The Beach House: Horror am Strand

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Vom Kleinen ins Große: Viele Horrorfilme schildern anhand einer kleinen Gruppe von Menschen ein weitaus größere Bedrohung. So wie George A. Romero, der die globale Zombieplage 1968 in seinem Night of the Living Dead in einem einzigen Haus kumulierte und dennoch das ganze Ausmaß der Verwüstung deutlich machte. Das brachte der damals junge Filmemacher mit vergleichsweise winzigem Budget von etwa 114000 Dollar auf die Leinwand, der Film spielte mehr als 30 Millionen Dollar ein. Wesentlich teurer dürfte auch The Beach House von Regisseur und Drehbuchautor Jeffrey A. Brown nicht gewesen sein. Doch auch er erzählt eine kleine Geschichte mit großen Auswirkungen. Wie gut ist er?

Die Handlung

Emily (Liana Liberato) und Randall (Noah Le Gros) fahren heimlich zum Strandhaus von Randalls Vater, um dort zu entspannen und sich einige Tage vom Alltag zurückzuziehen. Denn Randall hat gerade die Uni geschmissen und versucht nun auch Emily zu überreden, auf eine Karriere zu verzichten. Doch die angehende Chemikerin hat zu hohe Ziel, um sie aufzugeben. So herrscht zwischen den beiden eine gespannte Atmosphäre. Die noch verstärkt wird, als Emily am nächsten Morgen bemerkt, dass sie nicht allein im Haus sind. Schnell klärt sich auf, dass Mitch (Jake Weber) und Jane (Maryann Nagel), Freunde von Randalls Vater, hier für eine Weile wohnen.

Denn Jane ist todkrank und Mitch möchte ihr die letzten Woche so schön wie möglich machen. Nach anfänglichen Irritationen verbringen die Paare einen netten Abend miteinander, der schließlich mit Alkohol und Drogen endet - und dem Verschwinden von Jane in einem merkwürdigen Nebel, der vom Ozean her über das Land zieht. Als Mitch sie nach Stunden findet, scheint sie merkwürdig orientierungslos und bekommt kaum Luft. Am nächsten Morgen ist von Mitch und Jane nichts zu sehen und so gehen Emily und Randall zum Strand hinunter. Doch dort wartet das Grauen ...

Überzeugendes Debüt

Regisseur und Drehbuchautor Jeffrey A. Brown legt mit The Beach House hier seinen ersten langen Spielfilm vor - und das macht er erstaunlich gut. Dass er bisher hauptsächlich als Scout für passende Drehorte fungierte, sieht man seinem Film ebenso an wie die Tatsache, dass Brown schon einige andere Aufgaben hinter den Kulissen übernahm. Denn trotz sichtbar geringen finanziellen Möglichkeiten ist The Beach House überall dort überzeugend, wo es wirklich darauf ankommt. Das fängt mit der Location an, einem fast menschenleeren Küstenort irgendwo im Osten der USA, der durch grauen Himmel und eine große Stille schon von Beginn an für eine düstere Atmosphäre sorgt.

Und geht mit überzeugender Kamera-Arbeit, einem guten Tempo der Story und nicht zuletzt starken Schauspielern weiter. The Beach House zieht von Beginn an in eine Richtung, die dem Zuschauer aber erst später wirklich bewusst wird. Daher wirken viele Szenen überraschend, ergeben aber im Rückblick ein stimmiges Gesamtbild. Vor allem die Größe des Plots, die sich erst im letzten Drittel offenbart, hätte man diesem kleinen, aber feinen Horrofilm zu Beginn nicht unbedingt zugetraut. Zudem spielt Brown gekonnt mit Urängsten, die so gut wie jeder Zuschauer nachvollziehen kann. Und der Lovecraft-Touch, der The Beach House im Vorfeld bescheinigt wurde, ist ebenfalls nachvollziehbar.

The Beach house couple

Lovecraft-Feeling für Fans

Denn wie bei vielen Storys des berühmten Schriftstellers kommt auch hier das Grauen von einem Ort, der von jeher Angst im Menschen auslöst - aus dem Meer. Und das fängt Brown in Details stark und zum Teil auch ganz schön eklig ein. Wie aus dem Nichts erscheinen die Bedrohungen und wirken so fremdartig und kalt, dass es einen schaudert. Brown fängt viel von dem Gefühl kosmischen Horrors ein, den Lovecraft erfand, um die Ohnmacht und Hilflosigkeit angesichts der Ereignisse zu verdeutlichen. Und weil Brown nicht mit Millionen um sich werfen konnte, nutzt der Filmemacher für seine Schockmomente Bilder, die in ihrer Einfachheit so gut wie jeden Zuschauer durchschütteln.

In den wenigen Momenten, wo die Spezialeffekte dann aber überzeugen müssen um die Wirkung nicht zu ruinieren, funktioniert auch das. Allerdings nur bei einem Publikum, das auch Antennen für den subtilen schleichenden Horror hat, den Brown hier erschafft. Für Fans von konventionellen Teenie-Slashern oder Splatter-Film hat The Beach House wenig zu bieten. Zudem entstehen viele der gruseligsten Bilder in Browns Film im eigenen Kopf, da er sie nicht zeigen wollte oder mangels Budget nicht zeigen konnte. Das gilt auch für die Grundregel "Show, don't tell". Nicht alles, was der Zuschauer zum Verständnis der Story braucht, kann Brown zeigen, manches muss er deshalb erzählen (lassen).

Vor allem im dritten Akt lässt The Beach House immer dann Federn, wenn apokalyptische Bilder der Story gut tun würden. Brown bleibt bis zum Ende auf einer kleinen und persönlichen Ebene, auf der er seine Helden agieren lässt. Damit steht er zwar in den Fußstapfen regional überschaubarer Lovecraft-Storys wie Die Farbe aus dem All, aber er kann im Finale nicht mehr zulegen. Dafür verzichtet der Film weitgehend auf Jump-Scares und verlässt sich völlig auf seine Atmosphäre und die Qualität der Geschichte. So dürfte The Beach House ein Film sein, der garantiert nicht jedem Horrorfan gefällt, der dafür aber echte Liebhaber finden dürfte.

The Beach House Yellyfish

Fazit:

Mit The Beach House liefert Jeffrey A. Brown ein gelungenes Langfilm-Debüt ab, dass mit guten Schauspielern und einer stetig wachsenden, unheimlichen Atmosphäre aufwarten kann. Zwar erfindet der Low-Budget-Horror, der wegen der fehlenden Blockbuster den Weg ins Kino geschafft hat, das Genre keinesfalls neu und bedient sich bekannter Versatzstücke. Aber das macht er so gut, dass er zumindest Fans etwas abseitigerer Horrorfilme durchaus erreichen könnte. Kein Hochglanz-Horror von der Stange, aber ein Film, der durchaus nachhallt. Und für Fans von Frank Schätzings Erfolg Der Schwarm eine echte Empfehlung ist.

The Beach House startet am 22. Oktober 2020 in den deutschen Kinos.

Wertung

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