The Falcon and the Winter Soldier: So gut startet die neue Marvel-Serie!

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Eigentlich hätte The Falcon and the Winter Soldier die erste Marvel-Serie bei Disney+ werden sollen. Die Pandemie verhinderte allerdings die rechtzeitige Fertigstellung und so starten Sam und Bucky erst nach Wandavision in ihr gemeinsames Abenteuer - nach nur 14 Tagen Marvel-Pause beim Streaming-Dienst. Während Wandavision in recht kurzen Folgen erzählt wurde – ganz nach dem Vorbild von US-Sitcoms – weist The Falcon and the Winter Soldier das typische Serienformat von 45 Minuten pro Folge auf, zumindest in der ersten Episode. Und auch sonst ist hier vieles näher an bereits bekannten Inhalten einer Marvel-Story. Worum es geht und wie gut das ist, verrät die Kritik.

The Falcon and the Winter Soldier @Disney

In Folge 1 noch kein Team: Sam und Bucky.

Die Handlung

Monate nach den Ereignissen von Avengers: Endgame ist Sam Wilson (Anthony Mackie) alias The Falcon wieder im Einsatz. In einer gefährlichen Ein-Mann-Mission soll er einen entführten Captain des US-Militärs retten. Und das in einem besonders sensiblen Grenzgebiet in Nordafrika. Kein einfacher Job, den Falcon allerdings meistert. Mehr Probleme hat Sam jedoch damit, den ihm von Steve Rogers anvertrauten Schild anzunehmen. Nach seinem Gefühl gehört diese Ausrüstung nur Steve allein und kann von keinem anderen geführt werden. Deshalb gibt Sam den Schild an ein Museum. Ein Fehler?

Bucky Barnes (Sebastian Stan) alias The Winter Soldier kämpft derweil mit seinen inneren Dämonen. Nachts schrecken ihn Alpträume seiner vergangenen Attentate aus dem Schlaf, mit seiner Therapeutin mag er aber nicht darüber reden. Stattdessen hat er sich eine Liste erstellt, die er abarbeiten will, um mit sich und seinem Gewissen ins Reine zu kommen. Doch bald muss er feststellen, dass das leichter gesagt als getan ist. Denn die Vergangenheit lässt ihn nicht los und verwehrt ihm die Rückkehr zu einem normalen Leben, in dem er außer seinen Avengers-Kollegen eigentlich niemanden mehr kennt ...

The Falcon and the Winter Soldier @Disney

Baron Zemo ist im Auftakt der Serie noch nicht zu sehen.

Das Innenleben zweier Helden

Die erste der sechs Folgen dient Regisseurin Kari Skogland nach einem klassischen Marvel-Action-Einsteiger hauptsächlich dazu, die Figuren der Serie aufs Spielfeld zu bringen. So haben Mackie und Stan keine einzige gemeinsame Szene, das Team-Building muss erst noch erfolgen. Stattdessen beleuchtet Skogland hier das Innenleben ihrer Helden. Sam kämpft mit seiner Verantwortung für seine Familie, denn nach dem Tod der Eltern hat seine Schwester versucht, das Familienunternehmen am Laufen zu halten und ist nun kurz davor aufzugeben. Dass sie nicht scharf auf die Hilfe ihres Bruders ist, der erst jahrelang beim Militär war und danach während des Blips verschwand, ist für Sam schwer zu verdauen.

Noch schwerer für Sam ist aber der Umgang mit dem Erbe Captain Americas, das ihn schwerer drückt als alle anderen Lasten. Er kann sich (noch) nicht überwinden, den Schild als Nachfolger zu akzeptieren, allerdings zeigen Trailer bereits, dass sich das im Lauf der Serie wohl noch ändert. Die Serie dürfte also noch zeigen, wie Sam in seine neue Rolle hineinwächst. Skogland zeigt aber in ihrer Serie auch etwas, das die Comics schon sehr lange immer wieder taten – sie sät Zweifel an der Regierung. Die Leichtigkeit, mit der sie den Schild an jemand anderen weitergeben, weil sie das für die richtige Entscheidung halten, geht eindeutig in diese Richtung: Kann man der eigenen Führung vertrauen?

The Falcon and the Winter Soldier @Disney

Sam kann sich nicht dazu durchringen, den Schild von Captain America zu behalten.

Auf der Suche nach Sühne

Obwohl die Story noch weitere kurze Action-Momente beinhaltet, so werden neben einem kurzen Flashback auf einen Einsatz des Winter Soldiers auch die neuen Bösewichte Flag-Smashers in einer solchen Sequenz eingeführt. Hauptsächlich liegt der Fokus der ersten 45 Minuten aber auf Charakterentwicklung. Dies wird an Bucky besonders deutlich, der in einer Spirale aus Schuldgefühlen festhängt und sich trotz seiner Versuche auch nicht daraus befreien kann – im entscheidenden Moment kann er sich nicht öffnen. Das lässt darauf schließen, dass er Sams Reise zum Schild mit einem eigenen Trip begleitet, auf dem er lernen muss, sich selbst seine Taten zu vergeben, für die er gar nicht verantwortlich war.

Denn das der Winter Soldier erst von den Sowjets und dann von Hydra kontrolliert wurde, sich aber dennoch an alles erinnert, was er in deren Auftrag tun musste, macht den Charakter besonders tragisch. Skogland trägt dem Rechnung, in dem sie Sebastian Stan eine einfache Wiedergutmachung verwehrt. Interessant sind dabei die Zwischentöne, die Skogland der Serie erlaubt und in denen nach dem eindeutigen Gut-Böse-Auftakt langsam die Grenzen verschwimmen. So steht unausgesprochen im Raum, dass die Regierung Sam möglicherweise den Schild nicht geben will, weil er Afro-Amerikaner ist. Und auch ein Bank-Berater macht zwar gern ein Selfie mit dem Avenger, seiner Familie helfen mag er jedoch nicht.

The Falcon and the Winter Soldier @Disney

Fans von Sharon Carter brauchen Geduld: In Folge 1 taucht die Ex-Shield-Agentin noch nicht auf.

Kari Skogland nutzt hier ihre deutlich erhöhte Laufzeit im Vergleich zu einem Film (wenn die Folgen in etwa so bleiben, stehen am Ende gut viereinhalb Stunden zu Buche), um ihren Charakteren mehr Tiefe zu geben, als das in einem Kinofilm möglich wäre. Und sie beherzigt die wichtigste Regel für den Erfolg der Marvel-Comics seit den 60er Jahren: Helden sind immer auch Menschen mit einem Privatleben und Problemen wie jeder andere. Das war nicht nur immer der deutlichste Unterschied zum Konkurrenten DC, es bringt auch die interessanteren Storys hervor. The Falcon and the Winter Soldier bildet da keine Ausnahme.

Fazit:

Die erste Folge beginnt erwartungsgemäß, setzt sich aber nicht so fort. Regisseurin Kari Skogland gibt ihren Helden viel Zeit, sich mit eigenen Problemen zu beschäftigen und erzählt von verwundeten Seelen, die nach dem großen Avengers-Finale nun ihr Leben erst wieder ordnen müssen. Das ist dank der guten Schauspieler ähnlich spannend wie die Action-Sequenz zu Beginn der Folge, die nicht nur den gleichen Gegner enthält wie Captain America: The Winter Soldier, sondern auch einen ähnlichen Schatten auf das Geschehen wirft. Können die Helden ihrer eigenen Führung vertrauen? Die finale Szene der Folge gibt zumindest Grund zum Nachdenken.

The Falcon and the Winter Soldier startet mit einer neuen Folge pro Woche am 19. März bei Disney+.

The Falcon and the Winter Soldier @Disney

Ein Blick hinter die Kulissen: Regisseurin Kari Skogland spricht mit Anthony Mackie und Adepero Oduye.

Wertung

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