„The Masked Singer“ und „Big Performance“: Die neue Show-Welle

Das Alien, die Biene und das Nilpferd sind die ersten drei Masken, die ganz Deutschland bei "The Masked Singer" auf ProSieben ab Oktober  vor das große Rätsel stellen: Welcher Star verbirgt sich unter der Maske?  | Spiele.de
Das Alien, die Biene und das Nilpferd sind die ersten drei Masken, die ganz Deutschland bei "The Masked Singer" auf ProSieben ab Oktober vor das große Rätsel stellen: Welcher Star verbirgt sich unter der Maske? © Bildquelle: obs/ProSieben
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Zweifelsfrei: Mit teilweise mehr als 5,3 Millionen Zuschauern hat die ProSieben-Show „The Masked Singer“ in Deutschland eingeschlagen wie eine Bombe. Kein Showformat der zurückliegenden Dekade war auch nur ansatzweise ähnlich erfolgreich wie das Format, in dem sich Prominente maskieren und dann als Wuschel, Engel, Faultier oder als Monsterchen auf die Bühne gehen und bekannte Songs neu interpretieren.

„The Masked Singer“ – Staffel 3 – ab 20. Oktober

Ab dem 20. Oktober moderiert Matthias Opdenhövel bei ProSieben die wieder sechs Episoden umfassende Live-Musikshow, die dann in ihre dritte Runde geht. Max Mutzke hatte die erste Staffel im Hochsommer 2019 als „Astronaut“ gewonnen, Tom Beck als „Faultier“ die zweite Runde, die während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 über die Bildschirme flimmerte.

Insgesamt singen zehn maskierte Promis um die Wette – wer die wenigsten Anrufe erhält, scheidet am Ende einer jeden Sendung aus und gibt seine wahre Identität preis. Das Original dieser Show kommt aus Südkorea, heißt dort „King of Mask Singer“ und ist dort seit 2015 zu sehen. Anders als in Deutschland läuft die Show dort nicht als Event, sondern als normales Wochenendprogramm und bringt es daher auch schon auf über 200 Folgen.

Deutschland war schließlich das erste Land, das die Show durch den Umstand sie live zu senden, nochmals verbessert hat. Selbst in den USA, wo das Format bei einem der größten Sender läuft, werden die Episoden vorab aufgezeichnet, was natürlich die Gefahr leicht erhöht, dass vorab – etwa über soziale Netzwerke – herauskommt, wer am Ende der Show enttarnt wird.

Andererseits hat Deutschland einen kleinen Nachteil, etwa gegenüber den USA: Die Promi-Dichte ist hierzulande nicht ganz so groß. Während in den Staaten schon Namen wie Drew Carey, Bella Thorne oder Lil Wayne mitmachten, standen in Staffel zwei bei ProSieben Sonja Zietlow, Mike Singer, Stefanie Heinzmann oder Franziska Knuppe auf der Bühne.

Nichts desto trotz – ProSiebens Maskenshow und der damit einhergehende Erfolg hat gleich mehrere Steine zum Rollen gebracht.

Das neue „FameMaker“ von ProSieben

Da wäre in etwa eine neue Musikshow-Idee, die Stefan Raab in den vergangenen Wochen bei ProSieben auf den Sender brachte. Wann immer der ehemalige Mister „TV total“ eine neue Showidee auf den Markt bringt, horcht bekanntlich das komplette fernseh-interessierte Deutschland auf. So war das auch bei „FameMaker“, das mit einer überdimensionalen Glaskuppel arbeitet. Unter dieser Kuppel singen Entertainer – doch weder das Studiopublikum, noch drei Prominente auf der Bühne, noch die Fernsehzuschauer hören ihn. Somit stellt sich die Frage: Ist das wirklich ein guter Sänger? Oder nur ein genialer Entertainer?

Genau dieser Frage müssen auch Carolin Kebekus, Luke Mockridge und Tedros Teclebrhan, besser bekannt als Komiker „Teddy“, nachgehen. Sie wählen die Künstler in ihr Team – doch liegen sie wirklich richtig oder müssen sie letztlich schlechte Sänger bis ins Finale schleppen? Für ProSieben war die am Donnerstag zu Ende gegangene Show mit passablen Marktanteilen bei Weitem kein Überflieger, aber auch kein Flop. „Talk of the Town“ wurde das Format aber keinesfalls.

Bildquelle: obs/ProSieben/Willi Weber

Das lag vermutlich auch an der ein oder anderen inhaltlichen Schwäche. Da wäre etwa zu nennen, dass es während des ersten Teil des Gesangsparts, also dem, bei dem man nichts hört, im Fernsehen logischerweise still blieb. Und Fernsehen und Stille – das passt eben nur bedingt zusammen. Mit Tom Neuwirth, auch bekannt als Kunstfigur Conchita Wurst, mischte zudem noch ein Moderator mit, den man sich mangels echtem Auftrag eigentlich hätte schenken können. So war „FameMaker“, das fünf Mal in diesem Herbst lief, eine nette Idee, die aber spätestens nach drei Stunden am ersten Abend ausgelutscht war.

„I can See your Voice“ von RTL

Gewisse Ähnlichkeiten gab es bei einem Show-Versuch, den RTL im August startete. „I can See your Voice“ ist – genau wie „The Masked Singer“ eine Adaption eines südkoreanischen Formats. Hier singen ebenfalls gute und sehr schlechte Sänger – allerdings zunächst im Vollplayback. Bei den schlechten Sängern ist vom Band die Stimme eines guten Sängers zu hören und die Jury muss abwägen: Fake oder Nicht? Auch dieses Format geriet allenfalls zu passablem Erfolg; letztlich dürften die unterschiedlichen Spielrunden und die damit einhergehenden jeweiligen Regeln schlicht zu kompliziert gewesen sein.

Interessant besetzt war derweil die Jury des Formats; unter anderem rätselten Evelyn Burdecki und Thomas Herrmanns mit. Ob es von der Show im nächsten Jahr wirklich eine Fortsetzung geben wird, ist absolut unklar.

„The Big Performance“ – die zweite Masken-Show

Am ehesten kommt man dem „The Masked Singer“-Gefühl noch beim RTL-Samstags-Format „The Big Performance“ nahe. Am 3. Oktober läuft hiervon das Finale. Auch in dieser Sendung stehen bekannte Musiker auf der Bühne – bleiben aber unerkannt, da sie maskiert sind. Schon demaskiert wurden zuletzt Prince Damian und Vanessa Mai. Anders als beim ProSieben-Format aber sind sie nicht als kuschelige Tiere zu sehen, sondern tragen Masken ihrer Musiker-Idole, sehen diesen auf der Bühne also zum Verwechseln ähnlich.

Kleine Änderung, große Wirkung: Dadurch geht der RTL-Show das spielerische Element, das Witzige und Erstaunliche, das die ProSieben-Show so einmalig macht, verloren.

Bleibt festzuhalten: Das Privatfernsehen hat in diesen Tagen jede Menge neue Show-Ideen bereit gehalten – nicht alle waren absolut ausgegoren, keine von ihnen kam an den Mega-Hit „The Masked Singer“ heran. Dass totaler Stillstand herrscht, so wie man es manchen Sendern noch 2015 oder 2016 vorwarf, ist aber definitiv falsch. Das ist doch schon einmal etwas.

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