Horror ohne Superhelden: DC's Swamp Thing jetzt bei Prime

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Auch wenn Marvel den Superhelden-Konkurrenten im Kino schon lange hinter sich gelassen hat: Im TV hatte DC bislang allein an schierer Masse die Nase vorn. Das Arrowverse mit seinen zahlreichen Ablegern läuft nach wie vor gut, auch wenn Arrow bereits beendet ist und Supergirl und Black Lightning auf ihre letzten Staffeln zusteuern. Und die etwas härtere Gangart wird mit Serien wie den Titans gut bedient, die ebenfalls in eine neue Staffel geschickt werden. In diese Kerbe sollte auch Swamp Thing hauen, doch nach Finanzierungsproblemen wurde die Serie erste gekürzt und dann schnell beerdigt. Warum Horror-Fans das nicht vom Ansehen abhalten sollte, erklären wir hier.

Swamp Thing Abby untersucht Leiche

Die Handlung

Nach vielen Jahren kehrt die junge Ärztin Abigail Arcane (Crystal Reed) in ihre Heimatstadt Marais am Rande eines großen Sumpfgebietes zurück. Abby arbeitet beim Seuchenschutz und in Marais gab es unlängst einige mysteriöse Krankheitsfälle, die sie sich ansehen soll. Dabei trifft sie nicht nur auf alte Freunde wie den Cop Matt (Henderson Wade), der offenbar noch immer für sie schwärmt, und ihre gute Freundin Liz (Maria Sten), sondern auch auf alte Probleme. Denn der Grund, warum sie Marais einst verließ, das Ehepaar Maria und Avery Sunderland (Virginia Madsen, Will Patton), ist ebenfalls noch dort - und bereitet ihr schnell Probleme.

Bei ihren Nachforschungen im Sumpf lernt sie bald den Wissenschaftler Alec Holland (Andy Bean) kennen, der nach beruflichen Problemen mit seiner Forschung hier einen Neuanfang sucht. Das ist aber offenbar nicht jedem recht: Eines Nachts wird Alec von einem Unbekannten im Sumpf attackiert und tödlich verwundet. Sterbend sinkt er auf den Grund des Sumpfes - und etwas ganz Anderes erhebt sich nur wenig später: Swamp Thing. Dieses Wesen scheint nicht nur eine Verbindung zu der jungen Susie (Elle Graham) zu haben, die krank im Hospital liegt, sondern auch zu den Geistern, die den Sumpf bevölkern. Doch Alecs Killer sind noch immer aktiv und haben düstere Pläne ...

Swamp Thing Abby und Alec

Eine sichere Sache - eigentlich ...

Wenn es eine Serie gibt, um deren Verlauf und Ende es einen Horror-Fan leid tun kann, dann ist es Swamp Thing. Denn die Serie brachte es auf eine ganze Reihe großer Namen, die mitarbeiteten. So ist Gary Dauberman, der die Serie gemeinsam mit Mark Verheiden (Daredevil, Ash vs Evil Dead) entwickelte, auch als Drehbuchautor der ES-Filme bekannt. Produzent Len Wiseman, der auch die beiden ersten Folgen inszenierte, hat die Underworld-Reihe begonnen. Und Produzent James Wan (The Conjuring, Insidious) ist einer der einflussreichsten Kräfte des modernen Horror-Kinos überhaupt zurzeit. Kann bei so viel geballter Kompetenz wirklich viel schiefgehen? Eigentlich nicht.

Und das ist auch nicht passiert. Die erste Folge verbeugt sich nicht nur tief vor einer der besten Szenen aus John Carpenters Das Ding, sie ist auch spannender und blutiger, als man sich das von einer DC-Serie hätte vorstellen können. Hauptdarstellerin Crystal Reed, die schon im sehr unterschätzten Ghostland ihre Horror-Affinität unterstrich, spielt die junge Heldin stark, der tragische Held Alec Holland ist ebenfalls gut besetzt. Die Tricks haben - zumindest in der ersten Folge - absolutes Kino-Niveau und wer hier eine etwas düstere Superhelden-Serie erwartet hatte, wird schnell eines Besseren belehrt: Swamp Thing ist lupenreiner Horror.

Swamp thing Susie

Warners Firefly?

Doch dann begannen die Probleme. North Carolina, wo die Serie gedreht wurde, zog angekündigte Steuererleichterungen für das Projekt zurück, was das Budget überlastete. und so kürzte Warner die Serie erst von 13 auf zehn Folgen herunter - und verkündete bereits nach Ausstrahlung der ersten Folge, die fast einhellig von der Kritik gefeiert wurde, die Einstellung von Swamp Thing. Diese Auswirkungen werden im Verlauf der Serie leider auch deutlich. So endet Swamp Thing, von Dauberman und Verheiden auf einen Story-Arc mit drei Staffeln ausgelegt, mit einem Cliffhanger. Und etliche Nebenhandlungen, die die Serie in den ersten Folgen gekonnt aufbaut, fallen im Verlauf der Story komplett unter den Tisch.

Vergleiche mit der Kult-Serie Firefly, die Fox im Jahr 2003 durch eine komplett unsinnige Ausstrahlungspolitik vernichtete, drängten sich auf. Das ist allerdings etwas übertrieben, denn so gut wie die Joss Whedon-Serie ist Swamp Thing denn doch nicht, auch wenn sie im ohnehin eher dünn besiedelten Markte der Horror-Serien sicher ein kleines Highlight darstellt. Denn die Drehbücher sind durchgehend in Ordnung bis gut, einige düstre Twists sieht der Zuschauer kaum oder gar nicht kommen und gespielt ist das Ganze auch ordentlich. Dass Horror-Ikonen wie Virginia Madsen (Candyman) mitspielen und sogar Adrienne Barbeau, Carpenter-Muse und Star der ersten Swamp Thing-Verfilmung, dabei ist, adelt die Serie nochmals.

Und wie es bei Monstern so ist - so ganz tot scheint Swamp Thing noch nicht zu sein, auch wenn die Chance auf Wiederbelebung mit jedem Monat schrumpft. Doch die Neuausrichtung Warners mit HBO Max, zu deren Inhalten auch weiterhin gute DC-Serien gehören sollen, beschert Swamp Thing offenbar noch eine zumindest halboffene Tür. Denn die Pläne für die drei Staffeln sahen auch ein Spin-Off hin zur Justice League Dark vor, ein Projekt, das seit bald einem Jahrzehnt immer wieder einmal die Runde macht. Und mit Swamp Thing und einer weiteren Figur hier schon zwei Mitglieder präsentiert hat. Wer es düster und blutig mag, dabei aber den Comic-Einfluss schätzt, sollte hier unbedingt reinschauen.

Sawmp Thing Jennifer Beals und Virginia Madsen

Fazit:

Das Heldenschicksal ist tragisch, das der Serie Swamp Thing ebenso. Denn die Einstellung nach nur zehn Episoden hat diese grundsolide bis gute Produktion nicht verdient. Zwar ist die erste Hälfte deutlich besser als die zweite, insgesamt bietet Swamp Thing aber eine der besten Fantasy-Horror-Shows, die man zurzeit sehen kann. Mit guten, blutigen Effekten, einem glaubhaft aussehenden Monster und Charakteren, die zumindest zum Teil auch ein wenig Profil bekommen, lassen sich die zehn Folgen gut ansehen. Auch wenn das offene Ende und einige nicht zum Abschluss gebrachte Nebenhandlungen schon ein wenig nerven.

Swamp Thing gibt es ab dem 9. April 2021 bei Amazon Prime.

Wertung

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