The Midnight Sky: Sci-Fi von und Mit George Clooney bei Netflix

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Seit 2002 übernimmt George Clooney alle drei Jahre die Regie für einen Film. Ein richtiger Hit war bislang noch nicht dabei, auch wenn Clooney für Goodnight and Good Luck immerhin als bester Regisseur für den Oscar nominiert war - der damals an Ang Lee ging. Sein neuestes Werk, für das ihm Netflix das stolze Budget von 100 Millionen Dollar zur Verfügung stellte, beruht auf dem Roman Good Morning Midnight und erzählt vom Ende der Welt - ein beliebtes Thema für Sci-Fi-Filme bei Netflix. Und wenn ein George Clooney Kollegen anruft und ihnen Rollen anbietet, sagt offenbar kaum jemand ab: The Midnight Sky ist bis in kleine Nebenrollen stark besetzt. Ist er auch gut?

The Midnight Sky

Die Handlung

In naher Zukunft: Durch ein nicht näher beschriebenes Ereignis wird die Erde auf einem für Menschen tödlichen Niveau verstrahlt - es dauert nur noch Tage, bis der ganze Planet betroffen sein wird. Der Wissenschaftler Augustine (George Clooney) will dennoch auf seiner Arktis-Station ausharren, denn er plant, noch im All agierende Missionen per Funk vor einer Rückkehr zur Erde zu warnen. Zudem hat er ohnehin nicht mehr lange zu leben, bei ihm wurde Krebs im Endstadium diagnostiziert. Und so fokussiert er sich darauf, die Besatzung der Aether zu erreichen, die auf dem Heimweg von einem für Menschen bewohnbaren Jupitermond namens K-23 sind.

Auch als Augustine ein kleines Mädchen entdeckt, das offenbar bei der Evakuierung übersehen wurde, hält ihn das nicht von seinem Plan ab, durchs ewige Eis zu einer Station mit stärkerem Funk zu fahren, um Aether zu erreichen und sie vor dem sicheren Tod zu warnen. Denn tatsächlich wissen die Astronauten um die schwangere Sully (Felicity Jones) und Kommandant Gordon (David Oyewolo) nichts von der Lage auf der Erde. Kann der todkranke Augustine mit der Hilfe der kleinen Iris rechtzeitig einen Funkspruch absetzen, um der Besatzung der Aether das Leben zu retten? Oder ist die Menschheit zum Untergang verdammt?

The Midnight Sky Sully und Gordon

Wunderschöner Weltuntergang

Schöner als in The Midnight Sky ist der Weltuntergang wohl lange nicht inszeniert worden. Weil Clooney nie die Folgen der Verstrahlung zeigt, bleibt das Ende der Welt ein abstraktes Bild. Allerdings interessiert sich die Geschichte auch nicht sonderlich für die genauen Umstände, Clooneys Film erzählt viel mehr von den Folgen dieser Nachricht für den einzelnen Menschen. Sein Augustine ist ein Mann der Wissenschaft, der für seinen Traum - die Besiedelung anderer Welten durch die Menschheit - seine privaten Wünsche hintenangestellt hat. Was ihn letztlich nicht nur seine Ehe, sondern auch sein Kind kostet. Selbst dem Tod nah, will er nun noch eine letzte gute Tat begehen.

Und dabei zeigt Clooney mit dem deutschen Kameramann Martin Ruhe sowohl die Arktis als auch das All in ganzer Schönheit. Für den Abgesang auf die Erde finden beide atemberaubende Aufnahmen von der Schönheit des Planeten, selbst im ewigen Eis. Dahinter verblasst sogar das Universum, obwohl Clooney einen Großteil des 100 Millionen-Budgets für diese Sequenzen ausgegeben haben dürfte. In einer der wenigen Action-Szenen des Films fühlen sich Fans denn auch stark an Gravity erinnert, in dem Clooney ebenfalls mitspielte, den er mit The Midnight Sky allerdings beim Aspekt des Überlebenskampfes im All nicht ganz zu toppen vermag.

The Midnight Sky George Clooney

Emotion statt Action

Ein Hauptproblem von The Midnight Sky ist es denn auch, dass die beiden Storylines lange Zeit eher parallel nebeneinander herlaufen, als wirklich zu einer Geschichte zu werden. Das gelingt Clooney als finalem Coup erst sehr spät im Film - und dann auch wenig überraschend für aufmerksame Zuschauer. Schnell wird klar, worauf Augustines Geschichte hinausläuft, warum der Film aber immer wieder die Besatzung der Aether zeigt, bleibt lange im Dunkeln. Dass der Zuschauer diese Ausflüge ins All dennoch nie als Zeitverschwendung wahrnimmt. liegt neben den starken Effekten, die für viel Realismus sorgen, vor allem an den guten Schauspielern, die eine mäßig spannende Story interessant halten.

Bis The Midnight Sky am Ende seine Karten auf den Tisch legt, verlangt der zweistündige Film von seinem Publikum auch etwas Geduld, denn das Erzähltempo schwankt deutlich, der vermeintliche Höhepunkt ist bereits nach gut einer Stunde erreicht. Denn Clooney interessiert sich wenig für den Science-Aspekt seines Sci-Fi-Films, dafür umso mehr für die philosophischen und emotionalen Bereiche der Geschichte. Das rückt ihn eher in die Nähe von Interstellar oder Ad Astra als in Gefilde von The Expanse oder Another Life. Auch wenn die wenigen Action-Szenen solide inszeniert sind.

The Midnight Sky

Man lehnt sich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man mutmaßt, dass kein großes Studio in Hollywood diesen Film mit 100 Millionen Dollar Budget gedreht hätte, so etwas entsteht zurzeit nur bei Netflix. Ob das gut oder schlecht ist, dürfte hierbei reine Geschmackssache sein. Wer sich an diesen ruhigen Storys mit mehr Tiefe als Spannung begeistern kann, dürfte dem Streaming-Dienst dankbar sein, wer lieber Film wie Six Underground sieht, für den ist The Midnight Sky hingegen eine Zumutung an Langsamkeit und Thema. The Midnight Sky ist ein sehr teuer, sehr gut aussehender Arthouse-Film, allerdings ein recht zugänglicher.

Fazit:

George Clooney sucht sich seine Regie-Projekte sehr sorgfältig aus, The Midnight Sky dürfte ihn vor allem wegen der Hauptrolle gereizt haben. Die spielt er ebenso stark wie seine Kollegen ihre Figuren. Wer sich aber auf einen spannenden Überlebenskampf der Menschheit freut, ist hier falsch. Clooney interessiert sich mehr für die emotionalen und philosophischen Fragen der Geschichte und nur wenig für traditionelle Aspekte eines Weltuntergang-Szenarios. Dafür entschädigt er mit wunderschönen Bildern der sterbenden Erde und des Universums und lässt Komponist Alexandre Desplat einen dazu passenden, wunderschönen Score verfassen. Großes Kino auf dem TV für Cineasten, aber keine Option für Actionfans.

The Midnight Sky startet am 23. Dezember 2020 bei Netflix.

The Midnight Sky

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