The Devil All The Time: Jetzt neu bei Netflix

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Donald Ray Pollock begann erst mit über 50 Jahren zu schreiben und hat seitdem gerade einmal drei Bücher veröffentlicht, Dennoch gilt sein als "Hillibilly Gothic" betitelter Stil als grandios, seine bitterbösen Geschichten als kühler Blick in die Seele des amerikanischen kleinen Mannes. Der erfolgreiche Roman The Devil all the Time wurde nun für Netflix von Regisseur Antonio Campos ("The SInner") umgesetzt. Und das auch noch mit beachtlichem Star-Aufgebot. Wie gut ist das gelungen?

The Devil all the Time

Die Handlung:

Als Willard Russell (Bill Skarsgard) 1945 aus dem Krieh nach Hause kommt, verliebt er sich in die Kellnerin Charlotte (Hailey Bennet) und heiratet sie.Doch die Ehe steht unter keinem guten Stern und endet 1957 auf tragische Weise. Der gemeinsame Sohn Arvin (Tom Holland) wächst daher bei seiner Großmutter auf, rund zehn Stunden von seinem Geburtsort entfernt. Seine ganze Liebe gilt seiner Stiefschwester Lenora (Eliza Scanlen), wie er ein Waisenkind. Als junger Mann versucht Arvin alles,um Lenora voer der Welt zu beschützen, in der, wie er weiß "eine Menge Scheißkerle leben". Doch das ist leichter gesagt als getan.

Denn der korrupte Sheriff Lee (Sebastian Stan) ist ebenso ein Problem wie dessen Schwester Sandy (Riley Keough) und ihr Mann Carl (Jason Clarke). Deren Hobby ist das Töten von jungen Männern, die per Anhalter fahren. Und die fromme Lenora gerät in die Fänge des lüsternen neuen Predigers Teegarden (Robert Pattinson), der eine Schwäche für junge Mädchen hat. Kann Arvin tatsächlich all diese bösen Menschen von ihrem Tun abhalten? Oder muss er ohnmächtig zusehen, wie der Teufel sein Spiel mit ihnen treibt?

Deutlich zu lang

Es ist ein häufiges Problem bei Netflix-Filmen, dass der Streaming-Dienst seinen Regisseuren und Produzenten mehr Freiheiten lässt als ein großes Filmstudio. Das kann Vorteile haben, im Fall von Netflix sind die Filme aber oft schlicht zu lang. Auch die 138 Minuten von The Devil All The Time sind entweder viel zu kurz, um allen Protagonisten den nötigen Raum zu geben - oder zu lang, um nur die abgespeckte Version mit dem Schwerpunkt Arvin zu erzählen. Denn bevor die Hauptfigur das erste Mal zu sehen ist, sind bereits 45 Minuten vergangen, die weder emotional fesselnd, noch in der Länge unbedingt notwendig waren, Wer den Film sehen will, muss sich also erst einmal regelrecht hineinkämpfen.

Denn eine einfache EInteiliung in Gut und Böse ist hier nicht möglich, selbst die etwas helleren Charaktere haben noch viele dunkle Flecken auf ihren Seelen, die sie zu furchtbaren Dingen treiben. Der Zuschauer bleibt dabei aber weitgehend frei von Emotionen, zu wenig weiß er über die Figuren und deren Hintergründe. 

The Devil all the Time

Langer Anlauf, schnelles Ende

Das Erzähltempo des Films variiert zudem. Während die ersten 90 Minuten eher gemächlich vergehen, drückt Regisseur Campos für die letzte halbe Stunde stärker aufs Tempo und lässt Arvin seine Mission fast im Galopp erledigen. Auffällig ist dabei, wie auch im ganzen Film, die recht explizite, dabei aber fast dokumentarisch gezeigte Gewalt zwiwchen den Figuren. Wenn Arvins Vater einen Jäger verprügelt, weil der ihn beim Beten gestört und beleidigt hat, wirkt das wie eine ganz normale tat, so beiläufig inszeniert Campos die Szene.

Zusammengehalten wird der ganze Film vom off-Kommentar, den der Autor im englischen Original selbst übernimmt. Er füllt die Lücken zum Teil auf, die Campos in seiner Story hinterlässt, klärt über wichtige Details zu Charakteren odwer Ereignissen auf und setzt manche Szene damit im Nachhinein noch in ein anderes Licht. Da er manche Tode allerdings auch schon vorwegnimmt, kostet er den Film auch einiges an Spannung, da bestimmte Szenen vom Publikum erwartet werden und deutlich weniger schockieren, als wenn sie aus dem Nichts gekommen wären. Die Erzählung, im Roman noch nach Figutren deutlich getrennt, vermischt Campos hingegen filmisch und führt viele Stränge schon früh zusammen.

Gespielt ist das Ganze in weiten Teil stark. Tom Holland überzeugt mit Milchgesicht als wortkarger, aufrechter Held der Arbeiterklasse, Riley Keough verleiht ihrem Charakter trotz sehr wenig Hintergrund eine sehenswerte Ambivalenz und Sebastian Stan zeigt als feister Sheriff einmal mehr, dass er nicht nur als Marvel-Held eine gute schauspielerische Figur macht. Andere Stars wie Jason Clarke oder Bill Skarsgard bleiben hingegen unterbeschäftigt, allzu wenig Screentime ist der Hauptgrund dafür.Die gefeierte Romanvorlage schien schwer auf Regisseur Campos zu lasten, in seinem Bemühen, alles richtig zu machen, trifft er einige falsche Entscheidungen. So bleibt ein ansehnliches, düsteres Drama, dass besser hättr werden können, hätte sich Campos getraut, den Roman zu entkernen und sich auf einzelne Aspekte zu konzentieren.

Fazit:

The Devil all the time ist kein schlechter Film, dazu ist die böse Story zu gut, die Figuren zu interessant. Aber in seinem Bemühen, das komplexe Gerüst des Romans auf die Leinwand zu übertragen, bleibt Regisseur Campos nicht konsequent genug und versucht, mehr zu erzählen, als er in 138 Minuten eigentlich unterbringen kann. Statt den Fokus auf eine Figur zu setzen, schweift er immwr wieder kurz zu anderen ab. Das kostet Zeit und bremst den Film aus, trägt aber weder zur Spannung noch zur emotionalen Tiefe bei. Gute Schausoieler und einige unter die haut gehend Gewaltausbrüche sorgern aber für Qualität.

The Devil all the Time ist ab dem 16. September 2020 bei Netflix zu sehen.

The Devil all the Time

Wertung

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