Serie und wann spielt sie? Diese und andere Fragen klärt unsere Kritik.

Star Trek Lower Decks

Die Handlung

Es ist das Jahr 2380. Auf der USS Cerritos tun vier Fähnriche (Ensigns) Dienst, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die coole Beckett Mariner, die Starfleet nicht so furchtbar ernst nimmt und lieber ihren Spaß haben will, als ihre Karriere zu forcieren. Der ängstliche und übereifrige Brad Boimler, der immer wieder in Schwierigkeiten gerät. Die neugierige D'Vana Tendi von Orion, die sich vor allem für wissenschaftliche Dinge begeistern kann. Und der Tech-Fan Sam Rutherford, der sich durch Cyber-Teile optimiert hat und über ganz besondere Fähigkeiten verfügt – sobald er sie hochlädt. Gemeinsam müssen die Vier unglaubliche Abenteuer bestehen, aber auch den Alltag auf dem Schiff ertragen.

Neben der Besatzung der Cerritos, deren Führungs-Offiziere auch ihre kleinen Macken haben, treffen Boimler, Mariner und die anderen auch auf Andorianer, Klingonen, Romulaner, Ferengi und viele weitere bekannte Völker des Star Trek-Universums, dazu ist ihr Schiff im Einsatz für Zweit-Kontakte, also Besuche bei neuen Völkern, die bereits einmal mit der Föderation zu tun hatten. So gehört das Aushandeln von Verträgen und Bündnissen zum Job der Crew - was Mariner unfassbar langweilig findet und deshalb immer wieder auf eigene Faust neue Welten untersucht. Sehr zum Ärger ihres nervösen Kollegen Boimler, der ständig um sein Leben fürchtet ...

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Je mehr Wissen, desto besser

Haben Star Trek-Fans Humor - und wenn ja, welchen? Um die nicht ohne Risiko geplante Serie ST: Lower Decks zu stemmen, holte sich der momentane Trek-Chef Alex Kurtzman unter anderem Mike McMahan, den Chefautor der kultigen Trickfilm-Serie Rick and Morty, dazu. Kurtzman selbst sprach in einem Interview von der Serie als einen "Liebesbrief an die Fans". Eine ganz schöne Erwartungshaltung also, die Lower Decks da aufbaut. Bezieht man Kurtzmans Zitat allerdings wirklich auf die langjährigen, beinharten Fans, dann stimmt seine Aussage. Denn für Lower Decks gilt ganz extrem: Je mehr der Zuschauer von Star Trek weiß und kennt, desto lustiger ist die Serie.

Das liegt an den zahlreichen Anspielungen und historischen Ereignissen, die in den schnellen Dialogen der Serie eingebaut werden. Wird beispielsweise der Vertrag von Khitomer erwähnt, ist das für Neulinge einfach nur eine Aussage, Fans wissen aber sofort, wovon die Rede ist und können sie richtig einordnen. Tatsächlich haben Kurtzman und die anderen Kreativen sich den Luxus erlaubt, eine Serie zu schaffen, die sich sehr deutlich an bereits vorgebildete Zuschauer richtet. Das ist zwar ungewöhnlich, in diesem Fall aber durchaus sinnvoll. Denn durch diese Vorgabe wird aus einer durchschnittlichen Comedy-Serie ohne echtes Highlight fast ein Must-See für Fans.

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Echtes Star Trek-Feeling

In jeder der zehn Folgen sind derart viele Querverweise versteckt, dass echte Trekkies hier gut ein Trinkspiel veranstalten könnten. Dazu kommen – zumindest im englischen Original – auch Schauspieler, die ihren Charakter in Lower Decks selbst einsprechen, so gibt es immerhin ein Wiederhören mit einigen beliebten Charakteren früherer Serien. Wer das ist, soll hier aber nicht verraten werden. Schon der Vorspann der Serie ist eine offensichtliche Parodie auf den von Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert und diesem auch bei Musik und Schriftfont nachempfunden. Die Handlung setzt ein Jahr nach den Geschehnissen aus Star Trek: Nemesis ein, dem letzten Kinoabenteuer von Captain Picard und seiner Crew.

Wer Rick und Morty kennt, der weiß auch, dass ihn bei Lower Decks ein alberner, fast hysterischer Humor erwartet, leise Töne gibt es hier nicht. Was auch an den Sprechern liegt. Im Originalton wird schnell und laut geredet, es steht zu vermuten, dass die deutsche Version das ähnlich umsetzen wird (deutsche Folgen waren vorab nicht zu sehen). Trotzdem gelingt es den Autoren, immer wieder ein Gefühl zu schaffen, als würde man sich eine verlorene Folge der Picard-Crew ansehen, in der eine Gefahr auftaucht, die bewältigt werden muss. Auch da wurde schon mit Humor gearbeitet, meist war Data der Comedy-Faktor, hier wird das einfach konsequent auf die ganze Crew ausgedehnt.

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Wer hier als Fan einschaltet, sollte über sich und sein Hobby in jedem Fall lachen können, denn Lower Decks macht sich ausgiebig über kleine Macken und liebenswerte Eigenheiten früherer Serien lustig – allerdings nie respektlos. Ähnlich wie Seth McFarlanes The Orville ist Lower Decks halb Parodie, halb Hommage an vergangene, großartige Serien, an denen zwar liebevoll herumgezupft wird, die aber nie wirklich hart attackiert werden. Dazu ist auch Star Trek: Lower Decks zu sehr Teil des Universums von Kirk, Picard und Co.. 

Fazit:

Star Trek Lower Decks richtet sich sehr deutlich an langjährige Fans des Trek-Universums, denn die Serie lebt vor allem von ihren zahllosen Verweise auf historische Ereignisse und Charaktere aus früheren Serien und Filmen. Wer die meisten davon versteht, hat zwar dennoch nicht unbedingt Bauchweh vor Lachen, aber doch eine gute Zeit vor dem Bildschirm. Wer hingegen bislang mit der Welt von Kirk, Picard und anderen nicht viel anfangen konnte, wird auch bei den Abenteuern der jungen und unerfahrenen Sternenflotten-Mitglieder wenig Grund zur Freude haben.

Star Trek: Lower Decks startet am 22. Januar 2021 bei Amazon Prime.

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Wertung

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